12. Mai 2017, 08:00 Uhr

Telekom-Störung

Tagelang tote Leitungen

Wer telefonieren, im Internet arbeiten oder sein Auto zulassen wollte, hat zurzeit Pech. Eine Störung hat Petterweil lahmgelegt. Wie konnte es dazu kommen?
12. Mai 2017, 08:00 Uhr
An der Kreisstraße haben Telekom-Mitarbeiter eine Grube ausgehoben, in der die defekten Kabel liegen. (Foto: pe)

Freitagnachmittag in der Robert-Blum-Straße: Peter Schwalm versucht zu telefonieren. Doch das Telefon bleibt stumm. Auch sein Versuch, ins Internet zu kommen, bleibt erfolglos. Er versucht es wieder und wieder. »Zeitweise ging das Telefon, dann wieder nicht, ebenso war man zeitweise online und dann wieder nicht.« Am nächsten Tag fiel alles komplett aus, auch Schwalms Hausnotrufsystem, das über die Telefonleitung der Telekom angeschlossen ist. Der MS-kranke Schwalm, der in Karben eine Selbsthilfegruppe gegründet hat, ist auf das Hausnotrufsystem angewiesen. Und wie es immer so ist: Gerade dann, wenn etwas nicht funktioniert, wird es gebraucht. Schwalm musste den Notarzt rufen, allerdings nicht für sich, sondern für seinen Nachbarn, der vor der Tür gestürzt war. Doch der Petterweiler Schwalm wusste sich zu helfen. »Per Handy habe ich den Notarzt gerufen«, schildert er gegenüber der WZ.

Am anderen Ende von Petterweil, nämlich im Höfer Weg, wohnt Klaus Glock. »Bei uns geht seit Freitagnachmittag weder Internet noch Telefon«, sagt er zur WZ. »Wir sind total abgeschnitten.« Er habe dann bei der Telekom angerufen und sei den Stadtteil, in dem er seit fast 40 Jahren wohnt, abgefahren. Dort entdeckte er einige Baustellen, die er für die Ursache der Störung hielt.

Gestört war auch die Kfz-Zulassungsstelle in der Rathaus-Außenstelle. Die Halter, die ihr Auto neu zulassen wollten, wurden seitens der Stadt nach Friedberg verwiesen.

Verteiler durchgerostet

Was wirklich vorgefallen war, erfuhr die WZ gestern Morgen auf dem Weg in den Karbener Stadtteil. Vom Berufsbildungswerk her kommend waren Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens rund 200 Meter vor dem Ortseingang im Einsatz. Sie hatten eine Grube ausgehoben und die Hauptleitung nach Petterweil freigelegt, an der rund 1200 Anschlüsse hängen. Wie Martin Wettner sagte, habe es in der Telekom-Leitung zwischen der B 3 und Petterweil gleich zwei Wasserschäden gegeben und somit einen großen Teil der Kabel unterspült. »Nachdem wir von den Problemen gehört hatten, sind wir mit einem Messfahrzeug herausgefahren. « Die rund einen Kilometer lange Strecke zwischen dem Abzweig der Hauptleitung an der Bundesstraße 3 etwa 100 Meter vor der Tankstelle und dem ersten Verteilerkasten an der Ortseinfahrt habe man abgefahren und alles ausgemessen. Das Resultat: Gleich zwei massive Störungen. Eine direkt am Abzweig, die andere etwa 200 Meter vor der Ortseinfahrt.

So recht klar war bis gestern nicht, ob die starken Regenfälle der vergangenen Tage den Wassereinbruch verursacht haben, oder »ob das über Jahre vor sich hingegärt ist«.

Normalerweise sind die Rohre, in denen die Kabel verlaufen, mit Kunststoff ummantelt. Dazwischen gibt es immer wieder sogenannte Verstärkermuffen, die das Signal verstärken. Die sind nicht nur mit Kunststoff umhüllt, sondern auch mit einem Stahlvollmantel. Die Kunststoffumhüllung an einem der Verstärker war defekt, der Stahlmantel durchgerostet. Wettner erklärt auch, warum ein Teil der Anschlüsse noch funktioniert hat. Einige der Kabel seien unter Wasser gewesen, andere nicht.

Mit gleich knapp zehn Mitarbeitern ist die Telekom jetzt im Einsatz, um die Schäden zu beheben. Gestern Vormittag waren zwei der Mitarbeiter damit beschäftigt, eine neue Verstärkermuffe zu konstruieren. Die gibt es nicht fertig zu kaufen, sondern die muss quasi Kabel für Kabel angefertigt werden. Zudem zog die Telekom noch eine Tiefbaufirma aus Grünberg hinzu, die ein neues Kabel lieferte.

Denn nicht nur die Muffen, sondern auch das Hauptkabel wird ausgetauscht. »Wir wollen bis in den späten Abend hinein in zwei Schichten arbeiten«, erklärte Wettner. Bis zum heutigen Freitagnachmittag will die Telekom das Problem behoben haben. Dann dürften auch Peter Schwalm und Klaus Glock wieder ungehindert telefonieren und surfen. Und Schwalms Notrufsystem funktioniert dann auch wieder.

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