15. August 2019, 11:00 Uhr

Illegaler Abfall

Petterweiler Wald: Ruhe, Feld, Wald und Müll

Helmut Anhäuser genießt die Ruhe des Petterweiler Walds. Rehe und Wildschweine haben hier ein Zuhause. Doch eine andere Art von Sauerei prangert der Jäger an: Bauschutt am Wegesrand.
15. August 2019, 11:00 Uhr
Helmut Anhäuser nimmt einen der vier Reifen, die seit Freitag mit Bauschutt im Petterweiler Wald liegen, in die Hand. Der Jäger ist verärgert darüber, dass ein Mitbürger seinen Müll dort abgeladen hat. (Foto: kai)

Hier haben es sich Wildschweine gut gehen lassen: Die Spuren sind noch frisch. Das Wasser in der Suhle ist braun. Ein benachbarter Baum ist nass. Die Wildschweine haben sich daran gescheuert, als sie aus dem Nass gekommen sind. Ihr Geruch liegt in der Luft. »Es gibt so viele Hinweise in der Natur, die man einfach nur deuten muss«, sagt Helmut Anhäuser.

Weniger Wissen benötigt der 83-Jährige, um den Frevel am Wegesrand zu erklären. »Da hat jemand seinen Bauschutt abgelagert.« Die Spuren, von wo aus der Hänger ins Grün gelenkt wurde, sind zu sehen. Klappen auf, rechts und links von der Fläche runter geschaufelt - und weg. Nun liegt das, was auf den Müll gehört, am Rand des noch jungen Waldes: Kantensteine, Pflastersteine, Schotter, acht volle Zementsäcke, die mal nass wurden und deshalb unbrauchbar sind, sowie vier Reifen ohne Felgen.

Bauschutt im Grünen

»Das hat hier jemand vor Freitagmorgen, 9. August, abgeladen«, ist sich Anhäuser sicher. Noch am Freitag hat er die Stadt verständigt. »Es wird noch ein paar Tage dauern, bis das die Bauhofmitarbeiter hier abtransportieren können«, sagt Anhäuser. »Das muss nicht sein«, beschwert sich der Naturfreund. »Dass immer wieder Abfälle in der Gemarkung auftauchen, ist ein Übel«, bedauert auch Bürgermeister Guido Rahn.

Der Petterweiler Wald ist Anhäusers Oase. Hier verbringt er fast täglich viel Zeit, genießt die Ruhe, kümmert sich um die Nistkästen, beobachtet das Wild. »Da sind die Rehe, sie streifen hier umher«, sagt er und deutet auf den Schotterweg in der Nähe der Lichtung. Anhäuser ist seit mehr als sechs Jahrzehnten Jäger. Er unterstützt Jagdpächter Armin Zirm, der das Petterweiler Revier, zu dem die Ackerflächen rund um den Ort ebenso gehören wie die fast 30 Hektar Wald, betreut.

Angelegt vor 23 Jahren

Anhäuser erinnert sich, wie die Fläche zum Wald wurde. »Das hier hat die Bahn angelegt, als Ausgleich für die ICE-Strecke Köln-Frankfurt.« 23 Jahre sind seither vergangen. »Ein Wald geplant am Reißbrett, und das ziemlich gut«, lobt er. Blühstreifen säumen die Ränder rechts und links der Wege, am Gehölzrand ragen Birken, Weiden, Holunder und Schwarzdorn empor, dahinter wachsen Buchen, Apfel- und Kirschbäume, Ahorn sowie Eichen. »Es ist viel zu eng bepflanzt worden, es müsste ausgelichtet werden«, schlägt Anhäuser vor. »Die Hauptart ist die Eiche, sie steht aber nicht auf der Gesamtfläche«, erklärt Revierförster Helmut Link. Er erinnert sich daran, dass sein Vorgänger Hans Fleischhauer seine Ideen fürs Anlegen der Flächen mit eingebracht hat. Link beobachtet das Areal seit seinem Amtsantritt in Karben vor 15 Jahren. Aus Sicht des Försters handelt es sich nicht um Wald. »Das ist ein sehr großes Feldgehölz.«

