23. Januar 2017, 18:40 Uhr

Muschelsuche in Klein-Karben

Geologie ist nur etwas für Fachleute und für den normalen Bürger ein Buch mit sieben Siegeln? Dass dies ein bloßes Gerücht ist und Geologie für den Laien spannend sein kann, das beweist der Karbener Geologie-Professor Peter Prinz-Grimm. Unterhaltsam gestaltete er am Freitag einen Abend beim Geschichtsverein im Rathaus.
23. Januar 2017, 18:40 Uhr
Beim Bau des Sportplatzes an der Waldhohl sind die typischen Sedimentschichten sichtbar geworden. (Fotos:jwn/pv)

Geologie ist nur etwas für Fachleute und für den normalen Bürger ein Buch mit sieben Siegeln? Dass dies ein bloßes Gerücht ist und Geologie für den Laien spannend sein kann, das beweist der Karbener Geologie-Professor Peter Prinz-Grimm. Unterhaltsam gestaltete er am Freitag einen Abend beim Geschichtsverein im Rathaus.

»Die schlechte Nachricht ist, dass die Erde auch in unserer Region noch nicht zur Ruhe gekommen ist. Die gute Nachricht ist die, dass frühestens in 50 bis 100 Millionen Jahren der Oberrheingraben und damit auch die Wetterau mit Wasser bedeckt sein werden«, erklärte Prinz-Grimm. Die Wetterau gehört zu den ältesten Kulturlandschaften Deutschlands. Wegen ihrer ertragreichen Böden weist sie bereits im Altneolithikum (etwa 5000 v. Chr.) eine dichte Besiedlung auf.

Die Wetterau ist Teil des Oberrheingrabens, der sich an seinem nördlichen Ende fächerförmig aufspaltet. Ihr Grundgebirge bilden Sedimente aus dem Rotliegenden, die nur bei Bohrungen angetroffen würden. Im Quartär, während der letzten Eiszeit, bildete sich ein Lössboden durch Ablagerungen eines feinen schluffigen Staubs. Seine Fruchtbarkeit habe die Landschaft am nachhaltigsten geprägt. Der Vulkanismus des Vogelsberg-Gebietes war maßgeblich für die Rhein-Main-Gegend. In den Zeiten vulkanischer Aktivität sind damals basaltische Gesteinsschmelzen an die Erdoberfläche aufgestiegen und als Lavaströme von den Eruptionszentren in die Täler, wie die Wetterau geflossen. Daneben wurde bei explosiven Ausbrüchen vulkanisches Lockermaterial (Asche, Lapilli) ausgeworfen und abgelagert. Andere vulkanische Gesteine des Vogelsberges zeigen, dass sie erst nach längeren Zwischenaufenthalten (von einigen 10 000 Jahren in Magmenkammern innerhalb der Erdkruste) an die Erdoberfläche gelangt sind.

Die starken vulkanischen Aktivitäten in Mitteleuropa stünden in Zusammenhang mit der Gebirgsbildung der Alpen. Durch die Kollision der afrikanischen mit der eurasischen Kontinentalplatte in der Erdneuzeit wurde auch das den heutigen Alpen vorgelagerte Gebiet Mitteleuropas von kräftigen Bewegungen in der Erdkruste geprägt. An den zum Teil tief reichenden Bruchlinien stiegen basaltische Schmelzen bis an die Erdoberfläche auf. Vor etwa 10 Millionen Jahren gab es die letzten Eruptionen.

Auch in Karben lassen sich derartige Spuren heute noch finden. Weil die Nidda ursprünglich einmal durch Rendel und Burg-Gräfenrode floss, bevor die Erdverschiebungen und die Auswaschungen ihr den heutigen Verlauf vorschrieben, sind auf den Hängen oberhalb Klein- und Groß-Karbens noch Muschelspuren zu finden, wie zuletzt in den Baugruben des Neubaugebietes An der Waldhohl in Groß-Karben. Hier wurden bei Erdarbeiten die unterschiedlichsten Sedimentschichten freigelegt. Vor allem die zwischen den vulkanischen Gesteinseinheiten eingeschalteten Seesedimente mit Braunkohlebildungen belegen das zeitweilige Vorhandensein von größeren und kleineren Seen auch in dieser Gegend.

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