24. März 2017, 20:03 Uhr

Treffen für die Freundschaft

24. März 2017, 20:03 Uhr
Diskutieren über das Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen (v. r.): Elke Kaldenbach, Marlene Mühlhans, Julian Borod, Raphaëlle Todiello, Noëlle Amis, Sébastien Ballay. (jsl)

Manchmal werden aus Feinden doch noch Freunde. Die deutsch-französischen Beziehungen sind dafür ein gutes Beispiel. Nicht zuletzt in den beiden Weltkriegen gab es großes Leid auf beiden Seiten. Der Hass schien unüberwindbar, die Gräben zu tief. Doch schon mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 kamen sich beide Nationen näher. Verantwortlich dafür waren Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, die schließlich 1963 mit dem Élysée-Vertrag den Schulterschluss wagten. Damals wurde auch zum ersten Mal von »Freundschaft« gesprochen. Große Gesten blieben nicht aus: 1984 standen Helmut Kohl und François Mitterrand Hand in Hand vor dem Fort Douaumont bei Verdun, 2013 ehrten Joachim Gauck und François Hollande die Toten des SS-Massakers von Oradour-sur-Glane. Inzwischen stehen Deutschland und Frankreich auf der Bühne der Weltpolitik eng zusammen. Beide Nationen gelten als der »Motor Europas«.

»Die Schüler kommen gut miteinander aus«, freute sich Organisatorin Elke Kaldenbach. »Unser gemeinsames Projekt steht mittlerweile auf breiten Schultern. Wir nehmen zusammen an Wettbewerben teil, besuchen Museen, arrangieren Klassentreffen und gehen essen. In allen schulischen Bereichen findet ein reger Lernaustausch statt.« Ihr Kollege Ballay machte deutlich, dass sich französische Schüler in deutschen Schulen wohl fühlten und deswegen gerne kämen. »Die Schulsysteme sind völlig unterschiedlich«, erklärte der Deutsch- und Geschichtslehrer. »In Deutschland ist das Lernen entspannter, ohne den Druck, den es in Frankreich gibt. Wer bei uns zu spät kommt, steht vor verschlossener Tür. Man kann nicht einfach durchs Schulgebäude spazieren. Wegen der Terrorgefahr wird alles streng überwacht.«Von seiner Klasse seien einige Jugendliche noch nicht einmal für ein Jahr in Frankreich gewesen. »Sie sind Diplomatenkinder, oder ihre Eltern arbeiten bei der EZB. Die meisten Schüler sind in der ganzen Welt unterwegs und sprechen deswegen sehr gut Englisch. Das ist für Franzosen eigentlich untypisch. « Die Französinnen Noëlle Amis (16) und Raphaëlle Todiello (17) trafen sich an einem Tisch mit Marlene Mühlhans (16) und Julian Borod (16) vom Georg-Büchner-Gymnasium zum Gedankenaustausch. »Bei einigen älteren Franzosen ist die Erinnerung an den Krieg schon noch da«, meinte Noëlle. »Das ist etwas kompliziert. Wir werden im Geschichtsunterricht für das Thema sensibilisiert, ohne dass die Deutschen als Bestien dargestellt werden.«

»Deutschland ist heute für die 20- bis 30-Jährigen allerdings sehr attraktiv geworden«, ergänzte ihre Klassenkameradin Raphaëlle. »Viele Franzosen gehen wegen der Arbeit nach Deutschland – vor allem Menschen aus dem Elsass.«

Die vier jungen Leute hoffen indes, dass bei den anstehenden Wahlen in beiden Ländern »die Vernunft über den Populismus siegt«. Während Julian Borod voll auf den Aufwind von Martin Schulz setzt, wünschen sich die französischen Mädchen, dass Marine Le Pen trotz allen politischen Wirrwarrs nicht gewählt wird.

Am Ende sind sich alle einig: »Deutschland und Frankreich sind die tragenden Füße Europas. Ohne diese starken Nationen gibt es für ein gemeinsames Europa keine Zukunft.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Charles de Gaulle
  • Deutsch-französische Beziehungen
  • Elend
  • Europäische Zentralbank
  • Francois Mitterrand
  • Freundschaft
  • Geschichtslehrer
  • Hass
  • Helmut Kohl
  • Joachim Gauck
  • Marine Le Pen
  • Martin Schulz
  • Nationen
  • Schulsysteme
  • Theater
  • Weltkriege
  • Bad Vilbel
  • Jürgen Schenk
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos