06. August 2019, 11:00 Uhr

Diamanthochzeit

Karbener Architektenpaar geht seit sechs Jahrzehnten gemeinsam durchs Leben

Das Architektenpaar Ruth und Klaus Langhammer aus Karben feiert heute nicht nur diamantene Hochzeit, sondern auch ihr 60-jähriges Arbeitsjubiläum.
06. August 2019, 11:00 Uhr

Die Szene spricht Bände. Als der Reporter das obligatorische Foto vom Diamantpaar im Vorgarten macht, legt Klaus Langhammer seiner Frau liebevoll seinen Arm um die Hüfte, und sie schaut ihn verliebt an. Keine Frage: Hier spürt auch der Besucher, dass sich zwei lieben. Und das seit mittlerweile 60 Jahren. Denn Klaus und Ruth Langhammer können heute ihre diamantene Hochzeit feiern.

Sechs Jahrzehnte lang gehen sie nun schon gemeinsam durchs Leben, privat und beruflich. Angefangen hat alles in Berlin. Dort saßen der junge Klaus und die junge Ruth während ihres Ingenieurstudiums nebeneinander in der Vorlesung. »Wir haben öfter hingeschaut, haben uns angeblinzelt und uns dann häufiger getroffen«, erzählt Klaus Langhammer. »Und nach dem Studium haben wir gesagt: Wir heiraten.« Damit sei ihr Pflegevater aber nicht einverstanden gewesen, erzählt Ruth. Gemeinsam sind die jungen Leute dann zu ihm gefahren. »Eine Nacht haben wir diskutiert und dann hat er doch zugestimmt.«

Trauung ohne Geburtsurkunde

Noch am selben Tag sind das Paar und der Pflegevater durch die Felder in den Nachbarort gelaufen, denn im Wohnort Radeberg wollte man die beiden nicht trauen. Grund: Ruth hatte keine Geburtsurkunde. Im Nachbarort war das möglich. Nach der Hochzeitsnacht in der Bastei sind die drei zur Anlegestelle in Wehlen gelaufen und per Schiff nach Dresden gefahren. Schließlich ging es per Bahn zurück in den Heimatort. »Das war unsere Hochzeitsreise«, schmunzeln die beiden. Dass alles so kurz ausfiel, hatte seinen Grund: Klaus Langhammer konnte seine erste Stelle als Bauleiter antreten.

Von Dresden aus ist die junge Familie - Sohn Gerd erblickte 1960 das Licht der Welt - kurz vor dem Mauerbau nach Berlin geflüchtet. »Wir mussten uns als Flüchtlinge melden«, erinnert sich das Paar. »Dann sind wir mit einer Pan-Am-Maschine nach Frankfurt ausgeflogen worden.« Zunächst habe man zwei Jahre in einem Flüchtlingslager gelebt, später in Steinbach. An Weihnachten 1968 zog die Familie nach Karben. »Ich hatte im Jahr zuvor dort beruflich zu tun und habe gesehen, wie schön es in Karben ist«, sagt Ruth Langhammer, die als Architektin im Rhein-Main-Gebiet bis in den Rheingau unterwegs war. »Als wir dieses Grundstück gekauft haben, gab es hier noch keine Straße«, erinnert sich das Paar. Ihr ist noch gut im Gedächtnis, dass sie es als Architektin in den Siebziger Jahren schwer hatte. »Haben Sie keinen Mann?« sei sie oft gefragt worden.

Anfangs habe man es auch schwer gehabt, in Karben Fuß zu fassen. Später sei das besser geworden; man habe eine Reihe von Objekten geplant und die Bauaufsicht geführt. Klaus Langhammer hat etwa die Statik des Bürgerzentrums erstellt, seine Frau Häuser unter anderem in Burg-Gräfenrode und Petterweil geplant. Später auch in Klein-Karben, wo die beiden leben und arbeiten. 60 Jahre üben sie nun schon ihren Beruf als Architekten aus. »Wir sitzen hier immer noch jeden Tag«, sagen sie in ihrem Büro unter dem Dach des Eigenheims.

Respekt voreinander bewahren

Die Kinder sind ebenfalls in die beruflichen Fußstapfen der Eltern getreten. Allerdings war dies bei der 1968 geborenen Tochter Iris Lorena nicht gleich der Fall. »Wir haben am Abendbrottisch dauernd von unserer Arbeit erzählt. Das hat unseren Kindern nicht gefallen.« Die Tochter habe einen anderen Beruf angestrebt, wollte Theaterwissenschaften studieren. »Sie hat sogar schon einen Studienplatz gehabt, aber dann hat sie uns am Nordseestrand gesagt, sie wolle doch ins Bauwesen«, erzählen sie.

Die Tochter arbeitet nun im Stadtplanungsamt Frankfurt, der Sohn ist Professor für Digitales Planen und Baukonstruktion in Frankfurt. Zur gesamten Familie gehören mittlerweile vier Enkelkinder. Die Jubilare blicken zufrieden auf ihr Leben. Sechs Jahrzehnte miteinander sind eine lange Zeit. »Das schafft man nur, wenn beide auch mal zurückstecken und den Respekt voreinander bewahren.«

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