17. April 2019, 19:12 Uhr

Osterkronen für die Dorfbrunnen

Jedes Jahr werden zur Osterzeit in Karben und Bad Vilbel aus sonst oft tristen Brunnen bunte Kunstwerke: Dann nämlich, wenn sie zu traditionellen Osterbrunnen umdekoriert werden. Doch was verbirgt sich eigentlich hinter dem Brauch?
17. April 2019, 19:12 Uhr
JKÖ

A lle Vögel sind schon da, alle Vögel, alle!« Mit hellen Stimmen begrüßen die Kinder des Roggauer Kindergartens Zwergenburg den Lenz. »Frühling will nun einmarschier’n, kommt mit Sang und Schalle«, singen sie.

Passend dazu erstrahlt hinter ihnen ein grünes Kunstwerk, das man in ähnlicher Form aktuell vielerorts in der Wetterau findet: Auf dem Brunnen vor der evangelischen Kirche steht in Burg-Gräfenrode eine mit Tannengrün geschmückte Krone, die nur darauf wartet, gleich von den Knirpsen geschmückt zu werden.

»Das gemeinsame Schmücken des Osterbrunnens ist mittlerweile fester Bestandteil unseres Vereinsjahres«, erklärt Ulrich Bedacht, Vorsitzender des Heimat- und Kulturvereins (HeKu) Burg-Gräfenrode. Vor fast zehn Jahren entstand die Idee im Vorstand, daraufhin hat ein Vorstandsmitglied das Metallgestell eigens für den Brunnen angefertigt. Seither treffen sich Jahr für Jahr die Vereinsmitglieder rund zwei Wochen vor dem Osterfest, um gemeinsamen Brunnen und Gestell zu putzen und zu schmücken.

Brauch kommt aus Franken

»Der Brauch kommt aus der Fränkischen Schweiz«, erklärt Bedacht mit Verweis auf eine Informationstafel neben dem Brunnen. In der wasserarmen Hochebene der bayrischen Region zwischen Bayreuth und Bamberg waren die Brunnen eine wertvolle Quelle, an der sich Wasser schöpfende Frauen trafen. Das gesamte Jahr über wurden die Wasserstellen liebevoll gepflegt, hinzu kam mit der Zeit Schmuck zu besonderen Anlässen. Mündliche Überlieferungen belegen den Brauch der Osterbrunnen bis Anfang des 20. Jahrhunderts, heißt es beim HeKu. Wie in Roggau besteht dessen Methode traditionell aus zwei Teilen – dem »Fegen«, also dem Vorbereiten des Brunnens, was früher gewöhnlich junge Burschen übernahmen –, und dem eigentlichen Dekorieren.

Nicht nur Heimatvereine halten den Brauch am Leben: Wer in der Osterzeit durch Karben fährt, sieht, dass auch in anderen Stadtteilen Brunnen kunstvoll verziert wurden. Initiiert wird die österliche Verschönerungsaktion jedoch von ganz unterschiedlichen Kräften: Ist es in Roggau der HeKu, schmücken in Petterweil seit Jahren die Landfrauen ihren Brunnen. In Okarben hat ein privates Team den Brunnen vor wenigen Tagen in sein Frühlingskleid gehüllt.

In Klein-Karben ist es eine Tradition der Sozialdemokraten: Bereits seit elf Jahren verschönert die Karbener SPD den Peter-Geibel-Brunnen an der Ecke Dortelweiler und Gronauer Straße im alten Ortskern von Klein-Karben. Seinerzeit hatte der ehemalige Ortsvorsteher Rainer Züsch die Idee dazu gehabt.

Auch in der direkten Nachbarschaft sind die Farbtupfer zu finden: Beispielsweise in Dortelweil oder in Gronau. In Bad Vilbels östlichstem Stadtteil haben die Mitglieder des CDU-Ortsverbandes auf Initiative des Ortsvorstehers Karl Peter Schäfer bereits zum 19. Mal für einen festlichen Anblick gesorgt: Unzählige kunterbunt gefärbte Ostereier und Buxbaum-Girlanden schlängeln sich nun den Gronauer Dorfbrunnen hinauf.

»Wir wollen damit unseren Teil dazu beitragen, die Bürger auf das christliche Osterfest einzustimmen«, sagt Schäfer. Die Dekoration sorge besonders bei den Gronauer Kindergartenkindern für Freude: Sie haben die Eier in den Jahren zuvor kunstvoll bemalt und können ihre Werke nun wieder am Brunnen bewundern. Gelagert wird der Brunnenschmuck übrigens bei Ehrenstadtrat Günther Bodirsky, der die Aktion koordinierte.

Laut Stadtsprecher Yannick Schwander kommen die Osterinitiativen auch im Rathaus gut an: »Solche Traditionen sind immer auch ein Stück der Identität der einzelnen Ortsteile.« »Wenn über Generationen hinweg Brunnen bunt und reichlich geschmückt werden, stärkt das den Zusammenhalt. Wir freuen uns sehr darüber, dass dies Jahr für Jahr ehrenamtlich getan wird und sich somit an Ostern schöne Bilder ergeben.«

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