19. Juni 2019, 08:00 Uhr

Baustellen

Kontrollen mit Knöllchen

Die Warnung ist gleich zu Beginn der Bürgerversammlung in Rendel gekommen: Die Karbener Stadtpolizei will diejenigen, die Umleitungen oder Einfahrtsverbote missachten, zur Kasse bitten.
19. Juni 2019, 08:00 Uhr
Ein seltenes Bild in Karben: Die Stadtpolizei kontrolliert Lieferwagen, die in für sie gesperrte Straßenabschnitte einfahren. Bürgermeister und Stadtpolizei kündigen verstärkte Kontrollen an, bei denen die Uneinsichtigen zur Kasse gebeten werden sollen. (Archivfoto: Pegelow)

Kürzlich hat diese Zeitung in einer Kolumne die »ignoranten Autofahrer« angeprangert und mehr Polizeipräsenz gefordert. Anlass: Etliche Autolenker missachten die Einfahrtsverbote in manche Straßen oder gar in den Baustellenbereich.

Das Thema ist nicht neu. Seit rund einem Jahr wird die Landesstraße 3205 saniert, das ist quasi die Hauptstraße für Klein-Karben und Rendel. Momentan ist der Abschnitt bei der Gehspitze für Pkw und Lkw tabu. Der überörtliche Verkehr wird um Karben herumgeleitet, der innerörtliche Verkehr durch die angrenzenden Wohngebiete. »Wir waren da heute mal unterwegs und haben jede Menge Übertretungen registriert«, sagte Bürgermeister Guido Rahn (CDU) zu Beginn einer Anwohnerversammlung in Rendel.

Denn dort wird seit Beginn dieser Woche gleichfalls gebuddelt, ebenfalls wie in Rendeler- und Homburger Straße abschnittsweise unter Vollsperrung. Und weil es so viele Verstöße in Klein-Karben gegeben hat, will die Stadtpolizei nun in Rendel scharf durchgreifen.

Das Stadtoberhaupt warnte die Autofahrer davor, die Sperrschilder zu missachten. »Wer in einen gesperrten Straßenabschnitt einfährt, muss zahlen.« Stadtpolizist Jörg Witzenberger ist dafür zuständig, dass die Autofahrer zur Vernunft gebracht werden sollen. Er ist seit Monaten mit den Umleitungen durch die Großbaustellen befasst. »Wir haben in Zusammenarbeit mit den Vertretern von Hessen Mobil die jeweiligen Umleitungen und auch die Beschilderungen besprochen.«

Der Stadtpolizist prangert die Undiszipliniertheit sehr vieler Fahrer an. »Die Autofahrer suchen immer eine Lücke, um irgendwie durchzuschlüpfen.« Das Verbot der Einfahrt werde häufig missachtet. Vor einigen Monaten, im Zusammenhang mit den Sperrungen in Groß- und Klein-Karben, hatte die Stadtpolizei bereits die häufige Missachtung der Umleitungsbeschilderung moniert.

Der überörtliche Verkehr ist nämlich seit Mitte vergangenen Jahres angehalten, Karben großräumig zu umfahren. Das hat bereits bei der Sperrung des Ortskern von Groß-Karben häufig nicht funktioniert, später dann sind auch Lastwagen durch Rendel und die Wohnstraßen von Klein-Karben gefahren.

Diskussion um Beschilderung

»Natürlich gibt es zu jedem Bauabschnitt Beschilderungspläne in Absprache mit den eingebundenen Behörden«, teilte Bürgermeister Rahn auf Anfrage des Vorsitzenden der Freien Wähler, Thorsten Schwellnus, mit. Werde festgestellt, dass die Beschilderung unzureichend sei, würden diese zeitnah ergänzt oder abgeändert. Auch Rahn teilt in Beantwortung dieser Anfrage mit, dass eine Vielzahl von Auto-, aber auch Lkw-Fahrern die Beschilderung missachte. »Ein Großteil der Verkehrsteilnehmer nutzt die ihnen bekannten Strecken.«

Die Freien Wähler sehen indes durch die »falsche Beschilderung« die Autofahrer »verwirrt«. Auch das führe dazu, dass Lastwagen sich in Sackgassen und verengte Straßen »festfahren«, schrieben sie in ihrer Anfrage an den Magistrat. Der sieht hingegen »gut erkennbare Beschilderungen«, mit denen bereits vor Rendel und Klein-Karben auf die Baustellen hingewiesen werde. Da aber die Baustelle wandert, seien alle vier bis sechs Wochen neue Verkehrsführungen notwendig. Erfahrungsgemäß dauere es einige Tage, bis sich die Verkehrsteilnehmer an die neue Situation gewöhnt hätten.

Dennoch: In der Stadt weiß man, dass viele laut Witzenberger »schlicht undiszipliniert« seien. Der Stadtpolizist war gestern zu einem Gespräch beim Bürgermeister. Tenor: »Wir wollen mehr kontrollieren, auch abends mal«. Bei einer Ermahnung werde man es nicht mehr belassen. »Ab jetzt kostet es.«

Kommentar

Folgenloses Ankündigen

Wie oft hat die Stadt schon verstärkte Kontrollen der Autofahrer angekündigt? Etwa, als der Lindenweg in Klein-Karben Umleitungsstrecke war, oder als die Ortsdurchfahrt Groß-Karben für Lastwagen gesperrt wurde. Passiert ist wenig. Verwunderlich ist das nicht. Jüngst hat der Bürgermeister in einer Ausschusssitzung doch zugeben müssen, dass es an Personal bei der Stadtpolizei fehlt. Für die Radarkontrollen müsse sogar jemand aus der Stadtverwaltung abgezogen werden, damit er als Zeuge in dem Radarwagen sitzen könne. Das alles verwundert insofern, als dass die Stadtverordneten Gelder für eine weitere Hipo-Stelle bewilligt haben. Doch der neue Mann ist noch auf Lehrgängen, ist also noch gar nicht im Einsatz. Urlaub und Krankheit kommen hinzu. Solange die Personalsituation so angespannt scheint, bleiben Ankündigungen nach vermehrten Kontrollen schlicht nutzlos.

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