16. Januar 2018, 13:00 Uhr

Dr. Kreuzfahrt

Kondom-Vorrat in der Kritik

Dr. Horst Schramm berichtet in der vollen Petterweiler Kirche, was er als Schiffsarzt auf Kreuzfahrten erlebte. Er erzählt von Kondomen, tollen Krankenhäusern und dem harten Leben der Crew.
16. Januar 2018, 13:00 Uhr
Nach der Lesung in der Petterweiler Kirche signiert Dr. Horst Schramm Bücher. (Foto: cf)

»Woran erkennen Kreuzfahrtfans, dass sie auf einem deutschen Schiff sind?«, fragt Mediziner und Autor Dr. Horst Schramm in der Petterweiler Kirche. »Die Gäste kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie auch das Servicepersonal. Und ab sechs Uhr reserviert der Vater die Liegestühle am Pool in Nähe der Bar mit Handtüchern und anderen Utensilien.« Das Publikum in der vollen Kirche nickt. Das Interesse an der Lesung aus dem Buch »Dr. Kreuzfahrt« ist groß. »Am besten schließen wir die Kirche zu, dann sind morgen Vormittag beim Gottesdienst noch alle da«, scherzt Pfarrer Michael Neugber. Den Abend gestalten Mathias Herrmann lesend und Dr. Horst Schramm erzählend. Bereits einen Tag zuvor trugen sie aus Schramms Werk in der Friedberger Buchhandlung Bindernagel vor. Buchhändlerin Friederike Herrmann hat den Kontakt des Autors zum Ankerherz Verlag vermittelt.

Einzelne Kapitel mit den spektakulärsten Fällen auf See trägt Mathias Herrmann gekonnt vor. Je nach Fall und Art der Schilderung stöhnen oder lachen die Zuhörer. Zwischen den Vorträgen gibt Dr. Schramm immer wieder interessante Einblicke »hinter die Kulissen« der Kreuzfahrtwelt.

Nichts bleibt geheim

Künftige Kreuzfahrer warnt er »auf einem Schiff bleibt nichts geheim«. Er berichtet von Aufenthalten in Häfen, bei denen Ärzte oder Beamte zur Kontrolle an Bord kommen. Überprüft werden dabei auch die Bordpraxis, Ausstattung, Medikamente und Material. Eine von Schiffsärzten gefürchtete Kollegin verlangt: »Ich will die Kondome sehen.« Beim Blick auf den Vorrat moniert sie: »Das geht nicht, die haben ja alle nur eine Größe.« Woraufhin ein Crewmitglied auf Einkaufstour gehen muss.

In einer Minute beim Patienten

Ergänzend zu Schilderungen von gefährlichen Transporten Erkrankter mit Beibooten und Hubschraubern in nicht optimal ausgestattete Krankenhäuser, lobt der Petterweiler Internist auch. »Krankenhäuser der Superlative gibt es in Hongkong, ebenfalls sehr gute im Oman und in Tromsø.« Er räumt auf mit der Vorstellung, dass es »an Bord eine ärztliche Maximalversorgung gibt«. Oft gebühre den Kapitänen ein großes Lob. Durch deren Einsatz werden Rettungen auf hoher See, weitab vom Festland, schwer erkrankter oder in Lebensgefahr schwebender Passagiere oder Crewmitglieder erst ermöglicht.

Crew hat ein hartes Leben an Bord

Für die Crew ist das Leben an Bord hart. »Ist ein Crewmitglied länger als drei Tage krank, dann muss er heim. Zwei Tage später kommt Ersatz.« In der Regel seien der Schiffsarzt und sein Team in einer Minute beim Patienten. Multimorbide und uneinsichtige Passagiere sorgen »jeden Tag für einen Knaller«. Zum Glück gebe es auch für den Arzt »schöne Tage, die sehr gefährlich beginnen und glücklich enden«. Schramm verrät, dass sich hinter der Durchsage »Mike, Mike, Medical Team proceed to the…« ein Notruf verbirgt. Ertönt »Foxtrott, Foxtrott« oder »Tango, Tango«, dann handele es sich um eine Feueralarm- oder Bombenalarübung.

Gebannt hört das Publikum dem Arzt, der seinen ersten Einsatz an Bord im Juli 2008 in der Arktis hatte, zu. Er schildert, dass er zum Schreiben in Grönland durch das Verfassen und Ausschmücken von Mails kam.

Honora von Hase-Koehler vom Kuratorium der Pfarrer Flick’schen Stiftung dankt der Familie Schramm für die anstelle von Eintritt erbetenen Spenden. Am Ende sind über 1000 Euro zusammengekommen.

 

Drei Fragen an Mathias Herrmann

"Ich lese nur Sachen, die mir Spaß machen"

Wie ist es für Sie so ein Werk wie »Dr. Kreuzfahrt« zu lesen?

Mathias Hermann: Ich lese nur Sachen, die mir Spaß machen. Da man viele Tage zu Hause sitzt und sich mit dem Text beschäftigt. Mein Spaß mit dem Text überträgt sich beim Vorlesen auf die Zuhörer.

Waren sie schon mal als Kreuzfahrer krank?

Hermann: Ich war dreimal beruflich als Schauspieler mit dem »Traumschiff« unterwegs und einmal als Vortragender. Es ist sehr schön auf einem Kreuzfahrtschiff. Ich war nie krank, hatte keinen Kontakt zum Schiffsarzt.

Wie sehen Ihre neuen Projekte aus?

Hermann: Ich habe eine große Affinität zu Klassikern. Demnächst kommt meine CD mit dem Titel »Die schönsten deutschen Balladen« auf den Markt. Dann toure ich mit einer Jack-London-Lesung durch die Republik, lese auch im Friedberger Bibliothekszentrum. In der ARD spiele ich im Fernsehfilm »Daheim in den Bergen« mit und im Herbst im Kurzfilm »Grüner wird’s nicht«. Im Sommer läuft beim Filmfest in München der Kurzfilm »Pickel am Arsch« bei dem ich ebenfalls mitspiele. (cf)

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