29. Juli 2019, 20:23 Uhr

Mehr Platz für neue Lagerprofis

Rund eine Million Euro investiert das Berufsbildungswerk Südhessen (bbw) in den Bau einer neuen Ausbildungshalle für Lagerlogistik. Es ist eine Investition in die Zukunft, denn der Beruf ist gefragt. Und für Azubis eröffnen sich auf fast 1000 Quadratmetern völlig neue Perspektiven.
29. Juli 2019, 20:23 Uhr
Baustellenbesichtigung: Azubi-Neuling Fabian Ludwig (von links), bbw-Bereichsleiterin Annette Koch, Azubi Jonas Stilger und Ausbilder Andre Heidler stehen dort, wo bald ihre Ausbildung stattfinden wird. Foto: Jana Kötter

Wenn sich das Berufsbildungswerk Südhessen (bbw) etwa auf Messebesuch vorbereitet, haben Jonas Stilger und seine Kollegen allerhand zu tun. »In Absprache mit meinem Ausbilder suche ich dann je nach Auftrag die passenden Materialien zusammen«, erzählt der Auszubildende im zweiten Lehrjahr. Mit Stapler und Co werden Prospekte, Flyer, Broschüren, aber auch größeres Messe-Equipment aus den Regalen geholt und auftragsspezifisch konfektioniert.

Jonas Stilger ist einer von 45 angehenden Fachlageristen des bbw. Dabei fiebern er und seine Kollegen einer völlig neuen Perspektive für ihre Ausbildung entgegen: Ab dem kommenden Lehrjahr können die Azubis nicht mehr »nur« interne Aufträge abwickeln, sondern auch externe Kunden bedienen.

Möglich macht das die neue Ausbildungshalle, die das bbw auf seinem Grundstück baut. Die Arbeiten sind in vollem Gange: Noch vor wenigen Tagen hat das Dach gefehlt, mittlerweile nehmen die Stahlträger, die neben der B3 emporragen, aber deutliche Formen an. Es ist schon klar zu erkennen, wie die Ausbildungsflächen bald mit Leben gefüllt werden. Der Einzug ist für Ende Oktober geplant.

»Wir werden in der Halle noch professioneller ausbilden können als bisher«, sagt bbw-Bereichsleiterin Annette Koch. Darauf ist sie stolz.

Erstmals externe Kunden

Seitdem das bbw den Ausbildungsgang 2014 gestartet hat, lernen die angehenden Lagerprofis in angemieteten Räumen in der Robert-Bosch-Straße. Das war bislang zweckmäßig - vor allem in einer bestehenden Kooperation mit dem Unternehmen Satis&Fy, die den Azubis verschiedene Lernorte ermöglicht hat. Doch der Neubau eröffnet völlig neue Perspektiven: Mit knapp 1000 Quadratmetern ist er doppelt so groß, ein eigens dafür vorgesehener Ruheraum verbessert die Alltagsbedingungen für Azubis mit Störungen aus dem Autismus-Spektrum oder psychischen Problemen.

200 Quadratmeter sind als Übungsflächen für Stapler und »Ameisen«-Hochhubwagen vorgesehen. Durch die moderne Laderampe können erstmals auch externe Lastwagen künftig bis an das Lager heranfahren. »Jetzt können wir endlich auch externe Kunden bedienen«, erklärt Ausbilder Andre Heidler. Dabei wird das Lager anhand eines modernen Scannersystems auch digitalisiert. »So können wir jederzeit sehen, wie groß der Bestand ist und welche Ware wo liegt.«

»Der Bedarf an Lagerfläche im Rhein-Main-Gebiet ist groß«, weiß Bereichsleiterin Koch. Denkbar wäre die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die Bedarf an Lagerfläche haben. Ein Beispiel: kleine und mittelstandige Online-Shops ohne eigenes Lager.

»Für uns ist wichtig, dass es sich dabei nicht um liegende Ware handelt, also Ware, die einmal eingelagert und dann nicht mehr bewegt wird«, erklärt Koch. »Für die Ausbildung ist wichtig, dass sich die Ware ›dreht‹, wir also regelmäßig ein- und auslagern müssen.« Dass sich dafür ein passender Partner finde, daran hat er keinen Zweifel. Erste Gespräche liefen bereits.

Das bbw macht sich damit fit für die Zukunft- mit einer Investition von rund einer Million Euro, finanziert aus Eigenmitteln und einer Förderung der Fidelity International Foundation. Das zahlt sich langfristig aus, sind sich alle Beteiligten mit Blick auf den Logistikmarkt sicher. Ein kleiner Pluspunkt: Andere bbw-Bereiche werden entlastet, etwa indem die dann auf dem Grundstück angesiedelten Lagerkräfte den Paketempfang übernehmen und diese intern verteilen. Viel bedeutender ist jedoch das Plus mit Blick auf die Zukunftsperspektive des Jobs: Die Vermittlungsquoten in den Arbeitsmarkt sind hoch, zeigen die ersten Erfahrungen aus den abgeschlossenen Jahrgängen. Gleichzeitig wächst sowohl der Bedarf an Lagerprofis als auch die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen.

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