24. Oktober 2019, 08:00 Uhr

Neue Bäume

Stadt Karben will 670 Bäume pflanzen

In Zeiten des Klimawandels, freuen sich alle, wenn in der Stadt neue Bäume gepflanzt werden. Laut Bürgermeister Rahn will Karben noch in diesem Jahr 670 zusätzliche Bäume pflanzen.
24. Oktober 2019, 08:00 Uhr
Allein 100 der 670 angekündigten Bäume sollen entlang der renaturierten Nidda gepflanzt werden. (Foto: Holger Pegelow)

So gut gelaunt wären die Karbener Grünen mit Sicherheit noch nie aus einer Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Infrastruktur (S+I) nach Hause gegangen. Doch am Dienstagabend war kein einziger Grüner Stadtverordneter da. So freuten sich die anderen Fraktionen über eine Mitteilung von Bürgermeister Guido Rahn (CDU). »Die Stadt wird noch in diesem Jahr 100 zusätzliche Bäume am renaturierten Nidda-Ufer pflanzen«, kündigte er zunächst an.

Kurze Zeit später erhöhte sich die Zahl der neu zu pflanzenden Bäume noch mal: »Die Stadt wird für jeden der im Zweiten Weltkrieg gefallenen Karbener noch in diesem Jahr einen Baum pflanzen.« Das seien 570 Bäume. Somit will die Stadt also in der herbstlichen Pflanzperiode insgesamt 670 zusätzliche Bäume im Stadtgebiet setzen. Gut fürs Klima ist das allemal.

SPD-Anträge gebilligt

Somit hat die SPD mit ihren Anträgen beim Magistrat offene Türen eingerannt. Die oppositionellen Sozialdemokraten waren in der August-Runde mit ihrem Antrag für ein ganzen Bündel von Maßnahmen bei den anderen Fraktionen nicht durchgedrungen.

Daraufhin hatte die SPD-Vorsitzende Nora Zado in einem Interview mit dieser Zeitung angekündigt, ihre Fraktion werde die Forderungen nun einzeln einbringen. Zur aktuellen Sitzungsrunde lagen deshalb einzelne Anträge vor.

In dem ersten Antrag heißt es, der Magistrat werde beauftragt, auf städtischen Parkplätzen wie etwa am Bahnhof Groß-Karben beidseitig, auf dem Hessenringparkplatz und an der Sportanlage Waldhohl weitere Bäume anzupflanzen. Zudem solle die Stadt mit Grundstückseigentümern etwa von Rewe oder dem Selzerbrunnencenter in Verhandlungen treten, mit dem Ziel, auch dort weitere Bäume anzupflanzen. Damit könne mittel- und langfristig das Kleinklima verbessert werden. Bürgermeister Rahn sagte, man werde dies »gerne prüfen«. Der Antrag wurde dann auch einstimmig im Ausschuss zur Annahme für die Stadtverordnetenversammlung empfohlen. Dass am heutigen Abend dort alle zustimmen, ist nur Formsache.

Mehrheit für Prüfantrag in Sicht

Eine Mehrheit im Parlament ist auch für einen Prüfantrag in Sicht. Der Magistrat soll prüfen, ob entlang des Klingelwiesenweges bei Okarben standortgerechte Bäume und in den Zwischenräumen standortgerechte Sträucher gepflanzt werden könnten. Bäume und Büsche sorgen für eine Reduzierung der Kohlendioxidemissionen und produzieren gleichzeitig Sauerstoff. Baum- und Buschstreifen bieten darüber hinaus einen Trittstein für die Tierwelt und sie verbinden die Biotopgebiete rund um den Ludwigsbrunnen mit der Nidda. Schließlich hätten Bäume und Büsche eine windbrechende Funktion, wodurch die Austrocknung von umliegenden Ackerflächen vermindert werden könne.

Weg gehört nicht der Stadt

Rahn wies in diesem Zusammenhang aber darauf hin, dass der Weg nicht der Stadt gehöre. Zudem müsse zunächst festgestellt werden, wem die angrenzenden Grundstücke gehören. Deswegen empfahl er die Annahme des Antrages als Prüfantrag.

Es könne auch sein, dass die Prüfung ergebe, dass an einigen Stellen nichts gepflanzt werden könne, weil die Abstände zu den Gehwegen und Straßen zu gering seien, und es deshalb Probleme für die Radfahrer gebe, weil die Baumwurzeln den Weg hochdrücken. Kritisch sahen diesen Antrag die Freien Wähler. Die Idee sei nicht schlecht, sagte Thorsten Schwellnus, »wir finden das aber keinen gangbaren Weg«.

Als Prüfungsantrag wurde der SPD-Antrag angenommen gegen je eine Neinstimme aus FW und CDU.

Kommentar von Holger Pegelow: Kein Grund zum Jubeln

Gemessen an mancher Aufregung, die um den einen oder anderen gefällten Baum losbricht, müsste in Karben eigentlich ein wahrer Jubelsturm ausbrechen. Immerhin rund 670 neue Bäume will die Stadt in dieser Pflanzperiode noch in die Erde bringen. Das ist gewiss nicht wenig und bestimmt absolut begrüßenswert. Allerdings relativiert sich die gute Nachricht beim Blick darauf, was in den vergangenen zehn Jahren an Natur verloren gegangen ist. Bei den aktuellen Baustellen für die neue Stadtmitte fällt die Grünbilanz mit Sicherheit sehr negativ aus. Auch im Gewerbegebiet ist mancher Baum den Erweiterungsplänen von Firmen zum Opfer gefallen. Die markante Zahl an Neuanpflanzungen dürfte manche Umweltsünde ausgleichen. Für eine markante Verbesserung des Stadtklimas ist aber außer neuen Bäumen eines unabdingbar: weniger Autoverkehr.

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