23. April 2019, 20:33 Uhr

Sie bekommen Hilfe zur Selbsthilfe

23. April 2019, 20:33 Uhr

Seit 20 Jahren bereisen Monika Römer-Klein und ihr Ehemann Rolf Klein die Kontinente dieser Erde. Inzwischen gibt es kaum noch einen Winkel, den die ehemaligen Lehrkräfte der Karbener Kurt-Schumacher-Schule nicht gesehen haben. Die Erinnerungen nehmen sie mit ins Zuhause nach Ostheim – aber sie geben auch etwas zurück.

Sehnsuchtsziele und exotische Orte entdecken Monika Römer-Klein und Rolf Klein auf ihre ganz eigene Art – am liebsten Schritt für Schritt, mit einem Rucksack auf dem Rücken. »Wir sind Globetrotter und lieben die freie Urlaubsgestaltung«, sagt Monika Römer-Klein. »Mein Mann ist eher so der Südamerika-Typ, ich bin absoluter Afrika-Fan.« 2003 kamen die beiden zum ersten Mal auf den schwarzen Kontinent.

Tansania, Sambia, Simbabwe, Botswana, Südafrika, Mosambik, Swasiland – die Eindrücke seien so überwältigend gewesen, dass sie sich sofort in Land und Leute verliebt habe, erinnert sich die frühere KSS-Lehrerin. Schnell kam die Idee auf, die Menschen vor Ort mit einem Hilfsprojekt zu unterstützen. Vor allem ging es den Pädagogen um schulische Ausbildung. Sie sei Grundvoraussetzung dafür, dass die Menschen irgendwann ein selbstbestimmtes Leben führen könnten. »Hilfe zur Selbsthilfe« nennen die beiden das. Beim Aufbau eines Waisenhauses in der sambischen Hauptstadt Lusaka klappte es zunächst noch nicht. Obwohl Kleider- und Geldspenden containerweise verschickt werden konnten, scheiterte das Projekt. An der Unterstützung in Deutschland habe es nicht gemangelt, wohl aber an dem großen Verwaltungsaufwand und der schlechten Infrastruktur vor Ort.

Zurück in der Heimat, spielte wieder einmal der Zufall eine entscheidende Rolle: Ausgerechnet in Ostheim, wo das Lehrerehepaar wohnt, kam es mit einem Mann aus Ghana in Kontakt. David Ampofo hatte die gleiche Intension. »Und so wurde aus dem Projekt in Sambia eben eines in Ghana«, erzählen sie augenzwinkernd. »Ein Jahr später kaufte David am Rand der Hauptstadt Accra ein 700 Quadratmeter großes Anwesen, auf dem aber nur ein kleines Häuschen stand. Dort sollten eine Privatschule und ein Kindergarten entstehen.«

Was dann geschah, erinnert ein bisschen an die Geschichte des Phönix aus der Asche. Am Anfang gab es nur zwei Klassenräume in dem kleinen Häuschen. 2008, beim ersten persönlichen Besuch von Monika Römer-Klein, waren es bereits 80 Schülerinnen und Schüler. Ein Brunnen wurde gegraben, der bis heute genügend Wasser bringt. In Deutschland wurde der Verein »Helfen macht Freu(n)de« ins Leben gerufen, Patenschaften zwischen Lehrern, Schülern und Eltern der KSS mit ghanaischen Kindern entstanden. 20 Euro im Monat zahlen die Paten und ermöglichen den Kindern damit freien Schulbesuch und warmes Mittagessen.

Fußballer spenden Trikots

Ein Meilenstein war die Anerkennung der »Confidence International School« durch den ghanaischen Staat. Dadurch kann dort der Junior-High-School-Abschluss (vergleichbar mit dem Hauptschulabschluss) erworben werden. Mit dem Erfolg wuchs auch die Zahl der Unterrichteten. 2019 bevölkern 500 Schüler die Schule, die mittlerweile zu einem stattlichen Gebäudekomplex herangereift ist. »Jetzt sind die Kapazitäten allerdings erreicht«, weiß Rolf Klein. »Es ist schön, dass alles völlig autark läuft. So haben wir uns das Konzept immer vorgestellt.«

Bei ihren Besuchen seien sie fast wie Staatsoberhäupter empfangen worden, erzählen die beiden Ostheimer. Die Kinder hätten Lieder gesungen, Theater gespielt und Gedichte für sie vorgetragen. Angetreten werde fast wie beim Militär, in allem Tun spiele Religiosität eine tragende Rolle. »Aber trotz aller Strenge gehören die Afrikaner zu den herzlichsten Menschen, die es gibt«, ist sich Monika Römer-Klein sicher. Und sie lieben Fußball: Bei einem Turnier von zwölf Privatschulen hätten die Kicker der Confidence International School den dritten Platz belegt – ausgestattet mit einem gespendeten Trikotsatz der Sportfreunde Ostheim.

Spendengelder werden auch weiterhin nach Accra fließen. Kürzlich konnten davon eine Kopiermaschine und eine Biogasanlage gekauft werden. Der Erwerb von weiteren Büchern und Computern ist angedacht.

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