23. März 2017, 14:00 Uhr

Schornsteinfeger heute

Selten aufs Dach

Früher war Schornsteinfeger ein schmutziger Beruf. Doch das hat sich gewandelt, wie ein Gang mit dem für Karben zuständigen Bezirksschornsteinfegermeister Sebastian Schomber zeigt.
23. März 2017, 14:00 Uhr
Hier ist Sebastian Schomber auf einem Hausdach bei der Arbeit. Aber nicht immer muss er so hoch hinaus, moderne Heizungen werden quasi am Boden geprüft. (Fotos: Pegelow)

Nein, beim Zirkus sind wir nicht zu Gast, sondern im Haus des Klein-Karbeners Arnold Faller. Auf dem Dachboden schickt sich Schornsteinfeger Sebastian Schomber gerade an, von der Leiter im Innern des Dachbodens sich nach draußen aufs Dach zu schwingen. Als er sicher auf den beiden Stufen steht, lässt er sein Kehrgerät den Schornstein hinunter. Als er es wieder hochzieht, ist fast kein Schmutz an den Borsten. Das war es schon hoch oben. Die restlichen Arbeiten finden am Boden statt. Das Prüfen des Schornsteins ist bei Faller nur eine der Tätigkeiten an diesem Morgen. Die alle sieben Jahre verpflichtende Feuerstättenbeschau beinhaltet weitere Aufgaben: So begutachtet Schomber im Keller die Gasheizung, wobei er auch die Raumluft misst. »Wir prüfen die Heizung auf Dichtigkeit, denn eine CO-Vergiftung kann gefährlich werden.« Fallers Heizung funktioniert einwandfrei, und auch das Schornsteinrohr an der Außenseite ist in Ordnung. Der kaum noch genutzte Ofen in der Werkstatt wird gleichfalls begutachtet.

Dass ein Schornsteinfeger so oft einen Spiegel einsetzt, ist nicht unbedingt jedem bekannt. Dass er ein Kehrgerät hat, das von unten nach oben reinigt, ebenfalls nicht. Der Bezirksschornsteinfeger hat eine Kehrhaspel dabei, das ist eine Glasfaserkunststoffstange, an der der Kehrbesen befestigt ist. Schomber öffnet das Rohr und schiebt den Besen damit nach oben, bis er herausschaut. Als er ihn wieder einholt, findet sich, wie bei Faller, ebenfalls kaum ein Stäubchen an den Borsten. Zufrieden schaut Franz Wagner zu, der in die modernste Technik investiert hat.

Einer der Jüngsten der Innung

Etwa 15 solcher Hausbesuche absolviert der neue Bezirksschornsteinfegermeister für rund 2500 Haushalte in Karben an diesem Tag. Der 27-Jährige Ober-Wöllstädter ist einer der Jüngsten in der Innung. Er ist der Nachfolger seines Vaters, des langjährigen Schornsteinfegermeisters Wolfgang Schomber. Doch wer jetzt denkt, Sebastian sei lediglich in die Fußstapfen seines Vaters getreten, weil es ein Familienbetrieb ist, irrt. Das Regierungspräsidium habe ihm den Zuschlag erteilt, erzählt er. Das RP als oberste Baubehörde des Landes hatte den Bezirk neu ausgeschrieben, zu dem Klein-Karben, Petterweil und Kloppenheim komplett gehören sowie Teile von Groß-Karben und Rendel. Nach einem Punktesystem, das unter anderem auch die Weiterbildung des Schornsteinfegers berücksichtigt, würden die Bezirke vergeben. »Es ist also keineswegs selbstverständlich, dass ich hier die Nachfolge meines Vaters angetreten habe.«

Damit hat er mächtig zu tun, was aber nicht nur aufgrund der Zahl der Haushalte gilt. Auch die Aufgaben eines Schornsteinfegers sind deutlich mehr geworden. So hat sich Schomber auch als Energieberater im Handwerk ausbilden lassen. So könne er Energieausweise für Häuser ausstellen, sogenannte KfW-Anträge stellen oder als Sachverständiger für die KfW-Bank arbeiten. »Ich muss mich ständig weiterbilden«, sagt er. Die Innung biete vier Schulungstage pro Jahr als Pflichtprogramm an, hinzu kämen die Fortbildungen als Energieberater.

Das sichert ihm auf lange Sicht sein Auskommen, denn an Aufträgen wird es nicht mangeln. Zumal in absehbarer Zeit weitere Haushalte hinzukommen. Denn Sebastian Schomber soll auch das künftige Baugebiet Am Kalkofen betreuen. Dorthin werden voraussichtlich 400 neue Einwohner ziehen.

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