29. Oktober 2018, 20:30 Uhr

Wahl-Analyse

Näher an die Bürger ran

Bei der Landtagswahl am Sonntag sind die Bad Vilbeler Wähler größtenteils dem Landestrend gefolgt. Und doch gab es Unterschiede.
29. Oktober 2018, 20:30 Uhr
Die Wahl wird ausgezählt. Für die Bad Vilbeler Politiker geht es danach ans Aufarbeiten. Das Vermitteln von kommunalen Themen falle schwer. (Foto: Pegelow)

Zufrieden kann die CDU mit ihrem Ergebnis in Bad Vilbel nicht sein. 11,2 Prozentpunkte haben die Christdemokraten gegenüber der Landtagswahl 2013 verloren.

Eines verwundert den Parteichef Tobias Utter dann aber: »Auf dem Taunusblick und in Dortelweil-West, Projekte, gegen die sich die Grünen gestemmt haben, bekommen sie am meisten Stimmen.« Utter macht das Ergebnis klar am Bundestrend fest.

»Es wäre schön gewesen, wenn uns jemand während des Wahlkampfes auf Landes- oder Kommunalthemen angesprochen hätte. Stattdessen ging es sogar um den Hambacher Forst, der nicht einmal in Hessen liegt.«

Für die Kommunalwahl 2021 will Utter näher an die Bürger ran, ihnen mehr erklären. Doch stelle er auch fest, dass Bürger zwar an kommunalen Themen interessiert seien, die Vermittlung aber immer schwieriger werde. Deswegen sollen Bürgerforen, Info-Stände und soziale Medien auch außerhalb der Wahlkampfzeiten helfen.

Auf dem Heilsberg und in Dortelweil, Heimat der neuen Landtagsabgeordneten Kathrin Anders, haben die Grünen ihre besten Ergebnisse eingefahren. Für Parteichef Clemens Breest ist das Ergebnis auf eine veränderte Arbeitsweise zurückzuführen. Denn nach Darmstadt haben die Bad Vilbeler Grünen das zweitbeste Ergebnis überhaupt in Hessen eingefahren.

Breest nennt das heikle Thema Verkehr. Hier hat die Partei den parteipolitisch unabhängigen Professor Stephan Rammler zum Vortrag eingeladen. Das Ergebnis: »Über 60 Leute waren da, trotz Herbstferien.« Die SPD hingegen habe auf parteieigene Leute gesetzt und nicht so viel Erfolg gehabt.

»Die 2.0-Generation der Grünen arbeitet für und nicht gegen die Bürger. Das hat man uns in vielen Gesprächen bestätigt. Viele sind von den sogenannten großen Parteien enttäuscht.«

Bezeichnend für ihn sei gewesen, dass ihn selbst Landwirte, beileibe nicht grüne Stammwähler, zum Gespräch zum Thema Landfraß eingeladen hatten. Das erfolgreiche Konzept wollen Breest und Kathrin Anders nun auch im Landesverband verkaufen.

Bittere Schlappen muss die SPD in fast allen Stadtteilen hinnehmen. »Eine vernünftige Analyse fällt schwer«, sagt Parteichef Horst Seißinger. Bei Gesprächen an der Haustür und an Info-Ständen seien die Themen bezahlbarer Wohnraum und Bildung gut angekommen. Auch wenn »die Grundstimmung schlecht« war, will Seißinger nicht allein der Parteispitze in Berlin die Schuld geben.

Man habe sich schon mit Themen vor Ort befasst, widerspricht Seißinger der Aussage von Breest zu den Veranstaltungen. »Ich glaube bei uns ging es mehr um den Verkehr in Bad Vilbel, als es bei den Grünen der Fall war.« Die Kommunalpolitik der SPD in Bad Vilbel falle sehr sachorientiert aus, »vielleicht müssen wir da stärkere Akzente setzen«, vermutet Seißinger und spielt auf eine aggressivere Politik der Grünen an. Er will nun den Fokus mehr auf das Kombibad, den Quellenpark, den Hessentag und den Bau neuer Wohnungen setzen, um bei der Kommunalwahl 2021 besser abzuschneiden.

Über ein historisches Erststimmen-Ergebnis freut sich Jörg-Uwe Hahn (FDP). Auch bei den Zweitstimmen konnte die FDP um einen Prozentpunkt zulegen. »Die Wähler werten es positiv, dass ich nicht acht Wochen vor der Wahl plötzlich auftauche, sondern mich über Jahrzehnte für die Region einsetze«, ist er überzeugt.

Als stärkste Themen in Bad Vilbel sieht Hahn den Verkehr und Wohnraum an. Hier seien die Veranstaltungen der FDP gut angenommen worden. Darauf will er aufbauen, um in der zweiten Halbzeit der kommunalen Wahlperiode weiter Punkte zu sammeln.

FW sehen sich gestärkt

Raimo Biere von den Freien Wählern ist mit dem Bad Vilbeler Resultat zufrieden. »Der Wahlkampf hat sich gelohnt, viele Bürger empfanden es als positiv, dass wir auf Landesebene antreten«, resümiert er. Mit über drei Prozent im Landesdurchschnitt würden die Freien Wähler nun auch bei Umfragen stärker berücksichtigt, das könnte weitere Stärkung bringen.

Kommunalpolitisch will er dabei bleiben, oft mit CDU und FDP zu stimmen, wenn er es als sinnvoll erachtet. »Frontalopposition wird es nicht geben, auch wenn ich heute Abend bei meiner Ablehnung für das Smart-City-Projekt bleibe«, verrät Biere jetzt schon.

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