15. November 2017, 08:00 Uhr

Wohnungsbau

In Karben zahlen Geringverdiener 7,90 Euro

Die Wohnungsbaugesellschaft Karben errichtet an der Waldhohl für 10 Millionen Euro zwei Häuser. In einem werden Wohnungen zu 7,90 Euro je Quadratmeter mit Berechtigungsschein vermietet.
15. November 2017, 08:00 Uhr
Rudolf Montag zeigt von der Dachterrasse des Gebäudes B auf das Gebäude A der Karbener Wohnungsbaugesellschaft, in dem er eine Erdgeschosswohnung mit Gartenanteil gekauft hat. (Foto: pe)

Rudolf Montag ist auf Baustellenbesuch. Der Senior aus Burgholzhausen hat sich vor Monaten eine der 17 Eigentumswohnungen der Karbener Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) gekauft. 96 Quadratmeter im Erdgeschoss mit 130 Quadratmetern Garten. Er selber wird aber dort gar nicht einziehen, sondern sein Enkelsohn mit dessen Frau. Auf die Frage, warum er hier gekauft hat, muss er nicht lange überlegen: »Karben bietet eine hervorragende Infrastruktur«, sagt er, »von Kindergärten, über Einkaufsmöglichkeiten und Schulen bis hin zur S-Bahn.«

Rohbau ist fertig

Montag ist einer der Käufer von 17 Wohnungen im Haus A, das die Wobau zurzeit an der Waldhohl errichtet. Vor einem Jahr begonnen, ist der Rohbau fertig, die Verputzer sind am Werk. Der Senior aus dem Nachbarort kennt den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der städtischen Wobau, Otmar Stein. Als dieser sich vor Ort mit Pressevertretern trifft, will Montag eine weitere Wohnung kaufen. Doch Stein, bei der Stadt für Wohnungsbau und Wirtschaftsförderung zuständig, winkt ab: »Alles ausverkauft.« Bei durchschnittlichen Verkaufspreisen von 3 444 Euro pro Quadratmeter sind die Wohnungen seit Monaten vergriffen. Wie Stein erläutert, habe man die Erdgeschosswohnungen mit Garten und die Dachgeschosswohnungen etwas teurer angeboten, die Einheiten in den mittleren Geschossen aber zu knapp 3 300 Euro pro Quadratmeter. »Die meisten Käufer sind Selbstnutzer. Darunter sind auch Karbener, die ihr Haus verkauft und sich eine kleinere Wohnung gekauft haben.«

 

Bau für Geringverdiener

Das bringt sicher Vorteile für manchen Käufer, aber auch für die Wobau selbst. »Wir haben hier einen vernünftigen Ertrag erwirtschaftet«, sagt Stein und lächelt. Denn genau so ist sein vor Jahren ausgedachter Plan aufgegangen. Denn Haus A finanziert quasi Haus B mit. Das zweite Mehrfamilienhaus mit 18 Wohnungen ist gleichfalls schon errichtet. Das behält die Wobau im Eigentum und tritt als Vermieterin auf. Die drei Penthouse-Wohnungen werden zu je 10 Euro pro Quadratmeter vermietet, je fünf Einheiten zu Preisen zwischen 7,90 Euro und 9 Euro pro Quadratmeter. »Die Wohnungen zu 7,90 Euro sind für Mieter mit Wohnberechtigungsschein«, betont Stein den sozialen Aspekt. Denn in Haus B sollen sozial schwächere Mieter, aber auch Geringverdiener eine angemessene Wohnung erhalten.

Die Wobau erfüllt mit diesem Haus eine wiederholte Forderung von Teilen der Kommunalpolitik. Vor allem Linke, aber auch SPD und Grüne hatten in der Vergangenheit immer wieder verlangt, die Stadt solle Wohnungen für Krankenschwestern, Erzieherinnen oder Polizisten bauen. Denn Miet- und auch Eigentumspreise sind – wie in der gesamten Rhein-Main-Region – in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Besonderes Finanzierungsmodell

Mit diesem Finanzierungsmodell hat die Wobau quasi Neuland betreten. »Wir sind finanziell voll im Plan«, kann Stein nun verkünden. Nicht nur, weil die Erlöse aus Haus A den Bau von Haus B mitfinanzieren, kann die Wobau relativ günstige Mieten aufrufen. Sondern letztlich auch, weil bei Haus B auf die Tiefgarage verzichtet wurde – ein großer Kostenfaktor beim Bauen. Dafür habe man mit der Firma Kleespieß, die das Nachbargrundstück mit Stadthäusern bebauen wird, ein Agreement geschlossen. Einige der Stellplätze könnten direkt am Nachbargrundstück errichtet werden.

Einzug im Herbst 2018

Während in das Haus A im Juli kommenden Jahres die ersten Eigentümer und Montags Enkelsohn einziehen können, wird das Mietshaus B im November 2018 fertig. Ab dann können vor allem die Bewohner des Dachgeschosses den Weitblick genießen. Eine solche Wohnung hätte beinahe auch Rudolf Montag gekauft. »Aber hier oben sind die Balkone einfach nicht gut geschnitten.«

 

Info

Wobau drückt Mietpreise

Die Wobau hat auch schon in Burg-Gräfenrode ihr nächstes Mietobjekt durchgeplant. Wie der stellvertretende Aufsichtsratschef Otmar Stein informiert, werde man im Kaicher Weg auf dem Gelände des ehemaligen Spielplatzes ein Haus mit sieben Wohnungen errichten. Dabei setze man erstmals ein neues Konzept um, bei dem Baukosten gespart würden. So verzichtet die Wobau laut Stein sowohl auf einen Aufzug als auch auf die Unterkellerung des Gebäudes. Stattdessen werde es als Abstellmöglichkeit ein separates Gebäude geben, das oben eine Wohnung beinhalte. Zielpreis für die Vermietung sei »möglichst auch um die 8 Euro pro Quadratmeter«. Baubeginn soll Mitte 2018 sein, die Fertigstellung sei für Mitte 2019 vorgesehen. (pe)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Euro
  • Mietpreise
  • Niedrigverdiener
  • SPD
  • Wohnungsbau
  • Wohnungsunternehmen
  • Karben
  • Holger Pegelow
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos