26. März 2018, 21:03 Uhr

Netzwerk für Hilfen und kurze Wege

26. März 2018, 21:03 Uhr
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Von Jürgen W. Niehoff
Die Lenkungsgruppe des Bündnisses »Nidderau hilft« sammelt Ideen, wie Integration gelingt, (v. l.) Therese Hertel, Silvia Genz, Chris Strobbe, Kirsten Ohly, Horst Körzinger und Holger Nix. (Foto: jwn)

Hilfe, und zwar nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle, ist das Ziel, dass sich das Bündnis »Nidderau hilft« gesetzt hat.

»Ist das Bündnis ›Nidderau hilft‹ eine weitere Ausrede, frei nach dem Motto ›Wer nicht weiter weiß, bildet schnell einen Arbeitskreis‹ und wird in ihm dann möglicherweise nur über die Betroffenen statt mit ihnen gesprochen?«, fragt Erster Stadtrat Rainer Vogel (Grüne) provokant. Mit diesen Worten grüßt er im Familienzentrum Nidderau die etwa 60 Teilnehmer des ersten Treffens, an dem Vertreter von Stadtverwaltung, Flüchtlingshilfe, Bürgerstiftung, Ausländerbeirat, Kirchen und Vereinen teilnehmen. Der Flüchtlingsansturm sei mittlerweile zwar deutlich zurückgegangenen, doch nun gelte es den Angekommenen bei ihrer Integration zu helfen. Ziel des neuen Bündnisses sei es deshalb, die angebotene Hilfe auf lokaler Ebene zu bündeln und so ein Netzwerk zu schaffen, damit Hilfsmaßnahmen nicht doppelt und dreifach angeboten werden und andere Angebote dadurch zu kurz kommen, erklärt Vogel.

Dieses Problem hat Horst Körzinger, ein inzwischen pensionierter Banker, gesehen, der sich sehr intensiv in der Bürgerstiftung Nidderau engagiert. Im vergangenen Sommer hatte er von dem Bundesprogramm »Willkommen bei Freunden« gehört und sich umgehend an deren Mitarbeiter in Frankfurt gewandt. Weil das Programm aber erst dann greift, wenn die Unterstützung von mehreren Organisationen, wie beispielsweise Jugend-, Sozial- und Ausländerämter, Kirchen, Stiftungen oder Vereine gemeinsam gefordert wird, wandte sich Körzinger zunächst an die Stadt. Mit Erfolg, denn Stadtrat Vogel versprach Hilfe. Doch das war Körzinger noch nicht genug. Er wandte sich auch an die Flüchtlingshilfe und den Ausländerbeauftragten der Stadt. Alle erklärten sich zur Zusammenarbeit in Sachen Integration von Flüchtlingen bereit. In drei Workshops wurden zunächst die Ziele und die Vorgehensweise des Bündnisses definiert.

»Dabei wurde schnell klar, dass sich unser Engagement nicht nur auf junge Flüchtlinge konzentrieren sollte, sondern dass wir uns vielmehr auch um die übrigen Menschen in unserer Stadt kümmern müssen, die unserer Hilfe bedürfen«, sagt Kirsten Ohly, Vorsitzende der Nidderauer Flüchtlingshilfe. Bei den ersten Treffen wurden angeleitet vom Frankfurter Servicebüro »Willkommen bei Freunden« Handlungsempfehlungen in den Bereichen Arbeiten, Wohnen und Familie erarbeitet. Dazu sollen drei Arbeitsgruppen gebildet werden, die Ideen sammeln und sie anschließend auch mit Hilfe der viele ehrenamtlichen Helfer organisieren und umsetzen sollen. Koordiniert werden die Arbeitsgruppen von einer Lenkungsgruppe mit den Vertretern der Stadt und der vier Bündnispartnern.

»Es gibt keine Blaupausen für Hilfe. Jede Unterstützungsmaßnahme hat ihre Besonderheiten«, sagt Therese Hertel von »Willkommen bei Freunden«.

Nach der Vorbereitungsphase sollen nun Ideen gesammelt und Projekte angestoßen werden. »Vor allem aber gilt es jetzt mit den Betroffenen zu reden und nicht nur über sie«, empfiehlt Thomas Pfohl, der mit seinem Heidelberger Unternehmen »taten.drang« Kommunen unterstützt.



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