26. September 2019, 18:26 Uhr

Nach der Viabus-Pleite ist Geduld gefragt

26. September 2019, 18:26 Uhr
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Von Alexander Gottschalk

In Sachen Vilbus ist Geduld gefragt. Erst in der zweiten Novemberhälfte sei mit konkreten Aussagen zur Zukunft von Viabus zu rechnen, sagte gestern auf Anfrage Thomas Schulz. Er vertritt als Pressesprecher den Rechtsanwalt Nils Meißner, der als vorläufiger Insolvenzverwalter das Busunternehmen retten soll, das im Auftrag der Stadtwerke die fünf Linien des Bad Vilbeler Stadtbusses bedient.

Abhängig vom Mutterkonzern

Vor einer Woche meldete Viabus, das seinen Sitz in Speyer hat, beim Amtsgericht in Essen Zahlungsunfähigkeit an. Noch bis 2027 läuft aber der Vertrag mit den Stadtwerken. Jetzt steht die Frage im Raum, wie sich die Pleite mittelfristig auf den Betrieb des Vilbusses auswirkt. Zuletzt fuhren die auffälligen gelben Busse nach Plan.

Für Fahrgäste bestehe auch weiter kein Grund, Angst zu haben, vergeblich an den Haltestelle zu warten, sicherte Schulz nun zu. Es gelte die Absprache mit den Stadtwerken: Alle Busse kommen wie vorgesehen. Das sei im Interesse beider Seiten. Noch bis Ende November sind die Gehälter und Löhne der Viabus-Mitarbeiter über das Insolvenzgeld abgesichert. Um zu prognostizieren, wie es danach weitergehe, sei es noch zu früh, sagte Schulz. Die Sondierungen liefen. Typischerweise sei nach etwa zwei Monaten klar, wo man im Insolvenzverfahren stehe.

Neben Bad Vilbel hat Viabus fünf weitere Einsatzorte, an denen insgesamt 170 Fahrzeuge unterwegs und 330 Mitarbeiter beschäftigt sind. Viabus gehört zur Gruppe Metropolitan European Transports (MET). Die Konzernmutter ist ebenfalls insolvent. Wohin sie steuert, wird maßgeblich den Viabus-Kurs bestimmen - und so Auswirkungen in der Quellenstadt haben.

Üblicherweise würden Unternehmen als ganzes saniert oder verkauft, sagte Schulz zu den Abhängigkeiten. Letztlich hingen alle Entscheidungen jedoch stets von der Interessenslage der Investoren ab. Warum Viabus, das nach eigenen Angaben zuletzt einen Jahresumsatz von 20 Millionen erwirtschaftete, überhaupt ins Schlingern geriet, wollte Schulz nicht kommentieren. Jetzt gehe es darum Zukunft und Gegenwart zu sichern, danach sei Zeit, für eine wirtschaftliche Analyse.

Linien auf Prüfstand stellen

Die Bad Vilbeler SPD teilte am Mittwoch mit, man habe die Insolvenz der Firma mit Bedauern zur Kenntnis genommen und fordere Magistrat und die Stadtwerke auf, alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit der Stadtbus in jedem Fall ohne Unterbrechung weiterfahren könne. Gleichzeitig sieht die SPD die Situation jedoch als »große Chance für eine dringend nötige Neuausrichtung und Optimierung der Vilbus-Linien«, vor allem sollte Viabus als Betreiber ausscheiden und der Auftrag neu vergeben werden. Bei einer möglichen Neuvergabe müsse sichergestellt werden, dass die Attraktivität des Vilbus gesteigert werde, um weitere Bürger für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen. Nur so könne auch die Verkehrssituation in Vilbel entspannt werden.

»Bei der Beurteilung der Verkehrssituation und des Streckennetzes sollten auch die Ortsbeiräte miteinbezogen werden«, befand der SPD-Stadtverordnete Klaus Arabin. Die SPD will demnach zu Debatte stellen, ob man den Stadtbus zumindest auf einigen Strecken an Samstagen länger und auch an Sonntagen fahren lassen könne.

Ähnlich äußerte sich der Seniorenbeirat, der im Zuge der jüngsten Entwicklungen anregte, alle Linien des Vilbusses »auf den Prüfstand zu stellen«. Zum einen hinsichtlich der Fahrzeiten der Linien. Zum anderen hinsichtlich der Routen, damit möglichst alle, die abgehängt worden seien, wieder bedient werden können. Der Vilbus gilt bei SPD und Seniorenbeirat als sehr wichtig für die Älteren.



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