19. Juni 2018, 18:22 Uhr

Mit der Kirche im Kita-Bund

19. Juni 2018, 18:22 Uhr
Für die Kinder der evangelischen Kitas, wie hier in Okarben beim Spatenstich fürs Erweitern des Spielplatzes, ändert sich mit dem Trägerwechsel nichts. (Archivfoto: dpg)

Die Stadt Karben gibt grünes Licht zum Trägerwechsel der evangelischen Kitas. Künfitg werden die Kitas zentral vom Dekanat Wetterau aus verwaltet. Das soll vor allem den Betrieb für Kinder und Eltern zuverlässiger machen. Die Karbener Linke übt massive Kritik an dem Schritt.

Zuletzt hatten sich die Probleme in Groß-Karben gezeigt: Krankenstände und Kündigungen beim Personal führten zu erheblichen Engpässen in der evangelischen Kita (diese Zeitung berichtete). Nur mit großer Mühe und massiver Unterstützung von Kita-Leiterin Mandy Schrodt konnte die Kirchengemeinde schnell Personal einstellen, damit die Kinder ordentlich betreut werden und nicht nach »Notfallplan« von heute auf morgen auf der Straße stehen.

Das Problem haben die jeweils von ihrer eigenen Gemeinde getragenen Kitas schon lange: »Falls nötig, können sie sich untereinander nicht beim Personal aushelfen, weil die Erzieherinnen unterschiedliche Arbeitgeber haben«, erklärt Heike Herrmann, Chefin des Fachbereichs Kinderbetreuung im Rathaus. Wie im Fall Groß-Karben, als das Personal in Burg-Gräfenrode überzählig war, aber zunächst nicht im Nachbarort helfen konnte.

Stadt zahlt 7000 Euro im Jahr

Das Grundproblem soll nun zum 1. Januar gelöst werden: Möglichst viele der evangelischen Kitas im Kreis sollen zusammengeführt werden, mit dem Dekanat als Träger. Die drei evangelischen Gemeinden in Karben mit Kitas in Okarben, Groß-Karben und Burg-Gräfenrode haben schon »Ja« gesagt. Nun hat auch das Stadtparlament grünes Licht für einen Vertrag mit dem Dekanat gegeben. Allerdings gab es eine deutliche Gegenstimme im Parlament: »Dass eine Religionsgemeinschaft mit der Kinderbetreuung beauftragt wird, ist ein Relikt aus dem Mittelalter«, kritisiert Linken-Stadtverordneter Uwe Maag. Die Kirche sei als Organisation »nicht geeignet dafür«.

Schon heute bekomme die Kirche viele ihrer Hauptamtlichen durch alle möglichen öffentlichen Stellen finanziert. »Jetzt wird noch eine Schippe draufgelegt«, indem die Stadt eine Stelle im Dekanat für die Organisation des Kita-Betriebs mitfinanziere, geißelt Maag. Er erntet dafür breiten Widerspruch. »Ich bin froh, dass wir eine große Trägervielfalt in Karben haben«, sagt Sabine Helwig (CDU), Vorsitzende des Sozialausschusses. »Wer sein Kind konfessionsfrei betreut haben will, kann ja eine andere Kita wählen.« Außerdem werde in den evangelischen Kitas »kein Glaube aufoktroyiert«, sagt CDU-Stadtverordneter David Gubitzer.

Die Kirche sei ein sehr wertvoller Partner für die Stadt bei der Kinderbetreuung, erklärt Bürgermeister Guido Rahn (CDU). »Es ist der einzige Träger, der überhaupt noch Geld mitbringt.« Denn 15 Prozent der Kosten ihrer Kitas trage die Kirche selbst, während sich alle anderen Träger die Kosten vollständig von Eltern und öffentlicher Hand finanzieren ließen.

Ein noch größeres Schnäppchen aus Sicht der Stadt seien die neuen hauptamtlichen Stellen im Dekanat für die Kita-Verwaltung. Denn den neuen Geschäftsführer und dessen Sekretariat zahle die Kirche sogar zu 85 Prozent und die Kommune nur zu 15 Prozent. Das macht für Karben Jahreskosten von etwas mehr als 7000 Euro.

Dazu gebe es auch keine Alternative, argumentiert Fachfrau Heike Herrmann. »Bisher hat das ja jede Kirchengemeinde selbst ehrenamtlich organisiert, aber so etwas kann man Ehrenamtlichen nicht zumuten.«

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