01. Oktober 2018, 20:41 Uhr

Liegestühle und besonderer »Duft«

01. Oktober 2018, 20:41 Uhr
Auf den Stelen des Ludwigbrunnens ist die Zusammensetzung des Wassers abzulesen. Auch sonst hat sich der Platz verändert. (Foto: jsl)

Der Ludwigsbrunnen zwischen Groß-Karben und Burg-Gräfenrode ist ein markanter Punkt in der Gemarkung und zugleich ein Stück Kultur. Vermutlich kannten schon die Römer die Lage seiner Quelle. Im Jahr 1411 wurde der Brunnen als »Sureburne« erstmals urkundlich erwähnt, 1428 nannte man ihn in einer anderen Urkunde »Kärber Sauerborn«. Seinen heutigen Namen erhielt er von Großherzog Ludwig I.

Das Brunnen-Areal liegt linkerhand des Radweges nach Burg-Gräfenrode, einige Hundert Meter vom Groß-Kärber Ortseingang entfernt. Viele Radfahrer und Spaziergänger besuchen den Wegpunkt in der Landschaft. Menschen mit körperlichen Leiden schwören auf die Heilkraft des eisenfreien Säuerlings, der dort aus der Tiefe zutage tritt. Andere trinken das Brunnenwasser, um Krankheiten vorzubeugen. Der Geschmack ist gewöhnungsbedürftig. Schon von weitem nimmt man den eigenartigen Geruch wahr.

Nach faulen Eiern riecht es am Ludwigsbrunnen immer noch. Davon abgesehen hat sich jetzt fast alles verändert. Im Sommer hat die Stadt Karben dem Wahrzeichen eine Frischzellenkur spendiert. Vom 11. bis 28. Juni, in noch nicht einmal drei Wochen, wurde der gesamte Platz neu angelegt. Die Planungen zur Verschönerung waren schon Ende 2016 unter der Federführung von Landschaftarchitektin Cynthia Nebel herangereift. Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Gartenbaufirma Schmidt aus Rosbach. Tiefbauamtsingenieur Michael Soborka von der Stadt Karben beziffert die Gesamtkosten auf rund 60 000 Euro.

Besonders der Vorplatz zum Brunnen hat ein völlig anderes Aussehen bekommen. Verschwunden sind Kieselsteine, Erde und die Reste von wassergebundenen Flächen. Dafür gibt es jetzt einen Pflastersteinboden sowie mehrere mit heimischen Blumen und Gräsern bepflanzte Grünbögen, die bis 2020 von Bäumen beschattet werden sollen. Die eigentliche Quelle wurde bis auf den neuen, wasserfarbenen Anstrich des Brunnenaufbaus nicht verändert. Liegestühle sollen dem idyllisch gelegenen Platz einen Hauch von Urlaubsstimmung verleihen.

Ein Ort zum Relaxen

»Die Idee war, den Brunnen in die Moderne zu transportieren«, erklärt Nebel. »Die Leute sollen nicht nur zum Wasserholen hierher kommen, sondern auch, weil es ein schöner Ort zum Relaxen ist. Die Nähe zum angrenzenden Naturschutzgebiet ist ideal dafür.«

Die an eine »Wasserorgel« erinnernde Brunnenkonstruktion ist jetzt auch ein Informationsträger: Auf den Stelen werden die Inhaltsstoffe des Brunnenwassers (Hydrogencarbonat, Kohlenstoffdioxid, Calcium, Magnesium, Sulfat, Fluorid und Eisen) angezeigt und zwar, je nach Menge, von der größten zur kleinsten Stele hin abnehmend. Die genaue Zusammensetzung kann man sich auf der Homepage der Stadt anschauen.

Vor 47 Jahren war der Ludwigsbrunnen von dem Architektenehepaar Ruth und Klaus Langhammer in seiner noch heute bestehenden Optik errichtet worden. Beide kamen am Samstag zur feierlichen Einweihung und hatten ihren Originalplan mitgebracht. »Die Stelen haben wir damals konstruiert, um den Brunnen weithin sichtbar zu machen«, erinnert sich Klaus Langhammer. »Damals war das hier eine Wüstenei mit Ruinen. Mit der Stadt zusammen haben wir alles neu gemacht.« Die Ruinen waren die Reste des Freiherrlich von Leonhardischen Versuchs, im 19. Jahrhundert dort einen kommerziellen Abfüllbetrieb zu gründen. Das Unternehmen scheiterte seinerzeit an der unzureichenden Menge des Abfüllwassers. Überwuchert von Bäumen und Sträuchern sind heute teilweise noch ein paar Mauerreste im Boden zu erkennen.

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