Bad Vilbel & Karben

In Vilbel sind die Narren am Ruder

»Bad Vilbel Helau!«, ruft Sandhase Horst H. Hilling der vor dem Alten Rathaus stehenden Menge zu. Alle warten auf den Moment, wenn der Narrenzug dort eintrifft und die Fastnachter den Schlüssel bis Aschermittwoch in die Hand bekommen .
12. Februar 2018, 11:00 Uhr
Christine Fauerbach
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»Hippie« Erster Stadtrat Sebastian Wysocki und »Schornsteinfeger« Stadtrat Udo Landgrebe mit Sandhas’ Horst H. Hilling gut gelaunt auf der Treppe vor dem Alten Rathaus. (Foto: cf)

Am Fastnachtsamstag ist soweit: Das Rathaus wird von den Bad Vilbeler Narren gestürmt und die Magistratsspitze in Ketten gelegt, ihrer Macht beraubt und die Stadtkasse geplündert. In die Schlacht um die Macht gezogen sind die Narren unter der Federführung der Fidelen Sandhasen am Ritterweiher unter dem Motto: »Der Stöhr im Rathaus hat nix zu lache, wenn die Vilbeler Fastnacht mache!« Applaus gab es dafür vom über drei Stunden lang in der Ritter- und Frankfurter Straße bis zum Alten Rathaus Spalier stehenden, fröhlich winkenden Volk. Doch der Bürgermeister entzog sich seiner Verhaftung. Statt in der Kälte mit den Narren und ihrer kostümierten Gefolgschaft in der Kälte um die Wette zu zittern, zog er die Bettwärme vor. »Der Bürgermeister ist krank, kuriert einen Grippevirus aus«, verkündete seine rechte Hand Verena Eiser.

Erster Stadtrat als Hippie

Und deshalb erwarteten auf dem mit rotweißen Bändern abgesperrten Rathausbalkon »Hippie« Erster Stadtrat Sebastian Wysocki, »Schornsteinfeger« und Magistratsmitglied Udo Landgrebe und Sandhasen-Pressesprecher Horst H. Hilling die Angreifer. Die kündeten ihr Eintreffen mit lautem Trommelwirbeln, Fanfarenklängen, Gesang und Helau-Rufen, Konfetti- und Bonbon- regen an. Es gab 31 Zugnummern mit Fuß- und Tanzgruppen, Musikern, Motivwagen und Cabrios. Angeführt wurde der bunte Lindwurm von den Sandhasen, gefolgt vom Handwerkerverein, Garde und Elferrat des Tanzsport- und Karneval-Vereins.

Mit dabei auch »Die Bodentrampler« Nieder-Erlenbach, das Kinderprinzenpaar Prinz Yannis I. und Prinzessin Emely I, die Stallkrawaller, eine Gruppe der Betreuungsschule FIBS, Waldkindergarten und Quellenkönigin Jasmin I. und das DRK. Elferrat und Tanzgruppe des SC Dortelweil waren aus dem Weltraum angereist, die Fußgruppe der Stadtkapelle »Alice im Wunderland« entsprungen und »Die Schlottergockels« von Oberrad nach Vilbel geeilt. Mit dabei zu Fuß und mit Motivwagen war auch der Karnevalverein »Die Schoten«.

Konfetti-Kanone und Rede-Duell

Vor dem Alten Rathaus ballerten die Sandhasen ihre mit reichlich Konfetti-Munition geladene Kanone ab, und Hippie Wysocki lieferte sich mit Jürgen Liehr, dem Sitzungspräsidenten der Fidelen Sandhasen, ein Wortgefecht. »50 Jahre 68er Lebensgefühl, bei einem coolen 68er, da fällt der Sturm ganz sicher schwer«, frohlockte der Erste Stadtrat. »Wir alle kämpfen hier vereint und bringen jeden Hippie zum Schwitzen«, konterte Liehr.

Am Ende nahm die Garde die Stadtoberen gefangen, führte sie gefesselt über Parkstraße und Neue Mitte zum Hasenstall. Dort verteidigte sich der Erste Stadtrat nochmals wortreich und verkündete: »Ihr bleibt die Narren, ich der Mann, der Euch mal drei Tage lässt walten. Dann fallen Euch die Augen zu und bis November hab’ ich Ruh.« Darauf Liehr: »Den Hippie hier, den schicken wir heim, auch er will gern ein Narr mal sein, lässt sein Gras sich sicher schmecken, kann sich seine Wunden lecken, lässt sich verwöhnen von seiner Frau, wir wünschen viel Spaß und Bad Vilbel Helau!«

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