29. Oktober 2018, 20:18 Uhr

Nachlese zur Landtagswahl

Grünes Licht und roter Schatten

Die Grünen können sich in Karben als große Sieger der Landtagswahl freuen. Die Ökopartei gewinnt stärker als auf Landesebene hinzu. Die AfD bleibt hinter dem Landesergebnis zurück.
29. Oktober 2018, 20:18 Uhr
Sortieren steht vorm Auszählen. Ist das Ergebnis da, gilt es für die Politiker es auszuwerten und zu analysieren. Auch in Karben. (Fotos: Pegelow/pv)

Im zweistelligen Bereich sind Karbens Grüne durchaus schon öfter unterwegs gewesen. Doch auf kommunaler Ebene sind es aktuell nur 7,9 Prozent, im Stadtparlament bilden sie die viertstärkste Fraktion.

Mit dem Sonntagabend hat sich die Öko-Partei nun in zuvor nie erreichte Höhen aufgeschwungen. Ein Plus von 10,2 auf 20,4 Prozent hat sie bei der Landtagswahl erzielt. Und sie ist an der SPD vorbeigezogen und nun zweitstärkste Kraft.

»Damit hatte ich nicht gerechnet«, räumt ein Vorstandssprecher Rainer Knak hochzufrieden ein. Ein solches Ergebnis – zumal noch besser als auf Landesebene – sei nicht zu erwarten gewesen, »auch wenn es nach den Umfragewerten der jüngsten Zeit nicht mehr ganz so überraschend kam«. Offenbar habe die Wähler auch überzeugt, dass die Grünen »emsig und fleißig« auch auf Stadt-Ebene arbeiteten, innovative Ideen einbrächten und glaubhaft blieben. »Wir sind das ökologische Gewissen«, sagt Knak, und dem sei die Partei eben seit langer Zeit stets treu geblieben.

AfD will sich in Karben einarbeiten

Zweiter Sieger des Wahltags ist die AfD, wenngleich die Partei in der Stadt etwas weniger stark hinzugewinnt als auf Landesebene. »Ich bin nicht enttäuscht«, erklärt ihr örtlicher Frontmann Wilfried Repp. Er habe erwartet, dass die Zuwächse geringer ausfielen, je näher ein Ort an Frankfurt liege. Wieso das? Je näher an der »bunten Stadt«, desto weniger »Zugereiste« gebe es im Stadtbild und desto weniger Probleme damit, »dass Frau Merkel die Grenzen geöffnet hat«, sagt Repp.

Der AfD-Politiker, der auch im Kreisvorstand aktiv ist, räumt ein: Durch die jüngsten Wahlkämpfe »kam Karben zu kurz«, weshalb sich die Partei nun »stärker in Karbener Materie einarbeiten« wolle. »Hauptthema wird der Wohnungsmarkt sein«, kündigt Wilfried Repp an. »Hier liegt einiges im Argen.«

Mit 11,2 Prozentpunkten Verlust hat die SPD das größte Minus in Karben eingefahren. »Das war ein Denkzettel für die Bundespolitik«, seufzt Partei-Vizechefin Nora Zado. Die teils hohen AfD-Ergebnisse zeigten, dass es viele Protestwähler gegeben habe, denen inhaltlichen Fragen egal gewesen seien. Nach dem Absturz auf 18.8 Prozent in Karben sei die Stimmung in der SPD »eher depressiv«. »Um da herauszukommen, braucht es Ideen«, findet Nora Zado – und auch Personal, das die Partei in Karben nicht habe. »Jetzt ist Basisarbeit nötig, um das neu aufzubauen.«

Denn die Politik der Partei sei weiterhin gewollt, ist die junge Parteifrau überzeugt: »Die politischen Forderungen, für die die SPD steht, werden nicht untergehen.«

Etwas weniger stark als auf Landesebene mit 2,5 Prozentpunkten hat die FDP in Karben nur 2,0 Prozentpunkte zugelegt. Karbens FDP-Chef Oliver Feyl ist dennoch zufrieden: Die Wähler schätzten »reelle Politik« der Liberalen. Aber dass andere Parteien stärker vom Aderlass der beiden Großen profitierten? »Die Grünen hatten einfach einen großen Hype«, analysiert der Karbener Liberale Feyl.

Trotz Zugewinnen sind die Freien Wähler auch in Karben deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde geblieben. »Wir werden von den Medien nicht richtig wahrgenommen und immer nur unter ,Sonstige‹ geführt«, nennt Vorsitzender Thorsten Schwellnus als Ursache. Allerdings sei auch beim Wahlkampf »noch Luft nach oben« gewesen, meint er.

Den Rückzug von Kanzlerin Angela Merkel von der Parteispitze der CDU wertet Karbens CDU-Chef Mario Beck als wichtigen Schritt nach dem Wahldebakel in Hessen. »Das Ergebnis sollte uns zu denken geben.« In Karben haben die Christdemokraten immerhin etwas weniger stark als auf Landesebene verloren, sind mit 30,5 Prozent weiter unangefochten stärkste Kraft. Damit sie das aber bleiben, sieht Mario Beck Aufgaben für die Partei. Besonders in Wahlbezirken mit vielen Neubürgern hätten die Grünen stark zugewonnen. »Die Neubürger müssen wir von unserer Arbeit überzeugen bei der nächsten Kommunalwahl 2021.« Dass die CDU in Karben »einen sehr guten Job mache«, müsse die Partei den Zugezogenen erklären. Daher wolle sie verstärkt in Neubaugebieten um Unterstützer werben – und möglichst auch Mitwirkende gewinnen.

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