10. Mai 2019, 20:51 Uhr

Spielstube für Schnellentwickler

Als Tagesmutter ist Kathrin Müller für viele Eltern die einzige echte Alternative zur Kindertagesstätte. In ihren Räumen in der Bad Vilbeler Schützenstraße nimmt die gelernte Sozialpädagogin vor allem die individuealle Entwicklung der Kinder in den Fokus. Das ist meist das, was sich Mamas und Papas von ihr wünschen.
10. Mai 2019, 20:51 Uhr
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Tagesmutter Kathrin Müller sagt über ihre Schützlinge: »Die Kleinsten lernen von den Älteren, machen nach, nehmen sie sich als Vorbild.« (Fotos: Seipp)

L angsam öffnet sich die Tür, sofort sind die Kinder gefesselt. Wer besucht sie heute noch alles? Etwas wackelig stehen einige auf, während andere beim Spielen innehalten. Kathrin Müller, Tagesmutter aus Bad Vilbel, sitzt am Küchentisch, neben ihr versucht gerade ein Mädchen, auf einen Stuhl zu klettern. Müller sieht zu, jederzeit bereit, einzugreifen. Doch die Kleine zieht sich ganz allein hoch und fängt dann sichtlich stolz an, zu lachen. Mission geschafft.

»Es ist für mich ganz wichtig, Unterstützung zu geben, aber die Kinder müssen auch selbst lernen«, erklärt Müller und hebt eines der anderen Mädchen auf ihren Schoß. »Die Kinder müssen selbst Erfahrungen machen, so bekommen sie Erfolgserlebnisse. Sie finden oft von ganz allein heraus, wo ihre Grenzen sind. Das ist wichtig.«

In ehemaligen Verkaufsräumen

Fünf Kinder die ältesten drei Jahre alt -, sind heute in den Räumlichkeiten in der Kernstädter Schützenstraße. Vor drei Jahren richtete sich Müller hier ein, aus den ehemaligen Verkaufsräumen ist mittlerweile eine heimelige große Kinderstube geworden. Eine Küche mit großem Esstisch gibt es darin, vor allem aber viel Platz zum Spielen - das finden die Dreikäsehochs natürlich besonders klasse.

Angefangen als Tagespflegeperson, so die etwas umständlich offizielle Berufsbezeichnung, hat Müller eigentlich aus Zufall. »Eigentlich bin ich gelernte Sozialarbeiterin, einige Jahre habe ich in einem Kinderheim gearbeitet.« Doch dann kam der eigene Nachwuchs und das ließ sich mit dem bisherigen Job schwer verbinden. Müller: »Schnell war mir langweilig. Also habe ich begonnen, neben meiner Tochter auf die Kinder von anderen mit aufzupassen. Meine Tochter geht mittlerweile in die Schule, doch mir macht es einfach sehr viel Spaß, also bin ich dabei geblieben.«

Besonders toll ist für Kathrin Müller, wie schnell sich ihre Schützlinge entwickeln. »Für viele Eltern ist es schwierig, die Kinder bei mir zu lassen«, sagt sie. »Sie machten sich Sorgen, wollen am Anfang oft gar nicht loslassen, während das Kind hier längst fröhlich mit den anderen spielt. Doch manche Eltern müssen oder wollen eben schnell wieder arbeiten.« Die Fortschritte der Kinder könne man bestens am bald anstehenden Mittagessen erkennen. »Bei mir essen sie Sachen, die sie daheim nie essen würden«, weiß Müller. Die Kinder machen dabei einfach ihre Spielkameraden nach, was denen schmeckt, dass könnte ja auch ihnen schmecken. »Manche Eltern sind dann ganz erstaunt, wenn sie erzählt bekommen, was ihr Nachwuchs mittlerweile alles isst.«

Ein Vorteil sei, dass die Kinder nicht alle gleich alt seien. »Die Kleinsten lernen von den Älteren, machen nach, nehmen sie sich als Vorbild«, erklärt Müller. »Dadurch lernen sie unglaublich schnell. Das ist ein wenig wie bei einer Großfamilie. Und durch die geringe Größe der Gruppe kann ich individuell auf die Wünsche der Kinder eingehen und sie da fördern, wo sie es brauchen.«

Kinder haben Spaß beim Entdecken

Die Individualbetreuung ist den Mamas und Papas sehr wichtig. »Einmal im halben Jahr setzen wir uns zusammen und bereden, wie die Entwicklung des Kindes voran geht«, sagt Müller und beobachtet zwei der Mädchen beim Rutschen. »Die Eltern wollen alles genau wissen. Natürlich wird dann auch mit den anderen Kindern verglichen. Ich beruhige dann immer. Alle Kinder entwickeln sich unterschiedlich, haben eigene Stärken und Schwächen. Und die versuche ich herauszufinden, um ihnen zu helfen.« Kathrin Müller greift helfend unter die Arme, doch vieles müssen die Kinder selbst entdecken. »Oft sind wir im nahen Vilbeler Stadtwald unterwegs«, nennt sie ein Beispiel. »Das ist ideal zum Entdecken. Viele Eltern sind oft ängstlich, doch für die Kinder ist es gerade wichtig, Dinge anzufassen und zu beobachten. Steine, Schnecken oder der gerade überall blühende Bärlauch sind für die Kinder unglaublich faszinierend. Und Spaß haben sie dabei natürlich auch!«

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