05. April 2017, 11:00 Uhr

Kritik an Ovag

»Stromsparer werden bestraft«

Viele Kabener haben Post von der Ovag bekommen. WZ-Leser Werner Langhammer hat sie studiert und kritisiert die saftige Erhöhung der Grundgebühren.
05. April 2017, 11:00 Uhr
pegelow_holger_pe
Von Holger Pegelow
Die Preise für den Stromverbrauch sind gleich geblieben, dagegen sind die Grundpreise deutlich gestiegen. (Foto: pe)

Auch viele Karbener haben in diesen Tagen Post von der Oberhessischen Versorgungs AG (Ovag) erhalten, sofern sie deren Kunden sind. »Die Reaktionen darauf waren gleich null«, sagt der Leiter der Pressestelle, Andreas Matlé, gegenüber der WZ. Ein Karbener jedoch meldete sich zu Wort: Werner Langhammer aus Kloppenheim. Der hatte die Ovag-Post einmal genauer studiert und bemängelt nun die saftige Erhöhung der Grundgebühren.

Langhammer hat der WZ geschrieben: »Ist Stromsparen dem örtlichen Stromversorger ein Dorn im Auge? Energie wird immer teurer. Jeder Haushalt versucht den Stromverbrauch zu reduzieren. Der Verbraucher wurde angehalten, Energiespargeräte zu kaufen. Durch diese Maßnahme senkt der Verbraucher seinen Stromverbrauch (Kilowattstunden/Jahr) und somit über den Arbeitspreis die Kosten.« Wie der Leser sagt, habe er sich »extra eine neue Kühltruhe gekauft«. Genutzt hat es ihm nicht.

57 Prozent teurer

Denn der örtliche Energieversorger »bestraft seine Kunden, die Strom sparen, in dem er die Grundgebühren pro Jahr erhöht«, bemängelt er. Der Leser aus der Bahnhofstraße rechnet vor: Der Ovag-Klick-Tarif sei von 67,20 auf 105,96 Euro angehoben worden und somit um zirka 57 Prozent gestiegen. Der Klassik-Tarif koste nun 125,09 Euro pro Jahr. Der örtliche Energieversorger beliefert zirka 210 000 Haushalte. Bei Mehrkosten pro Haushalt pro Jahr von etwa 40 Euro werde der Umsatz für den Energieversorger um 8,4 Millionen Euro steigen. »Diese Steigerung erhöht auch die Vergütung der Vorstände des Versorgers.« Für Langhammer ist klar: »Der Versorger profitiert von Verbrauchern, die keinen Internetzugang besitzen, das sind überwiegend ältere Mitbürger, die nicht so einfach den Stromanbieter wechseln können.«

Dass die Strompreise gestiegen sind, bestätigt auch Unternehmenssprecher Matlé. Dies sei auf die »drastisch gestiegenen Netzentgelte« zurückzuführen. Bis zu 70 Prozent seien die Kosten dafür erhöht worden, dass der Strom »quasi bis in die Wetterau gebracht wird«. Bereits im November 2016 habe man die Öffentlichkeit darauf hingewiesen. Ergänzend hieß es, die Ovag habe dem Netzbetreiber 2016 noch 16 Euro pro Monat zahlen müssen, in diesem Jahr seien es 60 Euro. Die um 44 Euro erhöhten Kosten habe man noch nicht mal voll an die Kunden weitergegeben.

Die Ovag habe aber bei der Beschaffung des Stroms einen »beachtlichen Beschaffungsvorteil« erzielt, so dass die Erhöhung lediglich 3,22 Euro pro Monat und somit rund 38 Euro jährlich betrage, sagt Matle. Ovag-Vorstand Rainer Schwarz ist ärgerlich: »Leider schnellen die staatlichen und regulatorisch veranlassten Preisbestandteile, auf die wir keinen Einfluss haben, derart in die Höhe, dass dieser Vorteil nicht mehr ausreicht, um die Kostensteigerungen vollständig zu kompensieren.« Mittlerweile setzten sich 80 Prozent des Strompreises aus Abgaben, Umlagen und Steuern zusammen, rechnet der örtliche Energieversorger vor. Die Arbeitspreise seien hingegen konstant geblieben, so dass nicht davon die Rede sein könne, dass Stromsparen bestraft werde.

Das tröstet Langhammer wenig. Er hat sich einen anderen Anbieter gesucht.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos