26. Juni 2018, 14:00 Uhr

In Petterweil

Luther-Linde als Skulptur geplant

Der alten Luther-Linde in Petterweil, die aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, wird ein Denkmal gesetzt. Just an deren Standort am Ortseingang soll eine stählerne Erinnerung errichtet werden.
26. Juni 2018, 14:00 Uhr
Die von Hessen Mobil beauftragten Arbeiter zerlegen die Luther-Linde von Petterweil, die in der Mitte nur noch mit Eisenstäben zusammengehalten wurde. An sie sollen demnächst eine Skulptur aus Cortenstahl und eine Info-Tafel erinnern. (Fotos: pv/Archiv)

Die Überraschung war allenthalben ebenso groß wie die Empörung: Im März ließ die Landesstraßenbehörde Hessen Mobil die jahrhundertealte Luther-Linde am Ortseingang von Petterweil fällen. Zu wenig standsicher war das alte Teil geworden, dessen Stamm viele Jahre ohnehin nur noch durch metallene Stützen gehalten worden war.

Baumexperten schätzten das Alter der Linde auf 450 bis 600 Jahre. Da der Baum dicht an der Landesstraße 3352 stand, war Hessen Mobil zuständig. Von dort hieß es, man habe den Baum zwar in regelmäßigen Abständen gepflegt. Aber im März habe ein Baumgutachter festgestellt, die Schäden seien so groß, dass »akuter Handlungsbedarf« bestehe. Am 8. März rückten dann Arbeiter an und zerlegten den Baum Stück für Stück, bis auf den Stumpf, der jetzt noch steht und mittlerweile von Grün überwuchert ist.

 

Ortsbildprägend

 

Als Naturdenkmal war der Baum zwar nicht eingetragen, aber für die Petterweiler Ortseinfahrt hatte er doch einen stark ortsbildprägenden Charakter. Deswegen war zunächst die Empörung groß. Mittlerweile hat man sich in Petterweil aber mit den Notwendigkeiten abgefunden und blickt nach vorne.

 

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So sieht die Skizze für die Skulptur aus.

Das tat auch der Magistrat, wie Erster Stadtrat Friedrich Schwaab sagte. »Wir wollen den Bereich dort pflegeleicht machen«, lautete das Ziel. In der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats präsentierte er einen Entwurf der Karbener Künstlerin Cynthia Nebel. Sie hat eine rund 1,50 bis zwei Meter hohe Skulptur entworfen, die aus Cortenstahl gefertigt werden soll. Der jetzige Baumstumpf soll bis auf den Boden verkürzt und versiegelt werden. Darauf soll dann die Skulptur errichtet werden. In diese Baumskulptur sollen die Jahreszahlen 1675 bis 2018 hineingefräst werden.

Wie Ortsvorsteher Adolf Koch sagte, sei die Luther-Linde ein Symbol für Petterweil. »Deswegen wollen wir dort auch etwas Symbolträchtiges hinsetzen.« Man könne es zwar nicht allen recht machen, sagte Koch weiter, »aber wir im Ortsbeirat sind uns zu 99 Prozent einig«. Zudem hat der Ortsbeirat die Idee, in der Nähe noch eine Informationstafel anbringen zu lassen, auf der in Kurzform die Geschichte der Luther-Linde steht.

 

Baumscheibe wird versiegelt

 

Offenbar können auch die Petterweiler damit leben. Zumindest die 30, die in der Ortsbeiratssitzung waren, zeigten sich einverstanden mit dieser Idee. Ein Bürger schlug noch vor, diese Informationstafel mit einem QR-Code zu versehen, den man mit dem Smartphone scannen könne. Dann würde man weitere Informationen erhalten. Als sinnvoll und gut wurde auch der Vorschlag befunden, die Baumskulptur »von unten dezent anzustrahlen«.

So wurde am Ende dann einstimmig ein ergänzter Antrag der SPD verabschiedet. Darin heißt es, der Ortsbeirat bitte den Magistrat, mit Hessen Mobil Kontakt aufzunehmen, damit der Baumstumpf bodennah abgefräst und versiegelt werde. Anschließend wolle man darauf die Skulptur errichten. Dieser für manche umständlich scheinende Weg hat aber seinen Grund: Die Landesstraßenbehörde hat hier das Sagen. Von ihr hängt es ab, ob Stadt und Ortsbeirat den Plan für ein Luther-Linden-Denkmal umsetzen können.

 

Keine weitere Linde

Ersatzbaum an anderer Stelle

Für die Petterweiler gibt es außer der neuen Skulptur auch eine Ersatzpflanzung. An anderer Stelle soll ein »Ersatzbaum« gepflanzt werden. Das hat der Ortsbeirat angeregt. Der Standort soll nach Angaben von SPD-Ortsbeirat Ralf Schreyer im Bereich Steingasse/Alte Haingasse 26 sein. »Dort existiert noch ein altes Baumgitter von einem anderen Baum, der da früher mal gestanden hat«, sagte er in der Ortsbeiratssitzung. Ortsvorsteher Adolf Koch kündigte an: »Es wird aber keine Linde sein.« Die werfen zu viel Laub ab, worüber sich die Anwohner ärgern. Übrigens gab es im ehemaligen Petterweil gleich zwei große Lindenbäume. Eine soll schon kurz nach der Durchreise Luthers zu seinen Ehren gepflanzt worden sein. Angeblich hat diese erste Linde zwar den Dreißigjährigen Krieg nicht überlebt, doch war den Petterweilern ihre Luther-Linde so wichtig, dass später ein neuer Baum gepflanzt wurde. (pe)

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