27. September 2019, 08:00 Uhr

Karbener Bürgermeister

Rahn vor zehn Jahren gewählt

Karben erlebte am 27. September 2009 einen denkwürdigen Tag. Denn da wurde erstmals in der Stadtgeschichte ein CDU-Politiker zum Bürgermeister gewählt. Ein Wechsel im bis dato roten Rathaus, der gar nicht mal überraschend kam. Ein paar Erinnerungen.
27. September 2019, 08:00 Uhr
Viel beschäftigt als einziges hauptamtliches Magistratsmitglied: Guido Rahn ist vor zehn Jahren zum Rathauschef gewählt worden. (Foto: Pegelow)

W enn wir es jetzt nicht schaffen, dann schaffen wir es nie.« Diesen Satz sagte Guido Rahn einige Wochen vor der Wahl in einem Zeitungsinterview. Der CDU-Politiker wusste, wovon er sprach. Denn im Karbener Stadtparlament hatte seit der letzten Kommunalwahl nicht nur eine bürgerliche Koalition aus CDU, Freien Wählern und FDP eine Mehrheit, auch in der Bevölkerung konnte man in jenem September unschwer eine Wechselstimmung ausmachen.

Die Wochen bis zur Bürgermeisterwahl, die mit der Bundestagswahl zusammengelegt worden war, waren von einem mit harten Bandagen geführten Wahlkampf geprägt. Das ging so weit, dass auch die Presse angegriffen wurde, frei nach dem Motto: Wer nicht für Guido Rahn schreibt, ist gegen ihn. Die Emotionen schlugen auch im Stadtparlament sehr hoch, denn dort standen sich die bürgerliche Mehrheit und der rot-grüne Magistrat unversöhnlich gegenüber. Hinzu kam, dass die CDU einstimmig Guido Rahn als Bürgermeisterkandidaten gekürt hatte, die SPD hingegen stellte den damaligen zweiten Stadtrat Jochen Schmitt als Kandidaten auf - mit etlichen Gegenstimmen. Man hatte den Eindruck, genau das wirkte sich auf den Wahlkampf aus. Hier der Macher Rahn, der von der bürgerlichen Koalition bedingungslos unterstützt wurde, dort der nette, aber letztlich blasse Kandidat Jochen Schmitt, dessen Stelle als hauptamtlicher Stadtrat sowieso von Anfang an von CDU, FW und FDP massiv kritisiert wurde.

Und dann kam der 27. September 2009. Abends hatten sich zwischen 200 und 300 Leute im Saal des Bürgerzentrums versammelt, der Großteil von ihnen interessierte sich weniger für die auf den Fernsehschirmen gezeigten Ergebnisse der Bundestagswahl, als vielmehr für die auf die große Leinwand projizierten Ergebnisse der Kommunalwahl. Und da war schon recht schnell klar, wohin die Reise gehen würde. 30 Prozent Vorsprung für Guido Rahn vor Jochen Schmitt in seiner Heimat Burg-Gräfenrode, 16 Prozent in Okarben, 21 Prozent plus in Kloppenheim.

Nervöser CDU-Kandidat

Der Koalitionskandidat tigerte derweil ganz aufgeregt hin und her, mahnte seine Anhänger, nicht zu früh in Jubel auszubrechen. Denn schließlich hatte Jochen Schmitt in Petterweil deutlich gesiegt, und Klein-Karben und die Briefwahlbezirke waren noch nicht ausgezählt. Banges Warten bis viertel vor zehn. Als dann das Endergebnis von fast 54 Prozent für Rahn aufleuchtete, hechtete der Sieger, mit einem Buchgeschenk in der Hand, auf die Bühne. Der Jubel im Saal hätte lauter nicht sein können, schließlich waren zu diesem Zeitpunkt fast nur noch Koalitionsanhänger im Saal. Die Roten und die Grünen waren mit hängenden Köpfen auf dem Heimweg. Sie wussten, dass ihre Regierungszeit in Karben zu Ende war.

Trotz des Jubels versicherte das frischgewählte Stadtoberhaupt, er wolle Bürgermeister aller Karbener sein. Deshalb setzte Rahn sofort ein Signal und trat als CDU-Vorsitzender zurück.

Danach war von einem »historischen Tag« und von einem »politischen Erdbeben« die Rede. Der CDU-Partei- und -Fraktionsvorsitzende Mario Beck hat Rahns Wahl zum Bürgermeister jetzt »als den wohl größten politischen Umbruch der bald ein halbes Jahrhundert währenden Stadtgeschichte« bezeichnet. Denn »hatten bis dato ausschließlich Sozialdemokraten oder von ihnen unterstütze Bürgermeister die Geschicke der Stadt gelenkt, setzte sich mit Guido Rahn erstmals ein Christdemokrat durch«. Auch Beck spricht jetzt von einem »mit harten Bandagen geführten Wahlkampf. Offenbar ahnten die damaligen Protagonisten, dass es sich um eine Richtungswahl handeln würde, die die politischen Kräfteverhältnisse der Stadt nachhaltig verändern sollte«, wie er anmerkt. Und er ist sich sicher: »Ohne die Freien Wähler und die FDP hätten wir von der CDU alleine diese Kraftanstrengung nicht geschafft.«

Der CDU-Vorsitzende zählt, auf dieses Jubiläum rückblickend, auch einige sachliche Punkte auf: »Blickt man in die Broschüren von 2009, so können wir uns über vieles freuen, was damals als Ziel gesetzt wurde und heute Realität ist: Der Bau der Nordumgehung, der Abbau der städtischen Verschuldung, die Streichung der hauptamtlichen Stadtratsstellen, die Sanierung des Schwimmbads, der Bau von drei neuen Kitas und die deutliche Ausweitung der Kindergartenplätze in den Stadtteilen, die Schaffung eines Polizeipostens am Bahnhof und die Sanierung des Bahnhofsgebäudes, der Bau weiterer Radwege und vieles mehr.«

Verändert zum Positiven habe sich außerdem das politische Klima in der Stadt. »Hierzu hat sicherlich beigetragen, dass Rahn auch die ehrenamtlichen Stadträte anderer Parteien in die Magistratsarbeit einbindet. Nur dadurch kann eine Stadt wie Karben von nur einem Hauptamtlichen regiert werden. Die Leistungen der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister Gerd Hermanns, Otmar Stein und heute Friedrich Schwaab ragen dabei heraus, wie auch jene der ehemaligen Stadträte Michael Ottens und Gerhard Cornelius, die im Ehrenamt die Stadtwerke führten«, sagt Beck.

90 Prozent in Roggau

Letztlich verwundert es nicht, dass Guido Rahn im Jahr 2016 wiedergewählt wurde. Übrigens war das weniger eine Zitterpartie als bei der Wahl zuvor. 76 Prozent der Wähler wollten ihn weiter als Bürgermeister haben. Vor allem 90 Prozent der Burg-Gräfenröder Wähler. Der Kantersieg kam also wenig überraschend: Die SPD hatte mangels eigener Bewerber mit Susanne Kassold sogar eine auswärtige Gegenkandidatin aufgestellt. Gegen den Heimat- und Amtsbonus sowie die engagierte Arbeit des »Bürgermeisters aller Karbener« hatte die brave Sozialdemokratin nicht den Hauch einer Chance. Es dürfte also nicht verwundern, wenn Rahn bei der nächsten Bürgermeisterwahl einziger Kandidat auf den Stimmzetteln wird. Rahn wird die Geschicke der Stadt wohl noch eine ganze Weile lenken.

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