»Denn Waldklima kann sich hier nicht entwickeln, dafür ist das Gebiet zu klein.« Um als Wald zu zählen, seien größere Flächen nötig. Ein Merkmal für Wald ist, dass es im Winter wärmer und im Sommer kühler ist. »Das, was wir bei der Hitze bevorzugen.« Um auf die Temperatur einzuwirken sei die Fläche zu klein. Nichtsdestotrotz sei das Gebiet sehr interessant. »In den ersten Jahren, hatten wir noch Zivildienstleistende, deren Aufgabe es war, die eingeflogenen Weiden zwischen den Eichen herauszuhaken«, erinnert er sich. Eine ähnlich große Fläche, die als Renaturierung angelegt wurde, kennt Link nicht.

Absterben ist normal

»In Karben haben wir noch ein kleines Aufforstungsgebiet, das sind aber nur 0,3 Hektar.« Es sei schön, beobachten zu können, wie sich diese Flächen entwickeln und verändern. Dem stimmt Jäger Anhäuser zu. »Einige der Sträucher am Rand beginnen jetzt einzugehen, das ist genauso geplant«, sagt Anhäuser. »Irgendwann, wenn nach 60 bis 80 Jahren die Kirschbäume ausgewachsen sind, werden sie gefällt und verkauft. Das ist Forstwirtschaft«, sagt Link. Anhäuser ist froh über den Lebensraum, der geschaffen wurde, wenngleich das Vorkommen von Wildschweinen ihn besorgt. »Sie verursachen auf den Feldern vor allem bei Kartoffeln und Mais schon große Schäden.«

Sein Blick schweift über die Suhle, in den Wald. »Heute Abend werde ich rausgehen und sie beobachten«, sagt er. »Schießen ist das wenigste, was ein Jäger macht«, erklärt der pensionierte Berufsfeuerwehrmann.

»Natur kann vieles heilen«

Demnächst beginne er die Nistkästen zu reinigen, damit im Frühjahr wieder Meisen, Rotkehlchen und Co. einziehen können. Und noch was zeigt Anhäuser: Eine Wasserstelle, die er und seine Kollegen angelegt haben. »Vögel brauchen Wasser zur Gefiederpflege, Rehe beobachte ich hier an der Tränke seltener«, erzählt er. Viel interessanter sei das, was sich im Wasser tummelt. »Da sind Kaulquappen.« Weit und breit sei kein Gewässer in der Nähe. Aber irgendwoher müssten die Kröten gekommen sein, die hier laichten. Nun seien die Tierchen ideale Nahrung für Eichelhäher und andere Vögel.

»Es ist erstaunlich, was in der Natur alles passiert. Sie kann vieles heilen«, sagt Anhäuser. Das sei aber alles kein Grund dafür, Müll, Schutt und Abfall hier zu entsorgen.

Belohnung für Hinweise auf den Verursacher

Helmut Anhäuser ärgert sich über den Müllberg, der im Petterweiler Wald abgeladen wurde. Die Jäger seien bereit 500 Euro Belohnung auf Hinweise, die dazu führen, dass der Umweltfrevler gefunden und verurteilt wird, auszusetzen. Wie das zu organisieren ist, müsse noch mit der Stadtpolizei geklärt werden. »Die Stadt gibt für die Beseitigung von illegal abgelagertem Müll jährlich mehrere 10 000 Euro aus«, erklärt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). Viel Aufwand hätte die Stadt mit den vielen »kleinen Mengen« von unachtsam entsorgten Abfällen. Wenn jemand weiß, wer den Bauschutt und die Reifen im Petterweiler Wald abgeladen hat, kann dies der Karbener Stadtpolizei melden, Telefon: 0 60 39/48 62 80. Übrigens: Der Karbener Recyclinghof nimmt Bauschutt bis 40 Kilo für 2 Euro an, jedes Kilo mehr kostet 6 Cent. Ein Reifen zu entsorgen kostet dort 3,50 Euro. Der Recyclinghof an der Max-Planck-Straße 44 hat dienstags von 9 bis 13 und 14 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs und donnerstags ist von 14 bis 18 Uhr offen , freitags von 13 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 15 Uhr.

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