07. Mai 2019, 20:18 Uhr

Manege frei für die große Show

07. Mai 2019, 20:18 Uhr
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Von Alexander Gottschalk
Timmy Barelli schaut, dass beim Zeltaufbau an alles gedacht wird. (Foto: rin)

»Wenn es so weitergeht, gibt es in zehn Jahren keine mehr«, raunt Francesco Barelli. Der 62-Jährige ist Seniorchef beim »Circus Gebrüder Barelli«, seine Familie führt das Unternehmen inzwischen in sechster Generation. Der Zirkus gilt als einer der größten des Landes. Seinen Hauptsitz hat er in Pirmasens. Von März bis November reist er jedoch durchgängig umher. Gerade kommt der Tross aus 70 Wagen mit Tiertransportern, Wohnmobilen und Lastwagen aus Büdingen. Nun mache er halt in Bad-Vilbel-Dortelweil, auf einer Grünfläche des Porta-Parkplatzes. Eine Chance, für die Barelli dem Möbelhaus sehr dankbar ist. Denn: »Es wird immer schwieriger, noch einen Platz zu bekommen.«

Viele Zirkusse kämpfen ums Überleben. Der Manegenzauber lockt immer weniger Schaulustige, die Kosten steigen. Pro Tag 6000 Euro braucht es laut Barelli, um seinen Zirkus am Laufen zu halten. Die Vorstellungen sind also zum Erfolg verdammt.

Schwer wiegt vor allem, dass Zirkusse vielerorts keinen guten Ruf mehr haben. Das fahrende Volk wird nur selten mit Euphorie begrüßt, Tierschützer stellen Dompteure öffentlich an den Pranger. »Schwarze Schafe gibt es überall«, sagt Barelli. Mit der Tierhaltung gebe es in seinem Zirkus keine Probleme. Er beteuert: »Das Veterinäramt gibt uns immer die Note Eins. Außerdem haben wir sowieso keine Wildtiere.« Die Pressestelle des Wetteraukreises teilt auf Anfrage mit: Der Zirkus Barelli sei dem Fachbereich nicht bekannt. Die Verantwortlichen hätten sich demnach längst beim Amt melden müssen, weil sie Anfang Mai in Büdingen-Düdelsheim, also im Kreisgebiet, gastiert hätten. Das Veterinäramt werde Mitarbeiter nach Dortelweil schicken, die überprüfen sollen, ob die Tiere sachgerecht untergebracht und versorgt sind. Ein Ergebnis stand zum Redaktionsschluss noch aus.

30 Pferde, sechs Kamele und zwei Kühe gehören bei Barellis zu den Stars des Programms. Dompteur Franz Barelli zeigt Dressuren mit den Trampeltieren und den Araber-Hengsten, Artistin Salima Sidney reitet durch die Manege. Die Tiere sind laut Seniorchef Barelli jedoch nur ein kleiner Part des zweistündigen Zirkusspektakels. Besonders stolz ist er auf die preisgekrönte Akrobatengruppe »Kenya Boys«. Auch der Tanz auf dem Seil und Clowns-Comedy dürfen unter dem Dach des großen Vier-Mast-Zeltes nicht fehlen. Morgen feiert die Zirkusshow Premiere. Francesco Barelli: »Das Interesse ist groß. Wir merken, dass schon lange kein Zirkus mehr in der Stadt war.«



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