03. November 2017, 16:00 Uhr

Theater in Petterweil

Theater um Luther

»1517« – die Zuschauer des Luther-Theaterspiels in Petterweil werden auf einem Mittelaltermarkt in die Zeit des Reformators zurück versetzt, ehe die Aufführung im Albert-Schäfer-Haus beginnt.
03. November 2017, 16:00 Uhr
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Von Christine Fauerbach

E ines der Projekte, die beleuchten, was Reformation heute bedeutet, ist das Petterweiler Theaterprojekt »1517«. Geschrieben haben es Ulrike Schramm und Lilly Gress nach einer Idee von Hans-Peter Kümmel. 2015 hatte der Kirchenvorstand den Beschluss gefasst, ein Theaterprojekt im Jubiläumsjahr zu starten. Erfolgreich umgesetzt haben es die Nachwuchs- und Laiendarsteller der Theatergemeinschaft der Kirchengemeinde mit Regisseurin Anne Georgio.

Tanzbär, Steinmetz, Kräuterfrau

Eingestimmt wurden die Besucher bei der Premiere am Reformationstag im Bürgerhaus Petterweil auf das Jahr 1517 mit einem Mittelaltermarkt. Rund um ein Feuer vermittelten Spielleute, ein Tanzbär, zwei Esel, ein Steinmetz, Kräuter- und Marktfrauen einen Blick auf das Leben vor 500 Jahren. Eine Wahrsagerin blickte in die Zukunft und ein Unglücksrabe verbreitete Angst und Schrecken. Helmut Anhäuser zeigte sein Wanderfalkenweibchen »Mausi«. Unter das Volk gemischt hatten sich auch Hexen und Zauberer. Sie ließen in der Nacht auf Allerheiligen den keltischen Brauch Halloween aufleben, forderten »Süßes oder Saures« ein. Auf dem Mittelaltermarkt versorgen sie sich mit Salzteiggebäck bei der Brezelfrau. Im Foyer gab es Speisen bei den Landfrauen und Getränke bei den Sängern sowie das Programmheft.

Handlung nach Eisenach verlegt

Danach heißt es im voll besetzten Saal Vorhang auf. Die Handlung haben die Autorinnen nach Eisenach verlegt, wo Augustiner Martin Luther (Thomas Hechler) in der Gemeinde St. Georgen eine Vakanz-Vertretung inne hat. Sein Gegenspieler ist der Dominikaner und Ablasshändler Bruder Ignatius (Tom Meusert), der sich die Amtshilfe des Eisenacher Schultheißen Lohfink (Dr. Marcus Poggenpohl) sichert. Getragen wird die Handlung vom Volk in Gestalt von den Studenten. Die Theologiestudenten Erasmus Alberus (Lukas Golla), ein Schüler Luthers, und Konrad (Dominik von Hase-Köhler), Medizinstudent Matthias (Christopher Boeder) und Jurastudent Jakob (Enrico Anker-Fink) sorgen für Wirbel. Matthias Eintreten für die Erkenntnis Luthers, dass Gott kein strafender, sondern ein gnädiger ist, beschert ihm eine von Ignatius eingeforderte Unschuldsprobe im Kesselfang. Bei diesem »Gottesurteil« taucht der Verurteilte seine Hand in kochendes Wasser, um einen Ring herauszuholen. Retter in der Not ist Wunderarzt Paracelsus (Nicolai Camesasca).

Eher im Hintergrund

Luther bleibt in der Petterweiler Inszenierung eher im Hintergrund. Er erweckt mehr den Eindruck eines treuen, temperamentlosen Dieners der katholischen Kirche. Dies zeigt sich in seinem Diskurs über den Ablasshandel mit Ignatius ebenso wie sein fehlendes Eintreten für Matthias. Schwer vorstellbar, dass es sich bei diesem zurückhaltenden Luther, um den Reformator handelt, der den Konflikt mit Papst Leo X. und Kaiser nicht scheute. Für Lokalkolorit sorgen neben Erasmus Alberus seine Base Grete (Rike Golla), Haushälterin in St. Georgen, Matthias Verlobte Anna (Frauke Schrage), die resolute Festwirtin (Dorothe Schulz) sowie die Chor- und Gassenkinder Emma und Julius Zinke, Sara Fischer, Isabella Henritzi, Lena Brüsssler, Leni Schuld, Franziska Pfeiffer, Anton und Silas Leitgeb und Katja Wurzel. In einer Doppelrolle als Fugger-Buchhalter und Herold Friedrich des Weisen zu sehen ist Günther Lehmann. Büttel von Eisenach ist Wolfram Böcking von Boeltzig. Das in der Angst vor dem strafenden Gott gefangene Volk spielen Helmut Anhäuser, Sylvia Will, Hildburg Hartmannshenn, Gabriele und Peter Priester, Susanne und Elke Jugl. Auf der Flöte und an den Saiten begleiten Pfarrer Michael Neugber und Nicola Piesch. Das Premierenpublikum feierte alle Mitwirkenden für eine kurzweilige Darstellung mit viel Applaus.

Eine weitere Aufführung von »1517« findet im Bürgerhaus Petterweil am Samstag, 4. November, um 19 Uhr statt.



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