23. August 2019, 14:00 Uhr

Pfarrerwechsel

Nicht sein erster Neuanfang

Erst ist Jürgen Seng skeptisch gewesen, hat sich aber vor Ort überzeugt, dass es das Richtige für ihn ist: Ab Sonntag ist er der Pfarrer auf dem Heilsberg. Bis er Pfarrer wurde, war es aber ein weiter Weg.
23. August 2019, 14:00 Uhr
Pfarrer Jürgen Seng sagt: »Ich verbiege mich nicht, um anderen zu gefallen, ich bin wie ich bin. Und das ist zum Beispiel niemand, der im Pfarrhaus sitzt, sondern der nach draußen zu den Leuten geht.« Am Sonntag wird er offiziell neuer Pfarrer auf dem Heilsberg. (Foto: pv)

Vor allem bin ich natürlich auf die Gemeindearbeit gespannt«, sagt Jürgen Seng. Der 55-Jährige sitzt noch entspannt im Pfarrhaus, in fünf Tagen ist er auch offiziell der neue Pfarrer der Heilig-Geist-Gemeinde auf dem Heilsberg. Es ist ein Neuanfang für den 55-Jährigen und es ist nicht der Erste. Denn Sengs Weg hat am Anfang gar nichts mit dem Pfarreramt zu tun.

»Meine Eltern hatten eine Metzgerei, da war es klar, dass auch ich Fleischer werden muss, um den Laden zu übernehmen.« Doch Seng fand keine Freude an der Arbeit. »Ich war damals schon in der Gemeindearbeit aktiv, übernahm als Prädikant Gottesdienste«, erinnert er sich heute zurück. »Ich stand vor der Wahl: 40 Jahre einen Job machen, den ich nicht mag, oder neu beginnen.«

Job als Briefträger

Er entschied sich für den Neuanfang, holte sein Abitur nach und studierte Theologie. Während er auf seine erste Stelle wartete, arbeitete er als Briefträger. »Ich denke, das prägt mich bis heute«, ist er überzeugt. »Die Freude mit und für die Menschen zu arbeiten, dass begleitet mich seit damals.«

15 Jahre war er als Pfarrer in Hartershausen, einem Stadtteil von Schlitz im Vogelsberg, tätig. »Ich habe die Arbeit immer gerne gemacht«, sagt Seng. Doch vor zwei Jahren begann die Rastlosigkeit. »Ich hatte viele Veranstaltungen organisiert, doch irgendwann war ich selbst mit mir nicht mehr zufrieden. Die Leute waren zufrieden mit dem, wie es war, und so sollte es auch bleiben. Doch ich wollte nicht nur verwalten, sondern auch gestalten.«

»Die Idee, den Ort zu wechseln, spukte schon länger in meinem Kopf herum.« Doch als seine Frau Britta im Amtsblatt eine Ausschreibung für die Stelle auf dem Heilsberg fand, da wurde die Idee konkret. »Ich war erst mal skeptisch, doch Britta schlug vor, mich erst mal zu informieren und mir alles anzuschauen.«

Positivier Eindruck von Bad Vilbel

Und so fuhren die beiden Ende vergangenen Jahres nach Bad Vilbel. »Nach dem ersten Gespräch mit dem Kirchenvorstand war ich begeistert«, erinnert er sich zurück. »Ich wurde überaus freundlich aufgenommen und besonders der Aspekt der Musik, der hier in der Kirchenarbeit sehr wichtig ist, gefiel mir sehr gut. Schon auf der Rückfahrt hatte ich das Gefühl: Ja, das ist es!« Bei einem Probegottesdienst am vierten Advent stellte sich Seng bei den Gemeindemitgliedern vor. Auch hier: Ein äußerst positiver Eindruck. »Alle waren sehr nett und aufgeschlossen, ich hatte direkt das Gefühl, dass ich willkommen bin.« Doch einfach hinziehen, das ging nicht. »Das entscheide ich ja nicht alleine, meine Frau hat da ein gehöriges Wort mitzureden«, sagt Seng und lacht. »Doch sie hat mich da sehr unterstützt und da sie auch selbst Musikerin und Chorleiterin ist, hat das sehr schön hierher gepasst.«

Wenn sich Seng mit einem Wort beschreiben müsste, »dann wäre es authentisch«, sagt der neue Pfarrer wie aus der Pistole geschossen. »Ich bin ein Mensch wie jeder andere auch. Ich verbiege mich nicht, um anderen zu gefallen, ich bin wie ich bin. Und das ist zum Beispiel niemand, der im Pfarrhaus sitzt, sondern der nach draußen zu den Leuten geht.«

Schwerpunkt Jugendarbeit

In seiner alten Gemeinde habe er viele Gespräche mit einem Bier in der Hand geführt und auch bei Fußballspielen sei er ein häufiger Gast gewesen. »Einmal wurde ich sogar rausgeschmissen, da ich mich zu sehr über den Schiedsrichter aufgeregt hatte«, sagt Seng und lacht. Viel davon will er auch auf dem Heilsberg weiterführen. »Wenn man auf die Leute zugeht, dann fassen sie auch Vertrauen und kommen, wenn es etwas gibt.«

Einen weiteren Schwerpunkt möchte Seng in der Jugendarbeit legen. »Kinder- und Jugendarbeit waren für mich immer ein ganz wichtiger Aspekt und eine Sache, die mir viel Spaß bereitet hat. Dass wir hier den Kindergarten gleich nebenan haben, das ist eine ganz tolle Sache und ich hoffe, dass ich mich dort einbringen kann. Auch in der Schule habe ich immer gerne unterrichtet, zwei Stunden pro Woche werde ich an der Ernst-Reuter-Schule aushelfen.«

Doch erst einmal möchte Seng vor allem eines tun: zuhören. »Wir haben das doppelte der Gemeindemitglieder meiner alten Gemeine, für die nächsten 100 Tage möchte ich daher so viele wie möglich kennenlernen und Kontakte schließen. Die Gemeindearbeit ist für mich das Wichtigste. Ich will kein Pfarrer sein, der eine Stunde Gottesdienst hält und das war’s. Ich möchte die Menschen verstehen und auf ihrem Weg begleiten.«

Die offizielle Einführung von Jürgen Seng als Pfarrer der ev. Heilig-Geist-Gemeinde findet am Sonntag, 25. August, um 15 Uhr in der Heilig-Geist-Kirche auf dem Heilsberg statt.

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