05. Dezember 2018, 20:02 Uhr

Liebe, Frieden und leere Stühle

05. Dezember 2018, 20:02 Uhr
Der Karbener Imam Abdul Hannan Sheikh erklärt einer Besucherin die Koranverse.

Der Islam steht immer wieder im Mittelpunkt von Diskussionen: Zu Unrecht, wie die Karbener Ahmadiyya Gemeinde bei einem Diskussionsabend im Bürgerzentrum deutlich machen will. So zeigen die Gemeindemitglieder nachvollziehbar ihren Integrationswillen, doch leider ungeachtet der Öffentlichkeit, denn die Karbener scheinen kaum Interesse an dieser Begegnung zu haben.

Liebe statt Hass, Freiheit, Toleranz, Verständnis und Frieden sind die Schlüsselbegriffe einer in diesen Tagen anhebenden Initiative der muslimischen Religionsgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Bundesrepublik. Ziel ist es, den Islam ins rechte Licht zu rücken.

In den Zeiten hässlicher Bilder, die durch Terror und Fanatismus in seinem Namen entstanden sind, will die Religionsgemeinschaft in zahlreichen Veranstaltungen, verteilt übers ganze Bundesgebiet, die Bevölkerung über die Heimatliebe der Moslems zu Deutschland und ihre Loyalität zu eben diesem Land aufklären. Es ist die Minderheit der Muslime, die für die Terror-Attacken verantwortlich ist, denn Heimatliebe und Loyalität gegenüber dem Land sind Teil des islamischen Glaubens, wie der Vorsitzende der Karbener Ahmadiyya Gemeinde, Atif Shahzad Virk, zu Beginn betont. Gastredner ist Imam Zeshan Ahmed Bajwa Naeem aus Rodgau, der anhand authentischer Quellen aus dem Koran nachweist, dass der Islam für die Barmherzigkeit in der Gesellschaft stehe und er jede Gewalt ablehne.

Keine politische Macht

Sehr strukturiert geht der Iman auf einzelne Punkte wie »Liebe zur Heimat«, »Islam und Demokratie« oder »Religion und Staat« ein und zitiert zu allen Bereichen immer wieder passende Koranverse oder Aussagen des geistigen Oberhaupts der Ahmaddis, dem Kalifen Hadhrat Mirza Masroor Ahmadaba.

Loyalität sei einer der wichtigsten Regeln des friedlichen Zusammenlebens, auch wenn die eigene leidvolle Erfahrung der Ahmadis gezeigt habe, dass ihre Auslegung des Islam als einer sanftmütigen Religion nicht vor Verfolgung schützt. Ihre Angehörigen stammen vorwiegend aus dem (heute) islamisch-orthodoxen Pakistan, wo sie wegen ihres Glaubens seit der Staatsgründung 1947 verfolgt werden. Als Opfer sind auch sie Zeugnis jenes religiösen Fanatismus, gegen den sie sich nun mit dieser bundesweiten Kampagne wenden. In Deutschland gehört sie mit über 45 000 organisierten Mitgliedern und ihren mehr als 50 Moscheen zu den größeren der islamischen Organisationen.

Der Koran fordere, wie der Imam in seinem Vortrag belegt, das friedliche Zusammenleben aller Menschen. An keiner Stelle in dem heiligen Buch würde zwischen Moslems und Nicht-Moslems unterschieden, sondern in den Versen werden stets alle Menschen einbezogen und zu einem friedlichen Miteinander aufgefordert. Deshalb heißt auch eine Regel, sich stets in Rechtschaffenheit gegenseitig zu helfen. Der Iman wendet sich sodann dem Grundsatz von Trennung von Staat und Religion zu. Nach seinen Auslegungen schreibt der Islam keine Staatsform vor. Da die Demokratie auf dem Prinzip der allseitigen Gerechtigkeit aufbaue, befürworte der Islam diese Staatsform.

Zeshan Naeem betont jedoch ausdrücklich, dass der Islam eine Glaubensgemeinschaft und keine politische Macht sei. Vielmehr toleriere der Islam auch andere Religionen. Jeder solle frei über seinen Glauben entscheiden können und ihm frei nachgehen dürfen.

Am Ende seines Vortrages geht der Imam dann noch auf die Integration der vielen Muslime in Deutschland ein. »Wer gesetzestreu ist, der Nation dient, alle ihm auferlegten Pflichten erfüllt und seinen Nachbarn respektiert, der ist in Deutschland angekommen und hat sich integriert«, so der Imam. Abschließend gibt es noch einen Imbiss und Gelegenheit zu Gesprächen. Die Größe des Buffets zeigt, dass man seitens der Karbener Ahmadiyya Gemeinde an diesem Abend mit deutlich mehr als den nur fünf Gästen gerechnet hat.

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