08. August 2018, 14:00 Uhr

Genug Sauerstofff

Trotz Rekordhitze: In der Nidda bleibt das Fischsterben aus

Nicht nur die Menschen leiden unter der Hitzewelle: Die Gewässer trocknen aus, den Fischen fehlt der Sauerstoff. Ein Fischsterben, das mancher Angler auch in der Nidda befürchtete, gibt es aber nicht.
08. August 2018, 14:00 Uhr
NMA
Trotz der Hitze halten sich die Nidda und ihre Altarme derzeit wacker. Von einem Fischsterben kann keine Rede sein.

Sehr dünn läuft sie dahin, die Nidda. Das Flussbett ist gut zu erkennen, so wenig Wasser führt sie – und doch scheint sich der Fluss wacker zu halten. Das ist nicht selbstverständlich: Fast sechs Tonnen toter Tiere hat man zum Beispiel in Hamburg aus dem Wasser geholt. Sind auch Wetterauer Gewässer gefährdet? Darüber sorgte sich ein Angler, der regelmäßig an den Nidda-Altarmen bei Karben fischt. Anonym beschwerte er sich bei der Redaktion, die Fische dort würden sterben, die Stadt habe versäumt die Verzweigungen des Flusses zu Beginn der Hitzeperiode aufzubaggern, um die Frischwasserzufuhr sicherzustellen. Dabei seien die Bagger derzeit ohnehin vor Ort wegen der Renaturierung des Flusses, heißt es im Schreiben.

Doch Jörg Hoss, Vorsitzender des Angelsportvereins Groß- und Klein-Karben, kann da ein ganz anderes Bild vermitteln. »Überraschenderweise gibt es nicht einen toten Fisch in den Altarmen«, sagt er. Selbst die Teiche des Vereins hätten bei Messungen am vergangenen Sonntag nahezu hervorragende Werte aufgewiesen.

Die Altarme aufzugraben habe man in Erwägung gezogen, die Idee aber vorerst verworfen. Das wegen der Trockenheit zu tun, wäre ohnehin nicht möglich: »Soweit ich weiß würde allein die Entsorgung des ausgebaggerten Schlamms die Stadt bis zu einer Million Euro kosten«, sagt Hoss. Sein Verein sei immer um die Gesundheit der Nidda und der Altarme besorgt und deshalb regelmäßig in Gesprächen mit der Stadt, um die Gesundheit der Gewässer sicherzustellen. »Wir haben da eine gute Lösung für die Zukunft gefunden, wenn die Nidda renaturiert ist«, berichtet der Vorsitzende. Nach momentanem Stand wolle man 2019 die Altarme nicht aufbaggern, sondern das Frischwasser durch eine extra angefertigte Spindel von der Nidda dorthin leiten.

 

Viel Sauerstoff im Wasser

Und wie schaffen es die Fische in der Nidda, die Hitze zu überstehen? Gewässerökologe und Nidda-Experte Gottfried Lehr weiß, was die enorme Sonneneinstrahlung der vergangenen Tage einem Fluss antun kann. »Alle Gewässer in Deutschland erleben momentan eine Krisensituation.« Über 28 Grad seien am Sonntag im Rhein gemessen worden. Gefährlich für die Tiere – und doch sei das Fischsterben in der Nidda bisher ausgeblieben. »Die Nidda hat eine lange Fließstrecke und führt deshalb viel Sauerstoff im Wasser«, erklärt Lehr. Das halte die Fische, die andernorts wegen Sauerstoffknappheit sterben, am Leben. »Dennoch fehlen an der Nidda vielerorts Bäume. Diese sind eigentlich eine natürliche Klimaanlage für Flüsse.«

Zum Glück für die Nidda sei der vergangene Winter verregnet gewesen. Davon würden deutsche Flüsse momentan noch immer zehren, so der Experte. Eine Entwarnung will er aber noch nicht geben. »Wir Gewässerökologen halten momentan die Luft an, dass die Gewässer noch die letzten heißen Tage überstehen.« Doch selbst die erhoffte Abkühlung wäre noch nicht die Rettung. Denn heftige Regengüsse, die dann kommen können, würden wiederum zu ganz anderen Problemen führen: »Wenn Gewitter kommen, wird eine Menge Schlamm auf einen Schlag in die Nidda gespült«, erklärt Lehr. Das sei eine Belastung für den Fluss und die Lebewesen darin. Im schlimmsten Fall könnte das biologische Gleichgewicht des Flusses kippen.

»Wir erleben eine extreme Trockenperiode, die so schlimm ist, wie schon lange nicht mehr«, sagt Lehr. 1540 habe es zum letzten Mal eine derart langanhaltende Dürreperiode gegeben, diese sei allerdings noch schlimmer gewesen: »Damals konnte man zu Fuß den Rhein überqueren.«

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