16. März 2018, 14:00 Uhr

Für gehörlose Kinder

Janosch mit Gebärdensprache

Damit gehörlose Kinder trotzdem Janosch, Pippi Langstrumpf und Co. »vorgelesen« bekommen können, produziert der Bad Vilbeler Sascha Nuhn Kinderbücher als Videos mit Gebärdensprache.
16. März 2018, 14:00 Uhr
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Von Christine Fauerbach
Der Computer ist das wichtigste Arbeitsmittel: So »übersetzt« Sascha Nuhn Bücher wie Leo Lausemaus für Hörgeschädigte oder gehörlose Kinder. (Foto: cf)

Um hörgeschädigten oder gehörlosen Kleinkindern den Zugang zu Kindergeschichten zu ermöglichen, rief der Bad Vilbeler Sascha Nuhn das Projekt »DGS-Kids – Kindergeschichten in deutscher Gebärdensprache« ins Leben. Babys, die von Geburt an eine starke Hörschädigung haben oder gehörlos sind, haben keine oder kaum eine Möglichkeit, Sprache auf auditivem Weg zu erlernen.

Der Bad Vilbeler Sascha Nuhn ist Geschäftsführer des 1923 gegründeten Hessischen Verbandes für Gehörlose und hörbehinderte Menschen. Er weiß von der Welt der Gehörlosen, denn der Stadtverordnete der Grünen ist gehörlos.

 

Auch für Eltern große Hilfe

Die Interessenvertretung produziert für gehörlose und hörgeschädigte Jungen und Mädchen Kinderbücher als Gebärdensprachenfilme. »Das DGS-Kids-Projekt ist für diese Kinder und deren Entwicklung enorm wichtig«, betont Judith Arnold. Die Hörgeschädigte ist seit einem Jahr für das von ihrem Ehemann initiierte Projekt zuständig. Sie sagt: »Unser Ziel ist es, gehörlosen und hörgeschädigten Kindern und ihren Eltern, die für die Kommunikation die Gebärdensprache verwenden, ohne Mehraufwand Zugang zu Kinderbüchern in Form von Gebärdensprachenvideos und damit zur Bildung zu ermöglichen.«

Zudem seien die Videos eine große Hilfe, nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Eltern, die keine Gebärdensprache können, hörende Kinder mit Downsyndrom oder hörende Kinder hörgeschädigter Eltern. Gefilmt und geschnitten werden die Videos von einem Kollegen im professionell ausgestatteten Studio der Geschäftsstelle des Landesverbandes in Bornheim. Derzeit übersetzen sieben Gebärdenspieldarsteller die Texte für ihr Publikum. Zur Auswahl sagt Judith Arnold: »Ich frage bei Familien mit Kindern und im Freundeskreis nach, welche Kinderbücher besonders gefragt sind. Dann kontaktiere ich die Verlage und Autoren.«

 

Teure Produktion

Bei einer Zusage stelle der Verlag Hintergrundbilder, Titel und ein Buch zum Üben für die Gebärdendolmetscher zur Verfügung. Das sei nicht selbstverständlich, es gebe viele Absagen. Auch über die Unterstützung der gebürtigen Dortelweiler Autoren Jörg Mühle oder Dagmar Geisler freut sie sich. »Jede Zusage und jede Spende sind eine große Hilfe.«

Denn die Produktion ist teuer: Die Kosten liegen je nach Textumfang pro Produktion zwischen 1000 und 1500 Euro, pro Filmminute bei 130 bis 150 Euro. Die Eltern der gehörlosen oder hörgeschädigten Kinder kaufen ein Buch und erhalten dazu einen kostenlosen Videozugang im Internet.



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