23. Juni 2018, 06:00 Uhr

Bauvorhaben

Seniorenwohnungen am Feldrand

Die Stadt Karben will weiterhin die Freiflächen an der Riedmühlstraße in Petterweil bebauen, im Gegensatz zu 2011 aber in abgespeckter Form. Dabei kommt eine neue Idee ins Spiel: Ein Dienstleistungszentrum für Senioren.
23. Juni 2018, 06:00 Uhr
Klaus Schoenicke stellt den Vorschlag für ein kleines Seniorendienstleistungszentrum für Petterweil vor.

Seit einigen Wochen läuft die frühzeitige Beteiligung von Trägern öffentlicher Belange für den Bebauungsplan 130a »Unterm Wiesenbrunnen«. Dahinter verbirgt sich die Absicht der Stadt, den nördlichen Teil der Riedmühlstraße zu bebauen. Im Gegensatz zum Jahr 2011, als dieser Versuch schon mal gestartet wurde und ein Proteststurm der Anlieger losbrach – es wurden über 200 Unterschriften gesammelt – nunmehr in abgespeckter Form. Noch knapp 2950 Quadratmeter im Bereich Riedmühlstraße/Robert-Blum-Straße kommen infrage. Dort könnte man nach Angaben des Fachdienstleiters Bauen, Heiko Heinzel, sechs Reihenhäuser oder zwei Doppelhäuser draufsetzen. Oder auch, und mit dieser Idee geht man bei der Stadt offenbar schwanger, ein kleines Dienstleistungszentrum für Senioren.

 

 Für Petterweiler Senioren

 

Denn es war kein Zufall, dass zur jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Petterweil Johannes Fellner und Klaus Schoenicke vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Mittelhessen erschienen. Schoenicke hatte bereits den Karbener Altenhilfeplan miterstellt. Der sieht, wie Erster Stadtrat Friedrich Schwaab einleitend sagte, in jedem Ortsteil eine kleine Einrichtung für Senioren vor. In der Riedmühlstraße gebe es dafür »einen möglichen Standort«. Schoenicke hatte bei der Erarbeitung des Altenhilfeplanes festgestellt, »dass die Senioren wohnortnah wohnen bleiben möchten«. Deswegen seien kleine Standortzentren wichtig, denn große Seniorenheime wolle man nicht mehr. Die ASB-Vertreter stellten ihre Ideen für eine solche kleinere dezentrale Einrichtung vor: Sie würde etwa 10 bis 15 Plätze in der Tagespflege vorsehen und 15 bis maximal 20 Plätze für eine Wohngruppe für Demenzerkrankte. »Die Angebote für Senioren wären ins Quartier eingebettet«, sagte Schoenicke. Was bedeutet: Die Einrichtungen würden vornehmlich Petterweiler Senioren zugute kommen. Das Raumkonzept sieht für die Wohngruppe eine offene, barrierefreie Küche, allerdings kleine Zimmer vor. Jeder Bewohner solle ein eigenes Zimmer haben, das er mit eigenen Möbeln gestalten könne. Bäder, Küche und Wohnbereich würden gemeinsam genutzt. »Die Zimmer werden relativ klein sein. Für die Demenzkranken sind die Zimmer aber nicht so wichtig wie die Gemeinschaftsräume.« Zudem betonte der ASB-Vertreter: »Eine Wohngruppe ist kein kleines Seniorenheim, sondern ein großer Haushalt.«

 

Mit Tagespflege geplant

 

Ein solches kleines Dienstleistungszentrum für Senioren sähe auch eine Tagespflege vor. Fellner informierte hierzu, dass auch dafür die Senioren aus der unmittelbaren Umgebung kämen. In der Karbener Einrichtung komme der weiteste Senior aus Bad Vilbel, die anderen von einem Radius von maximal zehn Kilometern um die Einrichtung herum.

Eine solche Einrichtung würde also auf das freie Feld neben dem Spielplatz in der Riedmühlstraße gebaut. »Die Höhe der neuen Bebauung orientiert sich an den vorhandenen Häusern«, betonte Schwaab. Der Spielplatz werde zu einem Abenteuerspielplatz. »Für Senioren wäre die Nähe zu Kindern wichtig.« Dieser Meinung waren allerdings nicht alle der etwa 30 Anwesenden. »Dort sollte man einen neue Kita hinbauen«, befand einer. Die Einrichtung für Senioren könne ins künftige Neubaugebiet an der Arnsburger Straße.

 

Vorbeugender Hochwasserschutz

 

Allerdings blieben die noch vor sieben Jahren zu hörenden Proteste an der Bebauung aus. Nicht zuletzt deshalb, weil Schwaab und Ortsvorsteher Adolf Koch dazu rieten, zunächst die Stellungnahmen zum laufenden Bebauungsplanverfahren abzuwarten. »Schließlich muss das Vorhaben in den gültigen Regionalen Flächennutzungsplan passen.« Das war schon 2011 eines der Argumente. Denn im RegFNP ist das Areal nördlich der Riedmühlstraße als »Vorranggebiet Regionaler Grünzug« »Vorranggebiet für Natur und Landschaft«, »Vorbehaltsgebiet für besondere Klimafunktionen« und »Vorbehaltsfläche für vorbeugenden Hochwasserschutz« eingeordnet. Der Fachdienstleiter Bauen sieht hier keine Probleme: »Das ist kein geschützter Bereich.« Außerdem werde »nur ein kleiner Teil der Freifläche bebaut.«

 

Meinung

Sinnvolles Projekt

Natürlich wird es den Anwohnern in der Riedmühlstraße nicht gefallen, wenn sie Gebäude vor ihre Tür gesetzt bekommen. Das ist überall so, wo nachverdichtet und der freie Blick behindert wird. Der neuerliche Versuch der Stadt hat aber einen besonderen Charme: Die mögliche Option einer Bebauung mit einem Dienstleistungszentrum für Senioren kommt der Bevölkerung des Stadtteils zugute. Denn die Gesellschaft altert, auch und gerade in Petterweil. Der Anteil der über 60-Jährigen beträgt schon jetzt deutlich über 30 Prozent. Es gibt ebenso viele Hochbetagte, die ihre Wurzeln in dem Ortsteil haben. Man wird sehen, wie sich die Kommunalpolitik letztlich entscheidet. Und was die Bürger sagen. Der monatelange Planungsprozess hat gerade erst begonnen. Ein Proteststurm wie vor sieben Jahren ist kaum zu erwarten. Die Zeiten haben sich geändert, die Pläne auch.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Adolf Koch
  • Arbeiter-Samariter-Bund
  • Einrichtungen
  • Hochwasserschutz
  • Ideen
  • Petterweil
  • Seniorenwohnungen
  • Tagespflege
  • Karben-Petterweil
  • Holger Pegelow
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen