14. November 2018, 08:00 Uhr

Becken gesperrt

Suche nach dem Legionellen-Herd

Das Nichtschwimmerbecken des Nidderbads in Heldenbergen ist derzeit abgesperrt. Ein Legionellenbefund im Wasser des Beckens macht dies erforderlich. Nun wird nach den Ursachen geforscht.
14. November 2018, 08:00 Uhr

Aufs Toben im Nichtschwimmerbecken im Nidderbad müssen die Schüler von Bernhard Engel verzichten. »Das geht leider nicht«, erklärt die Schwimmmeisterin. Denn das Institut Fresenius hatte soeben einen Legionellenbefund gemeldet. Engel, der die Friedrich-Ebert-Schule in Schöneck-Kilianstädten leitet, hält den Unterricht kurzerhand im Schwimmerbecken ab: Mit Schwimmgürteln und Schwimmbrett. »Vormittags kommen regelmäßig Schulklassen zum Schwimmunterricht«, erklärt Betriebsleiter Harald Rühl. Alle Schulen seien über die Legionellen informiert, könnten entscheiden, ob sie die Kinder mit Aufsichtspersonen alternativ ins große Becken lassen. Kurse, etwa Babyschwimmen und Wassergymnastik für Senioren, sind abgesagt.

 

Filter im Blick

 

Als der Legionellenbefund im Nichtschwimmerbecken bekannt wurde, wurden sofort Aushänge gemacht, eine Pressemeldung herausgegeben und das Becken mit rot-weißem Band abgesperrt. Da das Wasser stets gefiltert und desinfiziert wird, entstünden normalerweise keine Keime. Das Schwimmbad achte dabei auf Chlorkonzentration und ph-Wert, erklärt Rühl.

Regelmäßige Untersuchungen

»Wir werden zudem regelmäßig von Fresenius untersucht«, sagt er. Im Sommer komme das Institut monatlich, im Winter alle zwei Monate. Allerdings soll dieser Turnus nun verkürzt werden – bis die Ursache feststeht. Dies sei wichtig. Denn werde eine bestimmte Legionellenkonzentration überschritten, könne dies zur Lungenentzündung führen. Aktuell stünden deshalb die Filter im Keller des Bades im Blickpunkt, große deckenhohe Maschinen. »Wir müssen schauen, ob es einen Schaden am Filter gibt, ob das Filtermaterial verkeimt oder ob es in Ordnung ist. Wir müssen untersuchen, ob irgendwo ein Bereich mit Totwasser ist, wo sich so etwas vermehren kann.«

Filter im September kontrolliert

Erst im September seien die Filter kontrolliert, gereinigt und Filtermaterial ergänzt worden. »Wir haben getan, was man hinsichtlich optischer Schäden tun kann, außerdem eine Grundreinigung vollzogen«, sagt Rühl. Zu jenem Zeitpunkt sei alles in Ordnung gewesen. Technisch kontrolliere die Firma, die die Filter gebaut habe, derzeit die Anlage. Schäden habe sie aber nicht gefunden. Nun spülten Mitarbeiter die Filter mehrmals täglich, zudem seien die Chlorwerte erhöht worden. Am Freitag hat Fresenius eine weitere Probe entnommen. Bis ein Ergebnis vorliegt, könne es allerdings noch bis Mitte nächster Woche dauern. Inzwischen hat Rühl mit einer Fachplanerin für Bäderbau gesprochen: über Optimierungsmöglichkeiten der Wasseraufbereitung.

 

Mehr Kontrollen

 

»Wir hoffen, dass wir das Becken bald wieder aufmachen können. Aber letztlich ist das Gesundheitsamt als Aufsichtsbehörde zuständig. Mit denen müssen wir die weiteren Maßnahmen abstimmen«, erläutert Rühl. Ende Dezember und im Januar hatte es ebenfalls ein Legionellenproblem gegeben: einmal im Schwimmer-, das andere Mal im Nichtschwimmerbecken. »Da haben wir Schäden an der Wasseraufbereitung festgestellt und haben das Instandsetzen lassen.« Den Sommer über sei dann alles in Ordnung gewesen.

Er gehe davon aus, eine Auflage zu bekommen, das Wasser in kürzeren Abständen zu untersuchen. Ohnedies sei wegen der Befunde vom Frühjahr für das Jahr 2019 bereits geplant gewesen, das Filtermaterial auszutauschen. »Da sind ja etliche Tonnen Kies und Kohle drin. Die müssen dann raus – dann kann man auf den Filter- und den Düsenboden schauen.«

Was dies langfristig bedeutet? »Ich hoffe, nichts Negatives.« Das Nidderbad sei nicht das einzige Bad, das mit so etwas konfrontiert werde. Eine Sanierung könne bis zum Filterneubau reichen, sagt Rühl. Da könne man schon über einige 100 000 Euro sprechen, je nach Umfang. »Es kommt auf die Größe des Bads und des Filters an. Und ob man nur den Filterkörper erneuern muss oder auch die Pumpen.«

Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) hält es angesichts der laufenden Untersuchungen und Beratungen für zu früh, um eine Einschätzung abzugeben. Er betont: »Die Sanierung 2012 hat sechs Millionen Euro gekostet. An 100 000 Euro darf jedenfalls die Existenz unseres Bads nicht scheitern.«

Info

Bei legionären entdeckt

Der Name Legionellen kommt daher, dass sich in den USA 1976 erstmals Angehörige der »American Legion« mit dem Erreger infizierten. An Partikeln hochwirbelnden Staubs während einer Parade soll der damals noch unbekannte Erreger gehaftet haben. Im Wasser haben Legionellen die Eigenschaft, sich bei warmen Temperaturen stark zu vermehren und bei heißen Wassergraden wieder abzusterben. (ihm)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Babyschwimmen
  • Desinfektion
  • Fresenius
  • Krankheitserreger
  • SPD
  • Nidderau
  • Petra Ihm-Fahle
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos