12. Juli 2019, 20:38 Uhr

Mahnung an die jetzige Generation

Neue Skulpturen bereichern die Karbener Kunstlandschaft. Rüdiger Kaffenberger hat sie geschaffen und sie an einen gut sichtbarem Ort im Stadtgebiet aufgestellt. Und das gleich aus mehreren Gründen.
12. Juli 2019, 20:38 Uhr
Künstler Rüdiger Kaffenberger an seinem neuesten Werk: Damit mahnt er die jetzige Generation, den Kindern und Enkeln eine bessere Umwelt zu übergeben. (Foto: pe)

Autofahrern mögen die beiden Skulpturen in der Nähe des City-Kreisels noch gar nicht aufgefallen sein, schließlich müssen sie in dem viel befahrenen Kreisverkehr gut aufpassen. Aber wer etwa von den Wohngebieten Groß-Karbens zum Bahnhof läuft oder im City-Center arbeitet, dem sind sie mit Sicherheit aufgefallen. Eines schönen Tages standen sie da, und nur wenige Eingeweihte wussten, was es damit auf sich hat.

Denn eine offizielle Eröffnung fand nie statt. Dabei hätte es sich durchaus gelohnt, öffentlich den Anspruch darzustellen, der sich hinter den beiden Figuren verbirgt, die zu einem Kunstwerk verbunden worden sind. Und der ist von großer Aktualität.

Aber der Reihe nach: Der Karbener Künstler Rüdiger Kaffenberger hatte im vergangenen Jahr eine Idee. Er wollte die Verantwortung der aktuellen Generationen für die nachfolgenden Generationen in Sachen Umweltschutz darstellen. Dazu hat er diese Gedanken niedergeschrieben: »Die Erde durchläuft eine wahre chaotische Zeit. Umweltzerstörung auf der ganzen Linie. Abholzung der Regenwälder zur Rinderzucht in Südamerika. Im Osten das gleiche zur Palmölgewinnung. In Deutschland Abholzung für den Braunkohleabbau. Alles, aber auch alles, wird dem Profit untergeordnet. Krieg, wohin man schaut, Menschen als Spielball der Macht.« Diese Gedanken habe er künstlerisch umsetzen wollen. Er ging damit zum Magistrat und stieß auf offene Türen.

In geschätzten 200 Arbeitsstunden entstanden in seinem Atelier in Groß-Karben zwei Figuren, eine größere und eine kleinere. Die größere stehe für die aktuelle Generation, die kleinere für die Kinder und die Enkel. Das dritte Teil ist ein blauer Ball, er symbolisiert die Erde, den blauen Planeten. Aber auch den Spielball der Macht.

200 Kilo schwer

Für die beiden Figuren schuf Kaffenberger ein Gestell aus Eisen, die Hülle besteht quasi aus Zement, Beton, Kunststoff und Glasfaser. »Ich habe auch druckfestes Styrodur verwendet«, informiert der Künstler. Dieses Material nehme im Gegensatz zu Styropor kein Wasser auf. Mit Glasfaser und Gewebe habe er dann die beiden Figuren modelliert. Das Gesicht der großen Skulptur hat eine Schicht aus Sand. »Den habe ich aus Dänemark mitgebracht.« Auf den Sand habe er dann noch Glitzer aufgeblasen.

Das Gewicht der großen Figur schätzt der Künstler auf rund 200 Kilo, das der kleinen auf 50 Kilo. Solche Figuren an ihren ausgewählten Standort zu transportieren, bedurfte schon Hilfe. Die hat Kaffenberger vom Bauhof der Stadt erhalten. Deren Mitarbeiter hätten einen Sockel gegossen und die beiden Figuren an den Platz gefahren, wo er sie montiert habe. Übrigens wurde der Standort mit Bedacht ausgewählt. Wie Bürgermeister Guido Rahn mitteilt, zeige sich immer wieder, dass solche Figuren an »versteckten« Plätzen dem Vandalismus ausgesetzt seien.

Daher habe man jetzt die Idee gehabt, diese Skulptur an einer belebteren Strecke aufzustellen. Sprich: Damit sollte sozusagen eine soziale Kontrolle gegeben sein. Doch der Künstler hat bei dem Vor-Ort-Termin mit dem Redakteur feststellen müssen, dass dies nicht viel geholfen hat. Der Arm der kleineren Figur ist zerstört worden. Ganz nahe an der Stelle fand sich eine zerbrochene Wodka-Flasche. »Da haben einige alkoholisiert ihrem Übermut wieder freien Lauf gelassen.« Der Aufwand, das wieder herzustellen, sei erheblich, sagt Kaffenberger vor Ort. Er hat den Schaden zunächst fotografiert und will nun mit der Stadt sprechen.

Denn der Künstler hat das Kunstwerk am City-Kreisel der Stadt geschenkt. Die Situation, dass seine Kunstwerke beschädigt oder beschmiert werden, ist für ihn nicht neu. Er hatte schon 2015 den Platz an der Treppe am Aufgang zur Klein-Karbener St.-Michaelis-Kirche künstlerisch gestaltet. Auch dort schlugen Vandalen zu.

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