Nicht nur achtlos vorbeigehen, sondern stehen bleiben, das Besondere, das Sehenswerte erkennen: Nach diesem Motto sind die Aktiven des Seniorenfotokreises aus Bad Vilbel seit 2003 unterwegs. »Es geht um den Blickwinkel«, sagt Nguyen-Hien Luong. Der Maschinenbauer findet den zum Beispiel bei einem fantastisch wirkenden Sonnenuntergang oder auch beim Blick durch einen der Fleete der Hamburger Hafencity.

Auch die vier Fotografien von Luong gehören zur Ausstellung »Architektur – Farben und Formen« des Seniorenfotokreises, die morgen Abend im Bad Vilbeler Rathaus eröffnet wird. Zehn Mitglieder der ans Seniorenbüro angeschlossen Hobbygruppe zeigen dort ihre Werke. Diesmal hat sich der Seniorenfotokreis kein spezielles, enges Thema gesetzt, an dem alle mitgewirkt haben.

Jeder sucht selbst aus

»Diesmal sollte es ein freies Thema sein, bei dem sich alle wiederfinden«, erklärt Wolfgang Gacho. »Die Themenfindung ging ganz schnell, anders als sonst«, sagt Klaus Knorr. Was wohl zentral daran liegt, dass jeder recht problemlos etwas beitragen kann. Auch wurde diesmal nicht mit der gesamten Gruppe bestimmt, welche Bilder gezeigt werden: »Jeder konnte selbstverantwortlich aussuchen«, erläutert Betriebswirt Knorr.

Einige Fotografen durchforsteten die schon vorhandenen Bildbestände nach passenden Motive, andere machten sich zunächst auf die Motivpirsch. So wie Gacho, der nächtliche Farbspiele bei Kunstinstallationen im Frankfurter Palmengarten für die Nachwelt festhielt. Diese Nachtaufnahmen mit vielen farbigen Elementen sind technisch höchst anspruchsvoll – der Bankkaufmann setzt sie souverän um.

Sich solche Technik anzueignen ist eines der Ziele, das die Mitglieder in der 2003 ins Leben gerufenen Hobbygruppe haben. Nicht nur inhaltliche Diskussionen über Bilder und deren Motive gibt es bei den monatlichen Treffen im Haus der Begegnung. »Da geht es um den Blickwinkel«, sagt Luong, »jeder hat seinen eigenen und man kann gut von anderen lernen.«

Oft gibt es auch eine kurze Fortbildung zu einem Spezialthema. Das technische Können sei schließlich das, was aus Knipsern Fotografen mache. Dazu gehöre auch die Fotobearbeitung: »Sie ist das A und O heute, um herauszukitzeln, was in den aufgenommenen Bildern steckt«, sagt Gacho.

Die Mitglieder der Gruppe sind ganz individuell stark aktiv, alle zwischen 65 und 80 Jahre alt. Erhard Mattern führt die Fotografen an. »Wer fotografiert, sieht mehr«, ist sein Wahlspruch. Besonders Kuriositäten bannt er im Bild. Die schnelle Street-Fotografie, also alltägliche Szenen von der Straße einzufangen, sowie Reisefotografie sind Luongs Schwerpunkte.

Dokumentarische Bilder, besonders Nachtaufnahmen, und gern technisch aufwändig hergestellt – dem hat sich Wolfgang Gacho verschrieben. Und »Menschen, die interessant sind«, haben es Klaus Knorr angetan. Das wird allerdings diesmal in der Schau nicht zu sehen sein. Stattdessen setzt er auf Kontraste: Zum einen die nächtliche Spitze des markanten Frankfurter Messeturms, zum anderen die unscheinbare Pforte zum früheren Niederurseler Gefängnis, wo in früheren Jahrhunderten wohl schon Tausende an den Pranger gekettet waren.

Viele der Bilder der Ausstellung wirken durch ihre Einfachheit. Allein der ruhige, fotografische Blick auf eine architektonische Struktur offenbart in einigen Fällen erst deren Besonderheit. Wie etwa bei Erhard Matterns Blick auf die massive Skyline der City von Singapur.

Weitere Mitstreiter nehmen die Fotografen gern auf. »Es kommt dabei nicht darauf an, wie teuer eine Fotoausrüstung ist«, betont Klaus Knorr. »Sondern es geht darum, das Richtige herauszuholen.« Wobei sich die Mitglieder eben gegenseitig unterstützen.

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