28. August 2019, 14:00 Uhr

Mieterhöhung

Mieterhöhung in Bad Vilbel: Ist das noch sozial?

Um 15 Prozent erhöht die Genossenschaft Bauen und Wohnen in den kommenden Wochen einige Mieten. Rechtlich ist das kein Problem - umso enttäuschter sind die Mieter.
28. August 2019, 14:00 Uhr
N. Kabisch

Das hin und wieder mal die Mieten etwas erhöht werden, ist nichts, was Mieter schockiert. Doch was in dem Brief stand, den Susanne Senger-Kühn Ende Juni in ihrem Briefkasten vorfand, sorgte für große Wut bei der GBW-Mieterin. Um satte 15 Prozent soll die Miete ihrer kleinen Wohnung in der Friedrich-Ebert-Straße zum 1. September erhöht werden.

Senger-Kühn informierte sich, und schnell wich die Wut der Enttäuschung. Rechtlich ist die geplante Mietpreiserhöhung auch in der Höhe in Ordnung - auch alle Fristen hat die GBW eingehalten. Die Mieter werden sich wohl fügen müssen.

»Das ist mit meiner Rente nicht mehr zu schaffen«, klagt die toughe Seniorin. Von 6,84 Euro auf 7,87 Euro pro Quadratmeter werde ihre Miete nun steigen. Und sie befürchtet noch mehr: »Die GBW will mit Sicherheit irgendwann bei den 10 Euro pro Quadratmeter ankommen.« Für Senger-Kühn ist das ein Skandal. In einem Brief an die Genossenschaft und deren Aufsichtsratschef, Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU), macht sie ihrer Enttäuschung Luft: »Diese Erhöhung ist sozial zutiefst ungerecht und widerspricht der Satzung der GBW.«

10 Euro pro Quadratmeter

»Es gehört sich nicht, auf denen rumzuhacken, die es wirklich gut meinen«, entgegnet GBW-Vorsitzende Nancy Kabisch angefressen. »Man muss auch sehen, was wir in den vergangenen Jahren theoretisch hätten erhöhen können.« Alle 18 Monate wäre eine Mieterhöhung möglich gewesen, seit drei Jahren sei die Miete in den GBW-Häusern jedoch gleich geblieben. Dass es nun zu einem größeren Sprung kommt, sei da wahrlich kein Skandal, die GBW meine es mit ihren Mietern also wirklich gut.

Dass die 10 Euro pro Quadratmeter das Ziel sind, daraus machen Kabisch und ihre zuständige Kollegin Maria Fast keinen Hehl. Bei Mieten auf dem freien Markt, die sich längst bei 14 Euro bewegten, entsprächen selbst die 10 Euro sehr wohl dem sozialen Gedanken der Genossenschaft. Doch die beiden machen auch ein Versprechen: »Bei 10 Euro ist Schluss.« Immerhin sollten die Wohnungen für normale Bürger bezahlbar bleiben: »Höhere Preise wollen wir nicht. Wir wollen keine Preistreiber sein.«

Nancy Kabisch würde sich natürlich mehr sozialen Wohnungsbau wünschen, doch mit Blick auf die derzeit üblichen Grundstückspreise in Bad Vilbel wird sie desillusioniert. Dass der Wohnungsmarkt angespannt ist, ist offensichtlich, umso zufriedener könnten die GBW-Mieter also sein: »Wir sind kein gewinnorientiertes Unternehmen. Was wir erwirtschaften, stecken wir wieder in unsere Häuser«, erklärt Kabisch. Susanne Senger-Kühn kann sich da nur wundern: »Hier wurde in den drei Jahren seit der letzten Mieterhöhung nichts gemacht, und jetzt soll schon die nächste Erhöhung kommen?«, fragt sie aufgebracht.

Wut und Resignation

In ihrem Brief an Bürgermeister und Genossenschaft zählt sie zahlreiche Mängel auf: das Heizsystem verpulvere jede Menge Energie und Geld, die Wiesen und Rosenhecken seien ungepflegt und sie habe mit einem nicht funktionierendem Duschabfluss zu kämpfen. »Ich finde das eine Frechheit«, empört sich Kapisch, »das Haus ist in einem Zustand, in dem wir nicht handeln müssen.« Erst in zwei bis drei Jahren stünden einige Arbeiten auf der Agenda, ansonsten sei es »ein ganz normales Haus«, in dem sich ohne Probleme und gut leben ließe.

Einige Parteien in der Friedrich-Ebert-Straße sehen nun jedoch Probleme auf sich zukommen: »Hier sind alle empört, viele sind resigniert«, erklärt Bewohnerin Senger-Kühn. Eine Erhöhung von fünf Prozent hätten sie akzeptiert, aber 15 Prozent? »Selbst die Rentenerhöhung fängt das nicht auf«, beklagt die 75-Jährige.

Und die Situation ist zugespitzt. Wenn eine Wohnung der Genossenschaft zu teuer ist, gibt es eigentlich keine Alternative. »Auf dem freien Markt würde ich nichts Bezahlbares finden«, berichtet die Seniorin. »Rechtlich können wir nichts machen. Wir können uns bloß empören.«

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