26. April 2018, 11:00 Uhr

Stadtwerkechef

Stadtrat Klaus Minkel wird 70

Wenn einer der engagiertesten Bad Vilbeler Rentner 70. Geburtstag feiert, soll seltene Ruhe herrschen. Klaus Minkel geht mit seiner Frau wandern, das Handy bleibt aus.
26. April 2018, 11:00 Uhr
KOP
Der Chef der Bad Vilbeler Stadtwerke, Klaus Minkel, wird heute 70 Jahre alt. Rentner ist er bereits seit fast zehn Jahren, doch er arbeitet ehrenamtlich weiter und weiter. (Foto: kop)

Heute macht er mal das Handy aus: Das Gerät, das ansonsten fast ununterbrochen klingelt, soll an Klaus Minkels 70. Geburtstag ruhen. Ansonsten gibt der Stadtrat weiter Vollgas.

Klaus Minkel stammt aus einer Zeit, zu der ein Handschlag noch als bindende Verpflichtung galt. »Das ist heute nicht mehr so.« Mit seinem 70. Geburtstag habe er »ein Ziel erreicht, aber es geht immer weiter«. In zwei Jahren will er die noch ausstehenden Großprojekte zu Ende bringen, um dann vielleicht in den Ruhestand zu gehen.

Seit fast zehn Jahren Rentner

Rentner ist er seit fast zehn Jahren. Er arbeitet aber weiterhin als ehrenamtlicher CDU-Stadtrat und Betriebsleiter der Stadtwerke. In dem Firmengebäude laufen schon lange viele Fäden für die Projekte zusammen, die die Stadt geprägt haben. »38 prall gefüllte Jahre« liegen hinter Minkel, in denen die Kommune einmal auf links gekrempelt wurde.

»Damals konnte die Stadt kaum ihre Gehälter zahlen, musste finanziell saniert werden. Die Brunnenbetriebe rund ums Alte Rathaus habe ich vom Aussehen her immer mit der DDR verglichen.«. Es war die Zeit, in der er die neu gegründeten Stadtwerke übernahm. »Wir haben mit einer Million D-Mark Kapital angefangen, heute bewegen wir uns bei 40 Millionen Euro mit hohen Vermögenswerten.«

Sanierte Kernstadt

»Heute ist die Kernstadt von der Schmiedgasse bis zum Alten Rathaus erneuert oder saniert«, sagt Minkel. Es war eine wesentliche Voraussetzung für den Bau der Neuen Mitte. Das genügte nicht. Entlastungsstrecken mussten her, »diese haben den Innenstadtring, Dortelweil-West und den Quellenpark erst ermöglicht«. Nicht nur überörtlich habe er für seine Visionen kämpfen müssen. »Die Grünen haben ein ellenlanges ,Sündenregister‹, das würden sie am liebsten vergessen machen«, begründet er seine immer noch vorhandene Aversion gegen die örtliche Öko-Partei. Sie hätten sich gegen alles gestemmt, was die Stadt nach vorne gebracht habe.

Lob für Stadt-Mäzen Hansgeorg Jehner

Auch mit der SPD hatte er zu kämpfen, doch hier schränkt Minkel die Kritik ein: »Die hatten immer wieder vernünftige Leute im Magistrat.«

Aus den eigenen Partei-Reihen hebt er Hubertus Schulte hervor. Der frühere Stadtverordnetenvorsteher habe menschlich und fachlich großes Format bewiesen. Auch Hansgeorg Jehner will er als den »bedeutendsten Mäzen der Stadt« nicht unerwähnt lassen. Ohne ihn seien die Neue Mitte und die Europäische Schule nicht entstanden. Auch die Nidda-Renaturierung gehe auf sein Konto.

Die Vermarktung des Baugebietes Quellenpark sei so gut wie abgeschlossen, »das ist mehr oder weniger gelaufen«, sagt Minkel.

Kurhausumbau kommt zu schnell

Eigentlich hatte Minkel im Jahr 2000 mit 15 Jahren Arbeit gerechnet, um alles in trockenen Tüchern zu haben. Während es beim Kombibad durch den Tod von Investor Josef Wund nur stockend vorangehe, gehe es beim Kurhaus zu schnell. Für dieses Projekt hätte er noch Zeit angehängt. Jetzt aber müsse es bis zum Hessentag 2020 fertig werden. Trotzdem kann er den Beschluss verstehen. »Irgendwann müssen wir den Hessentag machen, sonst haben wir dafür keine Grundstücksreserven mehr.«

 

Nachfolger nicht in Sicht

 

Ein Nachfolger für Minkel ist nicht in Sicht. Auf diese Aufgabe vorbereitet hat er niemanden, sagt nur, dass jeder ersetzbar sei. Deswegen wolle er auch ein geordnetes Feld überlassen, ohne Großbaustellen. »Dann wird es auch etwas ruhiger.«

Sein unermüdliches Tun habe seine Frau Christa und Tochter Anna stark belastet. Auch deswegen diskutieren sie, ob Minkel nach seiner »Mission« Bad Vilbel den Rücken kehren wird. Denn heute kann er kaum einmal irgendwo einen Kaffee trinken, ohne gleich auf irgendeines seiner vielen Projekte angesprochen zu werden.

Heute, am Geburtstag, wird gewandert, abends feiert er mit Familie und Freunden. Und das Handy bleibt aus.

 

Info

Wie alles begann

Klaus Minkels Karriere startete 1963 beim damaligen Landkreis Münden im südlichen Niedersachsen, als er eine Verwaltungslehre begann und später Inspektorenanwärter wurde. Nach seiner Bundeswehr-Zeit studierte er Jura. »Zunächst hatte ich nur eine Zulassungsprüfung ohne Abitur in der Tasche«, sagt er, das Abitur hat er im dritten Semester nachgeholt. Nach seinem zweiten Staatsexamen dozierte er zunächst an der Verwaltungsfachhochschule in Hannover. Von dort ging es am 1. Dezember 1980 nach Bad Vilbel. Er wurde er Erster Stadtrat, hatte damals bereits die Stadtwerke in seiner Verantwortung. Als die Stadtwerke zum 1. Januar 2000 das Stromnetz für Bad Vilbel übernahmen, wechselte Minkel in hauptamtlicher Funktion an die Spitze des Unternehmens. Von 2002 bis 2005 war er CDU-Bundestagsabgeordneter. Diese Episode bezeichnet er trotz der interessanten Herausforderung und eines großen Netzwerks inzwischen als »Alterstorheit«. Denn nicht nur die Doppelbelastung sei zu viel gewesen. Auch habe er damals viele Operationen wegen einer Krebserkrankung über sich ergehen lassen müssen. Die Krankheit ist der Grund, warum er nie als Bürgermeister kandidiert hat. (kop)



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