01. November 2019, 21:07 Uhr

Per Rad nach Frankfurt und zurück

»Wer morgens aus der Wetterau nach Frankfurt fährt, kennt das: Stoßstange an Stoßstange quält sich der motorisierte Individualverkehr - und allabendlich in umgekehrter Richtung«, beschreibt Dr. Klaus Dapp aus dem hessischen Verkehrsministerium den Istzustand. Doch Fuß- und Radverkehr rücken stärker in den Fokus. Darüber gab es eine Infoveranstaltung von Experten des Landes und des ADFC in Bad Vilbel für die Entscheidungsträger in den Kommunen. Denn letztendlich geht es auch ums Geld.
01. November 2019, 21:07 Uhr
Klaus Dapp vom Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen erläutert die Bedeutung von Radschnellverbindungen. (Fotos: Fauerbach)

D er Anteil des Radverkehrs im Bereich der Nahmobilität hat in Hessen besonders hohes Potenzial, wie die Studie des Landes »Nahmobilitätsstrategie für Hessen« vom Mai 2017 zeigt. So liegt das Potenzial zwischen Frankfurt und Bad-Nauheim zwischen 1500 und 2000 Radpendelnden pro Tag. Dabei haben die Planer den Alltagsradverkehr im Blick und nicht den in der Freizeit.

»Um den Radverkehr im Alltag zu stärken, sind sichere, gut ausgebaute und durchgängig nutzbare Radverbindungen Voraussetzung. Um Radschnellwege (RSW) zu verwirklichen, sind viele Mitmachende wie das Land Hessen, Kommunen und der Regionalverband wichtig«, betonte Paul van de Wiel, stellvertretender Landesvorsitzender des ADFC Hessen. Untermauert und vorgestellt wurden jetzt erneut Bedingungen, Perspektiven, Potenziale und konkrete Schritte in einer Informationsveranstaltung des Radfahrverbandes ADFC Hessen, Bad Vilbel und Frankfurt am Donnerstag im Gemeindesaal der St.-Nikolaus-Gemeinde in Bad Vilbel.

Verknüpfung mit Bahn-Ausbau

Zudem ergebe sich durch den viergleisigen Ausbau der Main-Weser-Bahn-Linie und eine Verknüpfung beider Projekte eine historische Chance für den Radschnellweg Frankfurt-Wetterau. »Die Bahn baut, wir bauen mit!« lautet das Motto.

Christian Euler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Bad Vilbel, betont, dass dies für eine rasche Durchführung spreche. Der nächste Schritt besteht in einer Machbarkeitsstudie.

Das Grundgerüst für RSW und Raddirektverbindungen bildet das Rad-Hauptnetz Hessen, das durch die regionalen und lokalen Radnetze vervollständigt wird. Vorteile des flächendeckenden Netzes sind höhere Reisegeschwindigkeiten von bis zu 20 Stundenkilometer, die den Einsatzbereich des Fahrrades auf größere Entfernungen ausdehnen würden.

Bereits vor einem Jahr hat das hessische Wirtschafts- und Verkehrsministerium eine landesweite Erarbeitung der notwendigen Grundlagen zu Planung und Bau von Radinfrastruktur initiiert und eine Basis für eine systematische Planung des Radverkehrs in Hessen geschaffen. »Die Ergebnisse dienen den Städten, Gemeinden und Landkreisen zur fachlichen Unterstützung ihrer Radverkehrsplanung vor Ort«, informierte Dr. Dapp. Zu den Musterlösungen kommen auch finanzielle Förderungen hinzu. Der ADFC hofft, dass bereits in weniger als zehn Jahren ein RSW Frankfurt mit Bad Nauheim auf einer Trasse zwischen Frankfurt-West und Friedberg (Schnellbahnlinie S6) verbindet. Ein Großteil des Radschnellwegs könnte auf einer Trasse verlaufen, welche die Deutsche Bahn parallel zu den Gleisen als Wirtschafts-, Versorgungs- und Rettungswege ohnehin anlegen werde. Vorteile der Trasse sind, dass sie direkt verläuft, steigungsarm und weitgehend kreuzungsfrei ist sowie in die Ortszentren führt. Und durch eine Bündelung beider Projekte könnten zeitliche, organisatorische, personelle und finanzielle Ressourcen hinzukommen, wie der ADFC in Aussicht stellt.

Der von Aktiven vom ADFC Ortsverband Bad Vilbel/Karben und vom Kreisverband Frankfurt im Frühjahr 2019 gebildete Arbeitskreis RSW Frankfurt-Wetterau, der vom Landesverband unterstützt wird, hat den ungefähren Streckenverlauf des neuen RSW entwickelt, der konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung der Infrastruktur beinhaltet.

Dazu gehören Vorschläge für neue Fahrradabstellanlagen. Auftraggeber für eine professionelle Studie könnten laut ADFC die Anrainer-Kommunen sein oder ein von ihnen gegründeter Zweckverband. »Neben den betroffenen Kommunen ist die Deutsche Bahn als Bauherr der Ausbaustrecke zentraler Akteur für den Bau des RSW. Sie könnte die Planung und Realisierung der RSW Wetterau als Pilotprojekt übernehmen und so die Zuständigkeitslücke füllen, welche bei überregionalen Radwegen in Hessen momentan besteht.«

25 Millionen Euro Baukosten

Die Baukosten für die rund 28 Kilometer lange Strecke zwischen Frankfurt und Bad Nauheim betragen laut Schätzung des ADFC-Arbeitskreises zwischen 25 und 30 Millionen Euro. Ein Großteil könnte mit Fördermitteln des Landes Hessen und des Bundes bereitgestellt werden.

»Das ist extrem gut angelegtes Geld, wenn man sich anschaut, was man dafür erhält«, urteilt Christian Euler. Zudem könnte der RSW Wetterau bis nach Gießen fortgeführt werden. Und das Netz lasse sich durch Zubringer von Wölfersheim und Ober-Mörlen nach Bad Nauheim und von Nidderau über Schöneck und Niederdorfelden nach Bad Vilbel ausdehnen.

Detaillierte Informationen zum Radschnellweg Wetterau auf der Internetseite www.schneller-radfahren.de.

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