03. September 2019, 19:17 Uhr

Radweg als illegale Abkürzung

Der Ärger kommt nicht ganz überraschend, ist aber dennoch groß. Weil ein Teilstück der in den Karbener Stadtteil Petterweil hineinführenden Landesstraße gesperrt ist, nehmen Autofahrer eine illegale Abkürzung: Über den von vielen Radfahrern und auch Schülern befahrenen Radweg. Jetzt greift die Stadtpolizei durch.
03. September 2019, 19:17 Uhr
Die Karbener Ordnungshüter müssen hier gleich drei Fahrzeuge hintereinander anhalten.

Das Thema ist schon von anderen Großbaustellen in Karben bekannt. Weil Straßenabschnitte gesperrt sind und eine Durchfahrt verboten ist, nehmen viele Autofahrer illegale Wege. In Groß-Karben gab es deshalb ebenso Ärger wie in Rendel und Klein-Karben. Und an Baustellen mangelt es in der 22 000-Einwohner-Stadt nicht gerade. Entsprechend müssen sich die Autofahrer immer wieder neu orientieren, müssen neue Umleitungen in Kauf nehmen. Als die Hauptverbindung zwischen Klein-Karben und Rendel gesperrt war, versuchten es nicht wenige Autofahrer über die Feldwege. Die Polizei schritt ein.

Schüler in Gefahr

Jetzt gibt es erneut Ärger, in Petterweil nämlich. Dort ist die Landesstraße 3352 seit dem 12. August von Kloppenheim oder Ober-Erlenbach her kommend gesperrt. Die Autofahrerinnen und Autofahrer müssen die Landesstraße 3205, die Bundesstraße 3 und die Kreisstraße 9 nehmen, um nach Petterweil zu kommen. Das sind einige Kilometer Umweg und einige Ampelphasen mehr. Das wollen nicht alle einsehen und nehmen eine Abkürzung. Sie biegen von der L 3205 ab in den Radweg, der zum Golfplatz und weiter bis zum Höfer Weg führt. Der Weg verläuft parallel zur gesperrten Landesstraße, die bis November saniert wird.

»Hier gibt es ein echtes Problem«, sagt Petterweils Ortsvorsteher Adolf Koch (SPD). Vor allem morgens gefährdeten die Autofahrer die zur Schule radelnden Kinder »Wir haben allein 14 Kinder, die aus Petterweil zur Anna-Schmidt-Schule nach Nieder-Erlenbnach radeln«, informiert Koch. »Sie werden durch die heranbrausenden Autos gefährdet.«

Der asphaltierte Drei-Meter-Weg ist außer für Fahrräder nur für landwirtschaftliche Fahrzeuge zulässig. Die Stadtpolizei hat mit Beginn der Baustelle noch zusätzliche Schilder »Durchfahrt verboten« aufgestellt - von vielen autofahrenden Zeitgenossen offenbar missachtert.

Fünf Verwarnungen

Auch bei der Stadtpolizei ist man alarmiert. Deshalb hat man am Montagnachmittag hier bereits zum insgesamt dritten Mal eine Kontrollstelle aufgebaut. Der blau-weiße Bus der Stadtpolizei biegt gerade auf die Parkplätze am Kassenhäuschen der Golfanlage ein. »Als wir ausgestiegen sind, haben wir drei Autos durchfahren sehen«, sagt Stadtpolizist Andreas Wagner.

Lange müssen er und sein neuer Kollege Stefan Fladung an diesem Nachmittag nicht warten. Schon kommt ein dreirädriges Gefährt mit Frankfurter Kennzeichen angefahren. Wagner stoppt es, sein Kollege bringt den Knöllchen-Block. Kaum ist dieser Vorgang beendet, nähert sich ein roter VW-Bus. Auch hier ist ein Strafzettel fällig. Es ist keine Viertelstunde vergangen, da haben die Stadtpolizisten fünf Verwarnungen ausgeschrieben. »Jetzt im beginnnden Berufsverkehr geht es gleich richtig los«, weiß Fladung aus vorherigen Kontrollen.

Besonders schlimm werde es, wenn die A 5 »dicht« sei und die Autofahrer über Bad Homburg und Karben fahren, um in die Wetterau zu kommen. »Dann rollen auch mehr Fahrzeuge illegal über den Radweg.« Der ist nämlich sozusagen frei befahrbar. Es gibt dort weder Poller noch sonstige Absperrgitter. »Das können wir nicht machen, weil die Landwirte hier mit ihren Maschinen fahren«, klären die Stadtpolizisten auf. Der Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung, Manuel Pena Bermudez, informiert, dass Sperrgitter und Baken dort nicht möglich seien, weil der Radweg auch ein Rettungsweg sei und deshalb frei sein müsse. Und leichte Sperrbaken aufzustellen, bringe nichts, da sie von Autofahrern immer wieder beseitigt würden, wie sich kürzlich in Rendel gezeigt habe. »Dort in Petterweil geht es nur über Kontrollen. Anfangs haben wir es noch bei Ermahnungen und Belehrungen belassen und noch mündlich verwarnt. Weil die Situation dort eskaliert, schreiben wir jetzt Verwarnungen.«

Bürgermeister Guido Rahn (CDU) betont, es sei doch ganz klar, dass Radwege nicht als Ausweichstrecken für den Autoverkehr gedacht seien. »Auch wenn es einen Umweg während der Bauzeit bedeutet, raten wir dringend davon ab, den Radweg als Ersatzstraße zu nutzen, zumal diesen Weg auch viele Fußgänger nutzen.«

Während der Kontrollen rollen übrigens auch etliche Radfahrer über den Weg. Einer spricht aus, was die anderen vielleicht gedacht haben: »Es ist gut, dass Sie hier stehen. Hier fahren ja immer mehr Autos.«

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