03. November 2018, 05:00 Uhr

Großeinsatz

Großbrand auf Kloppenheimer Hühnerfarm

5000 Hennen sind tot, nur noch die Seitenwände von zwei Hühnerställen neben der B3 stehen: Ein Großbrand hat die Anlage, die zum Kloppenheimer Margarethenhof gehört, am Freitag zur Hälfte zerstört. Die enorme Rauchwolke war weit zu sehen. Bei den Betreibern, der Familie Kliem, sitzt der Schock tief.
03. November 2018, 05:00 Uhr
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Von Dennis Pfeiffer-Goldmann
Während der Löscharbeiten mit Drehleiteran seinen Hühnerstellen hat Seniorchef Karl August Kliem zahlreiche Telefonate zu führen. (Foto: ach)

H ühner laufen um ihn herum, als Karl August Kliem auf dem Feld neben seiner Hühnerstallanlage steht. Alle paar Minuten geht er ans Handy, den Blick dabei auf das Unfassbare gerichtet: Zwei der vier Hühnerställe brennen lichterloh. Die Flammen schlagen seitlich unter dem Dach hervor. Dichter, schwarzer Rauch formt sich zu einer massiven Säule, die weit in den Himmel hinauf steigt. In Karben, heißt es in Radio-Ansagen, mögen die Anwohner bitte die Fenster schließen. Das Feuer hatte ein Mitarbeiter gegen 11.40 Uhr entdeckt und sofort Alarm geschlagen, erklärt Kliem. Zugleich seien automatische Alarme ausgelöst und via Handy übertragen worden. Nur wenige Minuten später waren die ersten Feuerwehrleute aus Karben da. Als weitere Mitarbeiter vor Ort waren, sei versucht worden, so viele Tiere wie möglich ins Freie zu bringen. Rund 500 Tiere schaffen es. Verängstigt ducken sie sich unter einen Hänger hinter dem Stall.

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Feuerwehrmänner tragen einige Hennen aus dem brennenden Stall. (Foto: dpg)

Viele Tiere aber stehen selbst noch im Angesichts des Feuers auf ihren Volièren im Stall oder laufen an den offenen Türen auf und ab und den Feuerwehrleuten zwischen den Stiefeln herum. Einer der Männer in voller Montur greift beherzt zu und befördert mit einem sachten Wurf einige der vom Löschwasser durchnässten Tiere ins Freie.

Brandermittler suchen Ursache

Rund 5000 Hennen werden es am Ende nicht mehr geschafft haben. Der wirtschaftliche Schaden dadurch liegt laut Polizei bei rund 40 000 Euro. Kleines Glück im Unglück: »Die Ställe waren nicht mehr voll besetzt«, sagt Juniorchef Karl Wilhelm Kliem.

Wesentlich teurer dürfte der Schaden an dem Gebäude sein. Für 2,5 Millionen Euro hatten die Kliems die Ställe vor acht Jahren gebaut. Warum das Feuer ausbrach, kann sich niemand erklären: »In den Gebäuden haben wir nichts Brennbares verbaut«, sagt Karl Wilhelm Kliem. Die Ställe hätten nur aus Betonwänden und Metalleinbauten bestanden. Erst eine Woche zuvor habe eine Fachfirma die Anlage »blitzblank gereinigt«. Lediglich seien auf dem Dach der Anlage Photovoltaikanlagen installiert gewesen. Ob diese den Brand ausgelöst haben könnten? »Das prüfen wir ebenfalls«, erklärt Polizeisprecherin Sylvia Frech. Die Kripo will am Montag und Dienstag nach der Ursache forschen. 100 Einsatzkräfte der Feuerwehr, vom Roten Kreuz und der Polizei sind im Einsatz. Alle Karbener Feuerwehren, aus Bad Vilbel die Dortelweiler und die Kernstadt-Wehr hat Stadtbrandinspektor Christian Becker alarmiert. »Als ich die Rauchsäule sah, war sofort klar, dass es kein kleiner Brand ist.«

Löschwasser per Tankwagen gebracht

Die Feuerwehren vom Heilsberg, aus Friedberg und Limeshain bringen per Tankwagen Löschwasser. Erstmals karren Tankfahrzeuge der Lade- und Transportgemeinschaft Wetterau West (LTG) Löschwasser heran. Welche Ironie: Die LTG hat ihren Sitz auf dem Hof Kliem. Wegen des Ausfalls der beiden Ställe rechnet Kliem jetzt mit Lieferengpässen unter anderem in den »Landmarkt«-Abteilungen von 54 Rewe-Märkten. Erstmal aber müssen Familie Kliem und ihre Mitarbeiter nun diesen Schock verarbeiten. Ein Notfallseelsorger kümmert sich um sie. Nicht wenigen von ihnen kommen die Tränen, als sie sehen, wie die Ställe in Flammen stehen und Hennen tot darin liegen. Die Mitarbeiter bauen auf der Wiese hinterm Stall einen provisorischen Zaun auf, damit die überlebenden Hühner erstmal sicher stehen. Am Abend sollten die Tiere eingefangen werden.



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