14. Mai 2017, 07:00 Uhr

Messe 50+

Mit »Gert« und Wünschewagen

Zu den Senioren wollen sich auch betagtere Menschen nicht gerne zählen. Was also tun, wenn man eine Seniorenmesse veranstalten, sie aber nicht so nennen will?
14. Mai 2017, 07:00 Uhr
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Von Holger Pegelow
Hilke Bender, Dieter Richardt und Hans-Joachim Prassel haben die »Messe 50+« organisiert. (Foto: Pegelow)

Man nennt die Seniorenmesse dann »Messe 50+«. Das haben sich Dieter Richardt, seine Tochter Hilke Bender, Hans-Joachim Prassel und Rolf Bender ausgedacht. Die Vier haben sich zu einer Initiativgruppe mit dem Namen »Vil-bella Vita« zusammengeschlossen und laden für 21. Mai zur ersten großen Veranstaltung ein.

»Wir wollen alle lange leben, aber nicht alt werden«, sagt Hans-Joachim Prassel, der zu den Initiatoren gehört. Die Menschen hätten nicht gelernt, perspektivisch zu denken. Kaum jemand sei darauf vorbereitet, wenn eine schwere Krankheit plötzlich auftritt oder die Menschen pflegebedürftig werden. »Da gibt es ein riesiges Informationsdefizit«, sagt Dieter Richardt, auf dessen Idee diese Initiativgründung zurückgeht.

Erleichterung im Alltag

Er selber ist seit zehn Jahren in Rente. Die Pläne, eine solche Messe zu veranstalten, reichen jedoch länger zurück. In Heidelberg absolvierte Richardt einst eine Ausbildung zur Vorbereitung auf seine Tätigkeit im Berufsförderungswerk. »Als ich in Rente ging, ist mir das wieder eingefallen.« Denn er selber habe während seiner Tätigkeit viele Informationen erhalten. Daraufhin sprach Richardt Hajo Prassel an, der sofort zusagte. Und weil Prassel zusammen mit Rolf Bender seit Jahren die Arbeitsgemeinschaft »Barrierefreiheit in Bad Vilbel« bildet, war ein weiterer Mitstreiter für die Sache gewonnen. Bender wiederum bewegte noch seine Schwiegertochter Hilke Bender zum Mitmachen. Und so ist die 45-Jährige das jüngste Mitglied in dem Quartett, das die Messe seit einem guten Jahr vorbereitet. »Da steckt viel Arbeit drin«, sagt sie denn auch.

Immerhin mussten viele Organisationen angeschrieben werden, die die verschiedensten Bereiche abdecken. »Wir haben fast 100 Prozent Zusagen erhalten«, sagen die Vier nicht ohne Stolz. Mittlerweile wollen 40 verschiedene Anbieter sich und ihre Arbeit präsentieren. »Wir wollen Hilfsmittel zeigen, die es Personen ermöglichen, mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung Erleichterung im Alltag zu finden und möglichst lange in der eigenen häuslichen Umgebung zu bleiben«, sagt Richardt.

Mit von der Partie sind kommerzielle und nicht kommerzielle Organisationen. Unter anderem das Gesundheitszentrum Wetterau, der Pflegestützpunkt Büdingen, Netzwerk Körper, Hassia, Neusehland, die Sparkasse Oberhessen, der Wetterauer Sicherheitsberater für Senioren, der Arbeiter-Samariter-Bund Karben, die Seniorenresidenz AGO, der Caritasverband Gießen und diverse Selbsthilfegruppen, wie die von Schlafapnoe-Geschädigten oder Demenzkranken.

Barrierefreies Wohnungsmodell

Präsentiert wird ebenso ein großes Wohnungsmodell, Standard auf der einen Seite, barrierefrei auf der anderen. Der ASB Karben macht bei dieser »Messe 50+« gleichfalls mit. Er bringt einen »Wünschewagen« mit. Hier können schwerstkranke Menschen einen Herzenswunsch äußern, der ihnen dann erfüllt wird. Richardt nennt gegenüber der WZ etwa eine Reise an die Nordsee. »Wer nochmal die Nordsee sehen möchte, kann das hier äußern.« Passend dazu startet die Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel eine Spendenaktion, damit die Fahrten bezahlt werden können. Außerdem wird vor dem Forum ein Parcours aufgebaut, der verschiedene Szenarien simuliert, die ein mobilitätseingeschränkter Mensch zu meistern hat.

»Vielleicht meinen Sie, Sie sind noch fit, Sie brauchen diese Informationen nicht«, sagt Richardt rhetorisch. »Aber ist es nicht sinnvoll, Kenntnisse und Informationen zu haben, auf die man zurückgreifen kann, wenn man in unverhoffte Situationen gerät oder sogar Betroffenen unterstützend zur Seite stehen kann?«.



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