11. Juni 2019, 20:18 Uhr

Regen erst zum Schlussakkord

Erstmals musste das Quellenfestes von der Innenstadt auf die Römerbrunnenwiese verlegt werden. Dies hat dem Besucherandrang nicht geschadet. Im Gegenteil: Tausende Vilbeler besuchten am Montag das Römerbrunnenfest, um ihre neue Quellenkönigin zu bejubeln. Und auch für die Veranstalter bietet der neue Veranstaltungsort ungeahnte Möglichkeiten.
11. Juni 2019, 20:18 Uhr
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Von Niklas Mag
Der Bad Vilbeler Hochseilartist Oliver Zimmermann sorgt mit seinem Lauf über die Nidda bei den Gästen des Quellenfests für Staunen. (Fotos: Niklas Mag)

Vielleicht habe ich ja doch einen ganz guten Draht nach oben«, schmunzelt Stadtmarketing-Chef Kurt Liebermeister und blickt auf die grauen Wolken, die sich am Montagnachmittag über der Römerbrunnenwiese auftürmen, aber, abgesehen von einem kurzen Schauer gen Ende, keine störenden Tropfen fallen lassen. Es wäre nicht auszudenken gewesen, hätte Regen am Wochenende die Römerbrunnenwiese in eine große Matschfläche verwandelt.

»Ich habe die Angst immer in der Hosentasche«, sagt Liebermeister und hebt sein Smartphone, auf dem eine Wetter-App in Dauerbetrieb ist. »Ab 18 Uhr kann es von mir aus gerne regnen und stürmen.« Der Stadtmarketing-Chef macht nach den ersten Höhepunkten des Tages kurz Pause und steht an einem der Stehtische, die auf der Wiese aufgestellt sind. Gerade ist die tränenreiche und sehr emotionale Verabschiedung von Quellenkönigin Bianca I. auf der Bühne beendet worden. 17 Hoheiten aus hessischen Kommunen und sogar aus anderen Bundesländern waren zu ihrer Exthronisation angereist. »Bianca hat über 100 Auftritte im vergangenen Jahr absolviert«, erklärte Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) den Menschen, die vor der Bühne stehen und die Bänke voll besetzt halten.

Ein Drahtseilakt

Bianca wird verdientermaßen mit Lob überschüttet und so fließen schließlich auch bei ihr die Tränen, als sie sich noch einmal an ihr Volk wendet: »Die schönsten Momente sind die, die einem beim Nachdenken ein Lächeln ins Gesicht zaubern«, resümiert sie ihr Jahr. Nach der emotionalen Exthronisierung wandern die Quellenfestbesucher einige Meter weiter in Richtung Nidda, denn hier bahnt sich der nächste Höhepunkt an.

Der Bad Vilbeler Artist Oliver Zimmermann legt auf einem schmalen Drahtseil rund 80 Meter Strecke über der Nidda zurück. Vom Ufer diagonal bis zur Römerbrunnen-Plattform und zurück. Dabei zeigt er genug Nerven, um zwischenzeitlich einbeinig auf dem Seil zu stehen, sich hinzulegen und wieder aufzustehen. Wer kann, der kann.

»Also, das Quellenfest auf der Römerbrunnenwiese ist ein riesiger Erfolg«, fährt Kurt Liebermeister an dem Stehtisch mit seinem Resumee fort. »Es ist anders hier. Das Fest hat so eher einen Festival-Charakter«, findet er. Das Fest sei sehr gut besucht gewesen. »Sie sehen ja, was hier los ist«, meint er und weist auf die zahlreichen Vilbeler auf dem Festgelände.

Vorteil: Eine große Bühne

Doch auch für die Veranstalter bringt das Quellenfest an dem neuem Veranstaltungsort einen gewissen Vorteil. »Früher hatten wir immer drei Bühnen, jetzt haben wir eine große. Wir mussten ständig die Technik hin und hertragen. So ist das eine riesige Erleichterung.«

Dann muss Liebermeister auch schon zurück auf jene Bühne, denn die Inthronisation der neuen Quellenkönigin steht an. Dramatische Musik erklingt und dann erscheint sie: Ena I. läuft an der Seite von Thomas Stöhr im Blitzlichtgewitter, beklatscht von den Quellenstädtern einen Bogen rund um den Zuschauerbereich zur Bühne. Kinder machen strahlend große Augen, die Erwachsenen zücken die Smartphones. Schließlich erreicht sie die Bühne, auf der sie unter großem Applaus von Bianca I. ihre neue Schärpe umgehängt bekommt, während drei Salutschüsse ertönen.

»Hoheit, sprechen Sie zu Ihrem Volk«, sagt Thomas Stöhr und Ena I. setzt zu ihrer Amtsantrittsrede an. Sie freue sich auf die beiden Jahre als Quellenkönigin. »Meine größte Reise beginnt heute«, erklärt sie. Danach läuft das Römerbrunnenfest langsam aus. Und als hätte Kurt Liebermeister es beschworen: Die ersten größeren Regentropfen des Wochenendes fallen fast genau um 18 Uhr.



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