03. November 2019, 18:16 Uhr

Nur die goldenen Kronen fehlen noch

03. November 2019, 18:16 Uhr
Die Sternsinger vor der St.-Nepomuk-Kirche mit ihrer Betreuerin Angela Hunger (rechts hinten). (Fotos: Dostalek )

»So viele neue Kinder«, das ist toll«, sagt Betreuerin Angela Hunger und rückt noch schnell ein paar Stühle mehr in den Kreis. Die Jüngeren sind noch etwas schüchtern und still an diesem Morgen in Kloppenheim, die etwas Größeren, die schon im vergangenen Jahr als Sternsinger unterwegs waren, plumpsen hingegen souverän auf ihre Stühle. Ein Dutzend Kinder hat sich in dem Gruppenraum der katholischen Gemeinde St. Nepomuk in Kloppenheim eingefunden. Es ist das erste Vorbereitungstreffen für die Sternsinger im Stadtteil. Zwei weitere Gruppen treffen sich in Petterweil und Klein-Karben.

Denn wie jedes Jahr laden die katholischen Gemeinden von Karben dazu ein, an der Sternsinger-Aktion teilzunehmen. »Mitmachen können alle Kinder ab sechs Jahre, egal welcher Religion sie angehören und woher sie kommen. Sie müssen nicht zur katholischen Gemeinde gehören oder getauft sein«, erklärt Unger. In den letzten Jahren habe die Zahl der Sternsinger in ganz Karben gleichbleibend bei etwa 50 gelegen. 60 Haushalte wurden besucht. Viele Kinder kämen über Mundpropaganda und würden von Freunden oder Geschwistern mitgebracht. Aber es werde auch aktiv Werbung von den Gemeinden gemacht mit Flyern und Aushängen in den Kindergärten, Horten und Schulen, in der Stadtbibliothek, im Kino und in Supermärkten. Wichtig sei der feste Bezugsrahmen in einer Gruppe, das mache den Kindern Spaß. Sie würden alles über die Sternsinger lernen, basteln und Lieder singen wie »Stern über Bethlehem«, »Stern des Friedens« oder »Wir gehören zusammen«.

Film über Libanon

»Es macht Spaß, um die Häuser zu ziehen und den Menschen vorzusingen«, sagt Maya Elisa Kessler (9), die im vergangenen Jahr schon dabei war. »Freude bereiten und anderen Kindern helfen«, erklärt Julian Fritz-Felber (12), der bereits zum vierten Mal bei den Sternsingern mitmacht. Die Großen wissen schon, um was es geht, nämlich in den ersten Januartagen zu den Häusern zu gehen, zu singen, mit Kreide den Segensspruch auf die Haustüren zu malen und um Spenden zu bitten. »Wir helfen damit armen Kindern«, weiß Sebastian (8), und seine kleine Schwester Hanna (6) nickt eifrig mit dem Kopf. Denn das Geld, das Erwachsene in die Spendendosen stecken, die ihnen die Mädchen und Jungen entgegenhalten, kommt Kinderhilfsprojekten in aller Welt zu gute. In Karben haben die Sternsinger im vergangenen Jahr etwa 10 000 Euro gesammelt, das über die Pfarrgemeinden an das Kindermissionswerk mit seinen Hilfsprojekten weitergeleitet wird.

Damit die Kinder das verstehen, zeigt ihnen Unger einen Film, der extra für die diesjährige Sternsinger-Aktion gedreht wurde. »Frieden im Libanon« ist er betitelt und zeigt, wie das achtjährige Mädchen Rabella und ihr Freund Raman in einem Viertel von Beirut wohnen, zusammen spielen und lernen. Eine Nachmittagsbetreuung der Caritas, die mit Sternsinger-Spenden unterstützt wird, bietet ihnen und anderen Kindern dort einen geschützten Raum für ein friedliches Miteinander. Denn in der quirligen Großstadt Beirut mit ihrer schlimmen Bürgerkriegserfahrung leben Menschen unterschiedlichen Glaubens zusammen. Es gibt christliche und muslimische Familien. Viele syrische Flüchtlinge haben hier Schutz vor dem Krieg in ihrer Heimat gefunden.

Gesprächsrunde über Frieden

Die Kloppenheimer Kinder schauen mit großen Augen den Film an, bis bei einigen die Aufmerksamkeit nachlässt. Dann hilft eine kleine Pause, bei der die Kinder sich einen Schokoriegel, Kekse oder Gummibärchen holen dürfen, beim Obst zugreifen und Saft trinken. In einer kleinen Gesprächsrunde geht es noch um Frieden und wie man sich verhalten sollte, damit kein Streit entsteht. Jeder darf etwas dazu sagen, geduldig hört Unger zu und erklärt ihnen die goldene Regel des friedlichen Miteinanders, wie sie in allen Religionen gilt: Behandle andere Menschen so, wie du selber behandelt werden möchtest!

Eine knappe Stunde ist vergangen, und dann ist es endlich so weit: Die Sternsinger-Kleider dürfen ausgesucht und anprobiert werden. Heimliche Blicke schickten die Kinder schon die ganze Zeit in die Ecke, wo Mütter die farbenprächtigen blauen und roten Umhänge ausbreiten und die weißen Unterkleider dazu legen. Denn die Sternsinger sind im Januar als Kaspar, Melchior und Balthasar unterwegs, so wie es in der Weihnachtsgeschichte von den Heiligen Drei Königen und der Geburt Jesu erzählt wird.

Sterne für Weihnachten basteln

Nur die Kronen, die fehlen noch. »Die werden wir beim nächsten Mal aus Goldpapier basteln und mit bunten Steinen bekleben«, erklärt Unger. Auch Sterne für Weihnachten sollen bei den nächsten Vorbereitungstreffen gebastelt werden.

»Wann singen wir?«, fragt ein Kind, und Unger versichert: »Die Liederblätter bringe ich euch beim nächsten Mal mit, dann müssen wir schön üben.«

Wer bei den Sternsingern und den Vorbereitungstreffen mitmachen möchte, muss sich bei den katholischen Gemeinden anmelden. Ansprechpartnerin für Petterweil ist Miriam Müller-Waninger, Telefon 0 60 39/4 24 99. Für Kloppenheim: Angela Hunger, Telefon 01 71/4 74 37 05, für Klein-Karben: Ines Honndorf, Telefon 0 60 39/93 43 66.

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