Bad Vilbel & Karben

Hüfte wieder in Schwung bringen

Es ist ein kleines Jubiläum gestern Abend in der Sporthalle am Park der TG Groß-Karben gewesen: nach fünf Jahren der 20. Vortrag im Gesundheitsforum »Wissen, was hilft«, das der Verein in Kooperation mit dem Gesundheitszentrum Wetterau anbietet. Unter dem Titel »Nichts geht mehr…" referierte Dr. Michael Pröbstel, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und Bürgerhospital Friedberg, über Hüftschmerzen und deren Behandlung. Nach seinem Vortrag beantwortete er noch zahlreiche Fragen des interessierten Publikums.
21. Juni 2019, 21:52 Uhr
Redaktion
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Dr. Michael Pröbstel, Facharzt für Chirurgie, erklärt die operativen Behandlungsmöglichkeiten von Hüftschmerzen. (Foto: pv)

Es ist ein kleines Jubiläum gestern Abend in der Sporthalle am Park der TG Groß-Karben gewesen: nach fünf Jahren der 20. Vortrag im Gesundheitsforum »Wissen, was hilft«, das der Verein in Kooperation mit dem Gesundheitszentrum Wetterau anbietet. Unter dem Titel »Nichts geht mehr…" referierte Dr. Michael Pröbstel, Facharzt für Chirurgie und Unfallchirurgie, Chefarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am Hochwaldkrankenhaus Bad Nauheim und Bürgerhospital Friedberg, über Hüftschmerzen und deren Behandlung. Nach seinem Vortrag beantwortete er noch zahlreiche Fragen des interessierten Publikums.

Besserung ohne OP

Der Referent wies eingangs darauf hin, dass das Hüftgelenk das größte im menschlichen Körper sei und einiges an Gewicht zu tragen habe. Hüftgelenksschmerzen könnten ganz unterschiedliche Ursachen haben: angeborene Probleme (Dysplasie), Unfälle, Arthrose, Rheuma, Infektionen oder Durchblutungsstörungen. Besonders häufig sei gerade bei älteren Menschen Arthrose die Ursache, die weltweit häufigste Gelenkerkrankung. Das Spektrum der auftretenden Schmerzen reiche von Anlaufproblemen nach dem Aufstehen und Beschwerden nach körperlichen Belastungen über Schmerzen, die unabhängig von Bewegungen oder sogar im Ruhezustand auftreten, bis hin zu andauernden Schmerzen.

Relativ kurz ging Pröbstel auf konservative Behandlungsmöglichkeiten ein, etwa auf die Option, mit Schuheinlagen die Mechanik zu verbessern, den Einsatz von Entzündungshemmern, die Anpassung der Lebensweise (Gewichtsreduktion) oder die Anwendung von Medikamenten wie Hyaluronsäure, die direkt in das Gelenk gespritzt werden könne. Im Zentrum des Vortrags standen die operativen Behandlungsmöglichkeiten und dabei vor allem das Einsetzen von Gelenkprothesen im minimalinvasiven Verfahren, das nur einen Schnitt von rund acht Zentimetern Länge erfordere und Gewebe und Muskeln schone. Hüftgelenksprothesen kommen in Deutschland seit 1963 zum Einsatz. Seither seien sowohl die Prothesen selbst als auch die Operationsverfahren enorm verbessert worden und eine OP, für die allein drei Operateure und weiteres medizinisches Personal benötigt werden, könne inzwischen am Computer exakt vorausgeplant werden.

Dabei stünden unterschiedliche Prothesen in jeder potenziell benötigten Größe zur Auswahl. Die Unterschiede bestehen etwa im Material (Titan, Keramik, Polyethylen) und in der Länge des Schaftes für die Anbringung des neuen Hüftgelenkskopfes. Und auch die Art der Verankerung des künstlichen Gelenks unterscheide sich. Es kann einzementiert werden oder nicht, oder es wird eine hybride Lösung gewählt.

Bei 75-jährigen oder älteren Menschen sei grundsätzlich das Zementieren die Methode der Wahl. Ein heute eingesetztes Gelenk halte 20 bis 25 Jahre. Das werde aber nicht mehr als Grund betrachtet, eine Operation soweit wie möglich hinauszuschieben, denn das mute dem Patienten viele Jahre mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen zu, während er nach einer OP bald wieder voll bewegungsfähig sei und sogar Skifahren könne.

Bald heißt in diesem Fall: Schon am Tag nach dem Einsetzen des Gelenks wieder stehen und gehen. Und nach rund sechs Wochen ist das künstliche Gelenk so weit eingewachsen, dass es normal belastet werden kann. Für die Nachsorge - wie auch für die Vorsorge - ist es äußerst hilfreich, wenn die Patienten sich fit halten und Gesundheitssport treiben, wie ihn nicht zuletzt die Turngemeinde anbietet. Das Hochwaldkrankenhaus sei ein zertifiziertes Endoprothetikzentrum und werde von der AOK als überdurchschnittlich gut eingestuft.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/wetteraukreis/badvilbelkarben/Bad-Vilbel-Karben-Huefte-wieder-in-Schwung-bringen;art469,604611

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