01. Mai 2017, 20:34 Uhr

Hörgenuss bis zum letzten Ton

01. Mai 2017, 20:34 Uhr
Dirigent Hubert Buchberger (M.)verabschiedet sich mit 23 Solostreichern der Sinfonietta Frankfurt von den Wetterauer Freunden der Kammermusik. (Foto: cf)

Mit anhaltendem Applaus bedankten sich die Freunde der Kammermusik bei Professor Hubert Buchberger am Ende des 75. Kammerkonzertes der Sinfonietta Frankfurt in Bad Vilbel. Buchberger verabschiedete sich als Dirigent, Musiker und Leiter der Kammermusikabende nach 27 Jahren vom Publikum im Kulturforum Dortelweil.

Buchberger ging Ende März als Professur für Streicher-Kammermusik an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) in Pension. Am Donnerstagabend verabschiedete er sich als Leiter und Dirigent bei Sinfonietta Frankfurt. Ende der Saison 2017/18 gibt er auch die künstlerische Leitung des Vereins zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker an seinen Nachfolger auf der Professur für Streicherkammermusik an der HfMDK ab. Damit endet Buchbergers Engagement nach einem halben Jahrhundert in verschiedensten Funktionen – als Student, Lehrbeauftragter, Solist, Kammermusiker in verschiedenen Besetzungen und Dirigent – im und für den Kammermusikverein und damit zugleich für die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt und der Frankfurter Sparkasse 1822. Der gemeinnützige Verein zur Pflege der Kammermusik und zur Förderung junger Musiker wurde 1959 gegründet.

Mit 17 Jahren, genauer am 26. September 1968, war Hubert Buchberger mit seiner damals 14 Jahre jungen, heutigen Ehefrau Elisabeth mit einem Duo für zwei Violinen von Ignaz Pleyel erstmals bei einem Sparkassenkonzert aufgetreten.

Halbes Jahrhundert für die Musik

Dennis Grana, stellvertretender Filialleiter der Frankfurter Sparkasse in der Quellenstadt, begrüßte die Konzertbesucher. Kulturpädagogin Annette Zindel-Strauß, die die Kammermusikreihe seitens des städtischen Fachbereichs Kultur begleitet, überreichte dem Dirigenten zum Abschied den obligatorischen Blumenstrauß.

In der Sinfonietta Frankfurt spielen ausgewählte Studierende und ehemalige Studenten der HfMDK. Beim Abschiedskonzert musizierten 23 Solostreicher unter Stimmführung des Elliot-Quartetts. Das Programm des 75. Kammerkonzertes war aufwändig und anspruchsvoll zugleich. Den Anfang machten die Musiker mit einem ganz selten zu hörenden Werk, der »Meditation über den alten tschechischen ChoralSt. Wenzeslaus op. 35a« von Josef Suk. Der Komponist war Zweiter Geiger des Böhmischen Streichquartetts und damit ab 1914 verpflichtet, seine Konzerte mit der österreichischen Kaiserhymne zu beginnen. Er ersetzte diese jedoch durch den St.-Wenzels-Choral, ein altböhmisches geistliches Lied. Dessen Botschaft war eine Bitte an den Nationalheiligen, sich um das Wohl des tschechischen Volkes zu kümmern.

Das zweite Stück des ersten Teils war das 2008 komponierte Werk »Silver Lining für 23 Solostreicher« von Frank Zabel. Es hat zwar dieselbe Besetzung wie die im zweiten Teil erklingenden »Metamorphosen« von Richard Strauss, doch das musikalische Konzept dieser »Silberstreifen am Horizont« ist sehr unterschiedlich: Bei den Metamorphosen gibt es einen riesigen Bogen vom sehr ruhigen Beginn über das dramatische Zentrum des Werkes bis zum Abschluss mit dem berühmten Eroica-Zitat. Zabels Werk endet langsam und im dreifachen Piano nach einem sehr frischen Beginn. Zwischen den insgesamt drei Allegrissimo-Teilen stehen langsame Partien und auch ein stilisierter Walzer. Die Komposition »Silver Lining« verleiht dem Streben nach Musik als Trösterin und Hoffnungsgebende Ausdruck.

»Diese sehr schwer zu spielenden Stücke haben außermusikalische Gründe«, informierte Buchberger. Mit den Strauss’schen »Metamorphosen« in der Besetzung Concerto Grosso und Panorama-Ensemble klang das Abschiedskonzert aus. Noch einmal kam das Publikum in den Genuss einer mit jedem Ton spür- und erlebbaren, unter die Haut gehenden Hingabe, Freude und Virtuosität der 23 Solostreicher und ihres Dirigenten Hubert Buchberger. Die Einnahmen des Konzertes kommen wie immer dem Förderverein der Musikschule Bad Vilbel/Karben zu Gute.

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