21. Juni 2019, 20:46 Uhr

Respekt stärkt die Gemeinschaft

21. Juni 2019, 20:46 Uhr
Malte Anders eröffnet Jugendlichen eine andere Herangehensweise an das Tabuthema Homosexualität. Der Hessische Rundfunk ist zu Gast an der Kurt-Schumacher-Schule und berichtet über das kabarettistisch angelegte Programm. (Foto: Lori)

Wenn Malte Anders alias Theaterpädagoge Timo Becker auf den Schulhof kommt, ist Homosexualität kein Tabuthema mehr an deutschen Schulen. In der Aula der Kurt-Schumacher-Schule (KSS) in Karben sprach er vor 200 Schülern der Jahrgangsstufe acht. Das kabarettistische Schulprogramm über Homosexualität rückte Ausgrenzung und das Anders-Sein in den Mittelpunkt.

»Die besondere Schulstunde mit Aha-Effekt sollte zum Nachdenken anregen. Ich erwarte Offenheit und Toleranz, keine Beleidigungen unter der Gürtellinie«, machte Schulleiterin Ursula Hebel Zipper den Schülern im Vorfeld deutlich. Während seines 50-minütigen Auftritts schlüpfte Malte in die Rolle eines Lehrers, der die Schüler im fiktiven Fach Homologie unterrichtete. Homo leitet sich von der lateinischen Übersetzung Mensch ab. Zur Anschaulichkeit stellte er Vergleiche mit Homosexualität im Tierreich an, wo etwa ein Fünftel der Pinguine homosexuell sind.

Toleranz zum Mitnehmen

Von 81 Millionen Einwohnern der Bundesrepublik sind laut Malte zehn Prozent homosexuell. Der Anteil der homosexuellen Ausländer in Deutschland liegt bei etwa 760 000 Menschen. »In etwa genauso viele Lehrer unterrichten an Deutschlands Schulen«, sagte er. Gängige Klischees oder Vorurteile entkräftete er mit authentischen Erfahrungen. Er selbst spielte als Achtjähriger mit einer »Baby Born«- Puppe.

»Die, die keine Baby Born hatten, haben keine Ahnung vom Leben«, sagte er. Malte konfrontierte sein junges Publikum aber auch mit Fakten. So gab es in der Bundesrepublik bis vor 25 Jahren noch ein Gesetz, das die Homosexualität unter Strafe stellte. Noch im Jahr 2007 wurden zwei Homosexuelle in Saudi-Arabien zu über 7000 Peitschenhieben verurteilt. In Kenia drohen homosexuellen Männern lange Haftstrafen. Konträr dazu zeige der nordamerikanische Indianerstamm der Coquilles gegenüber Schwulen und Lesben Toleranz. Das Credo des Stammes: »Nur durch Respekt werden wir eine starke Gemeinschaft«, gab in Form von Postkarten zum Mitnehmen.

Nach dem Theaterstück stellten die Jugendlichen schriftlich und anonym Fragen. »Mich würden gute und schlechte Alltagserfahrungen interessieren, wie er vor und nach seinem Coming Out reagiert hat«, sagte Hebel-Zipper. Viele Schüler hätten nach dem Coming Out Angst davor, wie ihre Mitschüler reagierten. Malte beantwortete die sehr persönlichen Fragen an ihn auf ehrliche Weise. Es waren Fragen wie: »Möchtest du mal heiraten und ein Kind adoptieren? Wurdest du als Schwuler schon diskriminiert? Wann hast du gemerkt, dass du schwul bist? Hat sich schon mal ein Mädchen in dich verliebt?«.

Vor diesem Hintergrund erfuhren die Schüler, dass der 35-Jährige schon in der Grundschule merkte, dass er schwul ist und sich mit 19 gegenüber seiner Freundin Fabienne geoutet hat. »Sie hat mir verraten, dass sie lesbisch ist. Das war dann ein Doppel-Coming-Out«. Stolz sei er in einem Land zu leben, wo sich vieles in dieser Hinsicht verändert habe.

Dieses neue Bewusstsein spiegelt sich auch in den Zielen der Kabarettshow, die Toleranz, Respekt und Verständnis gegenüber sexueller Vielfalt aufbaut. Auch Ausgrenzung, Diskriminierung und Mobbing soll entgegengewirkt werden, denn aufgrund fehlender Auseinandersetzung mit der Thematik und Intoleranz werden homosexuelle Menschen immer noch abgelehnt. Schimpfworte wie »Schwuchtel« gehören zum Alltag auf Schulhöfen.

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