03. Juli 2019, 19:11 Uhr

Müll, viel zu viel Müll

Wer meint, die Karbener entsorgen ihren Müll brav in die Tonnen an ihrem Haus, muss sich nur einmal die Mühe machen, durch die Stadt zu fahren. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs können ein Lied davon singen, was sich alles in den Abfalleimern und an den Containerstandorten findet.
03. Juli 2019, 19:11 Uhr

Michael Hornberg steuert den Kleinlaster den Weg durch die verlängerte Mühlgasse Richtung Feld. »Da, sehen Sie«, zeigt er geradeaus an eine Weggabelung. Dort erblickt er schon von Weitem blaue Säcke, einfach neben dem Mülleimer abgestellt. »Der Weg zum Fasanenhof ist besonders beliebt als Müllabladeplatz«, sagt er. »Heute ist das noch harmlos.« Für ihn vielleicht, als Laie wundert man sich, was sich dort so alles findet. Sogar altes Geschirr ist dabei.

Wir sind unterwegs in Groß-Karben, »das ist der Stadtteil, wo es mit dem Hausmüll am schlimmsten ist«, sagt der 60-Jährige. Als er sein Auto an den Streetballplatz hinter dem Hessenring nahe der TG-Turnhalle steuert, kann er das auch belegen. Nicht nur die Mülleimer quellen dort über, Hornberg muss auch den Greifer aus dem Auto holen um den überall herumliegenden Müll einzusammeln und in einen blauen Sack zu werfen. »Hier haben wir auch schon gewisse Säckchen gefunden«, deutet er an, dass wohl letztens Rauschgift konsumiert worden sein muss. »Und Kondome haben wir hier auch gefunden, ungebrauchte und gebrauchte«, fügt er hinzu.

Nein, aufregen will sich der 60-Jährige nicht. Seit einigen Jahren ist er beim städtischen Bauhof für die Leerung der Papierkörbe und die Reinigung der Gemarkung zuständig. »Da härtet man ab«, sagt er, als wir zur nächsten Station fahren. Im verlängerten Parkweg wird es ganz krass. Als erstes sammelt Hornberg vier Säcke mit Grüne-Punkt-Müll ein, dann leert er den ersten Eimer an einer Bank, randvoll mit Müll. Auf dem nächsten Eimer liegt ein blauer Sack, schwupp, landet der gleichfalls auf der Ladefläche des Kleinlasters. Freundlich grüßt er eine Spaziergängerin mit Hund. Sie berichtet, »dass die Leute hier sogar Fleischreste wegwerfen«. Der Hund würde das erschnüffeln. »Offenbar sind das Reste vom Grillen, und die werden einfach in die Landschaft geworfen«, empört sich die Frau. »Auch Brotreste werden hier weggeworfen«, deutet sie auf die Grünfläche zwischen den Bäumen.

50 Mal aus- und einsteigen

100 Meter weiter treffen wir einen Senior auf dem Fahrrad. Er steigt ab, als er den fleißigen Bauhofmitarbeiter den Müll einsammeln sieht. »Ich war Jahrzehnte bei der Stadt, aber früher hätte es das nicht gegeben, da war Herr Körber dauernd unterwegs. Früher haben sich die Leute das auch nicht getraut«, schimpft er. Feldschütz Körber war bekannt dafür, dass er häufig in der freien Natur nach dem Rechten schaute. Mittlerweile sind wir eine Stunde unterwegs, ein Teil der Ladefläche ist schon voller Säcke. Hornberg steuert Mülleimer für Mülleimer in der Gemarkung an, steigt aus, schließt das Teil auf, holt den fast ständig vollen Plastiksack raus und setzt einen neuen leeren rein. Dann steigt er wieder ein, fährt weiter. Gute 50-mal geht das so. »Abends weiß man, was man getan hat«, sagt er.

Der Bauhofmitarbeiter hat seine festen Touren: Montags fährt er die Stadtteile Rendel und Klein-Karben ab, dienstags einen Teil von Groß-Karben und Burg-Gräfenrode, mittwochs Okarben und Petterweil, donerstags die restlichen Teile von Petterweil und Kloppenheim. Er und sein Kollege müssen die ganze Woche über rund 350 solcher Mülleimer leeren. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Kollegen, der die 80 Containerstandorte im Stadtgebiet säubert, berichtet der kommissarische Bauhofleiter Eric Rau.

»Wir haben für die Mitarbeiter feste Routen ausgearbeitet«, sagt Rau. Die werden tagtäglich abgefahren, jede Woche aufs Neue. »Und jede Woche sind die Mülleimer wieder voll«, berichtet Hornberg. Dabei hat die Stadt Prioritäten gesetzt: Die Parkanlagen und der Bahnhof sowie deren Umfeld kommen zuerst dran. Und im Ortskern Groß-Karben ist es der Platz am Eis-Rei, dem die Stadt besondere Aufmerksamkeit schenkt, um ihn sauber zu halten. »Den fahren wir zweimal täglich an«, betont Rau.

Trotz der festen Touren kommt es vor, dass Hornberg und seine Mitarbeiter einen Sonderauftrag erhalten. Dann werden sie noch während sie unterwegs sind von der Bauhofleitung angerufen und zu einem »Sondermüllplatz« gerufen. »Am Promilleweg haben wir schon alte Fenster gefunden, oder einer hat uns gemeldet, dass alte Türen in Rendel herumliegen«, verrät Rau. »Am Trimmpfad habe ich schon ausgediente Schränke eingesammelt«, erinnert sich Hornberg. »Einmal musste ich zwei blaue Säcke mit vollen Windeln im Feld abtransportieren.« Außerdem habe man schon einmal eine fast komplette Küche aus der Landschaft geholt. Rau und Hornberg berichten, dass sie zwischen Klein-Karben und Rendel einmal zwei große Industriedrucker eingesammelt hätten. »Die mussten dort mehrere Leute hingeschafft haben, einer allein könnte solche großen Drucker gar nicht bewältigen.«

Solche Sondereinsätze kämen durch Hinweise der Bürger zustande, sagt Rau. Viele rufen beim Bauhof direkt an, wenn sie etwas entdeckt haben, was in der Landschaft herumliegt und dort nichts zu suchen hat.

Nach gut zwei Stunden kehren wir auf den Bauhof zurück. Die Ladefläche des Kleinlasters ist übervoll. »Wir haben über 70 Säcke mit Müll aufgeladen«, weiß Hornberg vom Vortrag, als er in Klein-Karben und Rendel unterwegs war. Die Zahl schätzt er heute allein für Groß-Karben. »Und nach Burg-Gräfenrode fahre ich erst noch.«

" Am Trimmpfad habe ich schon ausgediente Schränke eingesammelt "

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