Bad Vilbel & Karben

Traumberuf auf Umwegen

Schauspieler und Hörfunksprecher Volker Weidlich gehört zu den Publikumslieblingen der Burgfestspiele in Bad Vilbel. In der neuen Spielzeit steht er in den beiden Komödien »Pension Schöller« und »Maria, ihm schmeckt’s nicht« auf der Bühne. In »Pension Schöller« schlüpft er in die Rolle des deutschen Kleinbürgers Philipp Klapproth, ein wohlhabender Gutshofbesitzer aus Kyritz an der Knatter. Der will mithilfe seines Neffen Alfred in der Hauptstadt mit seinen Skatbrüdern »etwas ganz Besonderes« erleben.
02. Juli 2019, 19:02 Uhr
Christine Fauerbach
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Schauspieler Volker Weidlich steht bei den Burgfestspielen im Schwank »Pension Schöller« und in der Komödie »Maria, ihm schmeckt’s nicht« auf der Bühne. (Foto:cf)

Schauspieler und Hörfunksprecher Volker Weidlich gehört zu den Publikumslieblingen der Burgfestspiele in Bad Vilbel. In der neuen Spielzeit steht er in den beiden Komödien »Pension Schöller« und »Maria, ihm schmeckt’s nicht« auf der Bühne. In »Pension Schöller« schlüpft er in die Rolle des deutschen Kleinbürgers Philipp Klapproth, ein wohlhabender Gutshofbesitzer aus Kyritz an der Knatter. Der will mithilfe seines Neffen Alfred in der Hauptstadt mit seinen Skatbrüdern »etwas ganz Besonderes« erleben.

Im heiteren deutsch-italienischen Familienspaß »Maria, ihm schmeckt’s nicht« gibt Volker Weidlich erneut Saras Vater, Antonio Marcipane, wie der Vater von drei erwachsenen Söhnen berichtet. In dieser Spielzeit sind vier neue Kollegen mit dabei. »Für diese Kollegen ist es eine Neuproduktion, für mich eine Wiederaufnahme.« Zu seinen Rollen sagt der gebürtige Duisburger: »Ich spiele gern in Komödien. Es macht mir Spaß, Leute zum Lachen zu bringen und mit Niveau gut zu unterhalten.« Und dies, obwohl er Mephisto liebt, den er 1990/91 in Kaiserslautern verkörperte. Seine beiden Wunschrollen sind König Lear und Richard III.

Nach Bad Vilbel zu den Burgfestspielen geholt hat ihn 2009 Regisseurin Adelheid Müther. »Ich stehe in Bad Vilbel diesen Sommer zum neunten Mal auf der Festspielbühne«, freut sich der 61-Jährige. Seine ersten Vilbeler Inszenierungen waren von Barbara Neureiter »Floh im Ohr«, wo er den Carlos Homenides de Histangua, und »Hamlet«, wo er unter Regie von Harald Demmer den Polonius spielte. Es folgte »Don Camillo und Peppone«, inszeniert von Adelheid Müther, und viele andere Rollen bei den Burgfestspielen.

Auf zur hohen See

Vom bis zu acht Stunden dauernden Probenstress erholt er sich mit Lesen - »vor allem Fachliteratur, aber auch Bücher über Religion und Esoterisches« - sowie sportlich mit Wandern, Yoga und Pilates. Der Weg in den Traumberuf führte Volker Weidlich über Umwege. »Ich wollte Seemann werden, brach mit 14 die Schule ab und ging nach Hamburg auf die Seemannsschule, die ich ebenfalls nicht beendete.«

Nach einem Dreivierteljahr Schufterei in der Binnenschifffahrt wechselte er die Branche und machte eine Ausbildung als Sanitärinstallateur, die er mit der Gesellenprüfung erfolgreich beendete. Volker Weidlich, der Mundharmonika und Saxofon spielt, wollte schließlich Musiker werden. In seiner Heimatstadt Duisburg nahm er in dieser Zeit an einem Theater-Workshop teil und entdeckte beim Ausflug ins künstlerische Fach seine Liebe zum Schauspielerberuf.

Unter den besten 14

»Ich habe mich danach auf der Westfälischen Schauspielschule in Bochum beworben. Von 400 Bewerbern wurden 14 angenommen.« Seine Ausbildung an der bekannten Künstlerschmiede dauerte von 1977 bis Januar 1981. Es folgten Engagements bei den Westfälischen Kammerspielen in Paderborn, in Oldenburg, am Nationaltheater Mannheim, in Kaiserslautern und Kassel, wo er mit Adelheid Müther erstmals zusammenarbeitete.

»Ich habe viel an verschiedenen Theatern gastiert, wie in Kiel und Umgebung, in Aachen und dem Grenzland sowie zuletzt in Cottbus in ›Der Aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui‹ (2018).« Doch nicht allein auf Theaterbühnen ist Volker Weidlich ein gefragter Darsteller. Seine Stimme kennen auch Radiohörer bestens aus Produktionen wie dem Radio Tatort, »Das deutsche Haus am Kanal« (2007), »Verhandlungssache« (2008) oder »Idylle« im Deutschlandfunk Kultur (2018).

In Film und Fernsehen hatte er zuletzt Rollen in bekannten Produktionen wie »Der Junge muss an die frische Luft« (2018), »Alles, was zählt« (2015), »Knallerfrauen« (2015 und 2013) oder »Der zündende Funke/Terra X« (2013) und »Adenauer« (2011). Volker Weidlich spielte in TV-Serien wie »Tatort«, »Alarm für Cobra 11«, in der ersten »SOKO- Köln«-Folge und »Spaß beiseite, Herbert kommt« mit. Ausgezeichnet wurde der bekannte Schauspieler im Jahr 2017 mit dem Kurt-Sieder-Theaterpreis der Stadt Aachen. Zurzeit probt er fleißig in der Quellenstadt und freut sich auf ein Wiedersehen mit »seinem« Festspielpublikum.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Traumberuf-auf-Umwegen;art469,608251

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