07. Februar 2017, 16:00 Uhr

Selbsthilfegruppe

Peter Wolf-Schwalm schaut nach vorn

Der Petterweiler Peter Wolf-Schwalm leidet an Multipler Sklerose. In einer von ihm gegründeten Selbsthilfegruppe treffen sich fast zwei Dutzend Karbener.
07. Februar 2017, 16:00 Uhr
JSL
Peter Wolf-Schwalm regt an, dass Karben barrierefreier werden muss. (Foto: jsl)

Peter Wolf-Schwalm war 37 Jahre alt, als ihm ein Neurologe die niederschmetternde Diagnose überbrachte: Multiple Sklerose (MS). Für den Petterweiler war das ein schwerer Schlag, obwohl seine Beschwerden fast darauf hingedeutet hatten. »Im ersten Moment dachte ich: Jetzt landest du im Rollstuhl. Damals war ich davon überzeugt, weil ich mich noch nicht genug mit der Krankheit beschäftigt hatte. Ich wusste aber, dass es keine Heilung gibt.«

Seit dem Tag der Diagnose sind mittlerweile 30 Jahre vergangen. 30 Jahre, in denen mehrere, für diese Krankheit charakteristische Schübe sein Leben veränderten. Im Gegensatz zu den milder verlaufenden Fällen, ist der Krankheitsverlauf bei ihm schwerwiegender. Heute ist er 67, und das Gehen ohne Rollator bereitet ihm Schwierigkeiten. Für weite Strecken steht in seiner Garage ein Elektro-Skooter bereit.

Verzicht auf Rollstuhl

In den Rollstuhl will er sich aber nicht setzen. Seinem Beruf als Prokurist übte er aber, trotz zunehmender Behinderung, bis zum 55. Lebensjahr aus. »Daraufhin nahm ich einen Job bei der Diakonie an, weil ich etwas machen wollte«, erzählt der zweifache Vater. »Ich trat der Pfarrer-Flick-Stiftung in Petterweil bei und wurde Mitglied im VdK Karben, wo ich als Revisor tätig bin.« Mit einem weiteren Handicap muss sich der engagierte Petterweiler arrangieren: Weil er an grünem Star leidet, ist seine Sehkraft gemindert. »Auf einem Auge sehe ich nichts mehr, auf dem anderen noch etwa 30 Prozent.«

Das hält ihn nicht davon ab aktiv zu bleiben. 2014 setzte er ein Vorhaben um: »Zusammen mit dem Petterweiler Pfarrer Michael Neugber habe ich ein Treffen für Schwerbehinderte und kranke Menschen ins Leben gerufen, das auch gut angenommen wird«, erzählt Wolf-Schwalm. »Dabei ist herausgekommen, dass in Petterweil noch sieben weitere Menschen an MS erkrankt sind.« Inzwischen treffen sich immer am ersten Dienstag eines Monats fast zwei Dutzend Menschen in der Selbsthilfegruppe, die von der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft unterstützt werden. »Wir haben inzwischen 23 gemeldete Mitglieder«, sagt Wolf-Schwalm.

Ein großes Problem in Karben ist nach Wolf-Schwalms Ansicht die nicht überall gewährleistete Barrierefreiheit. So sollten die Treppe der Poststelle in Petterweil dringend ein Geländer und der Bahnhof Groß-Karben einen Aufzug erhalten. Für Behinderte und Mütter mit Kinderwagen stelle vor allem der Bahnsteig in Fahrtrichtung Frankfurt wegen der Treppe eine Herausforderung dar.

»Auch dafür setzen wir uns im MS-Treff ein«, erklärt er. »Wir«, damit meint er Angelika Link, Frank Geis, Michael Gauss und Michael Weber. Um mit den Kommunalpolitikern ins Gespräch zu kommen, um auf die neuralgischen Punkte aufmerksam zu machen, hat die Selbsthilfegruppe Bürgermeister Rahn zum Meinungsaustausch eingeladen.

Peter Wolf-Schwalm ist seit 1982 verheiratet. Seine Frau Marion unterstützt ihn bei seinen Aktivitäten. Stolz ist er auf seine Tochter, deren Ziel es ist in der MS-Forschung zu arbeiten.



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