02. März 2019, 18:00 Uhr

Hochregallager

Gigant aus 80 Tonnen Stahl

Beeindruckend und riesig sieht das Stahlgerippe des neuen Hochregallagers von Hassia in Bad Vilbel aus. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Für den Mineralwasserhersteller wird der Neubau sowohl Entlastung als auch Wachstum möglich machen.
02. März 2019, 18:00 Uhr
Stefan Marhold, Leiter der internen Logistik bei Hassia (l.), im Gespräch mit Vorarbeiter Lutz Müller von Industriemontage-Spezialist Interzeit. (Fotos: dpg)

Ü ber Zuschauer müssen sich die Bauarbeiter nicht beklagen. Denn jeden Tag rollen Tausende Autofahrer vorbei und stehen oft hier in der Büdinger Straße im Pendlerstau. Wochenlang haben die Passanten bestaunen können, wie die Arbeiter immer weiter hinauf das Stahlgerippe des neuen Hassia-Hochregallagers montierten.

In schwindelerregender Höhe zu arbeiten ist nicht ohne. »Alle kletternden Arbeiter sind speziell geschult«, erklärt Vorarbeiter Lutz Müller vom Industriemontage-Spezialisten Interzeit aus dem oberpfälzischen Amberg. Die spezielle Art des Arbeitens, sich zu sichern, der Eigenschutz, die Rettung in der Höhe – all das lernen die Spezialisten. Nur: »In der Höhe keine Angst zu haben, das kann man nicht lernen«, sagt Müller. Er schaut hinauf, wie die Arbeiter eine weitere Stahlstrebe ins Gerippe bugsieren, dann festschrauben. Sie stehen auf anderen Streben, sind mit ihrem Klettergeschirr absturzsicher befestigt.

16 Meter hoch

Bis in 16 Meter Höhe ragt der riesige Metallkomplex hinauf. 2300 Quadratmeter Grundfläche hat das neue Regallager von Hassia. Genutzt werden soll das Lager vor allem für die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Darunter fallen zum Beispiel Etiketten, Verschlüsse, neue Flaschen oder Rohlinge, erklärt Firmensprecherin Sibylle Trautmann.

Dieses Material lagert das Unternehmen bisher auf freien Flächen innerhalb der benachbarten Produktionshallen. Um dort Platz für Umbauten zu schaffen, kommt das Lagergut ins Hochregallager. Dieses entsteht auf einer Fläche, die kaum genutzt war: Mehrere niedrige Werkstattbauten wichen für den Neubau. Anders als bei normalen Bauten werden Hochregallager »von innen nach außen errichtet«, erläutert Stefan Marhold, der Leiter interne Logistik bei Hassia. Nötig und sinnvoll ist das nicht nur, weil das massive Gerippe so viel einfacher zu bauen ist, sondern auch, weil das Gerippe selbst schon ein Teil der Statik ist.

Platz für 4908 Paletten

Das Skelett aus verzinktem Stahl ist satte 80 Tonnen schwer. Und die 4908 Paletten mit Lagergut kommen ja auch noch hinein. Damit der Boden unter dem Bauwerk dieses enorme Gewicht überhaupt aushält, musste die Bodenplatte sehr massiv ausfallen. Unter ihr reichen 360 Betonsäulen drei bis vier Meter tief in den Untergrund. Und zwar genau an den Stellen, an denen die Träger des Regalskeletts auf die Bodenplatte treffen. Das Herstellen der massiven Platte hatte selbst schon recht lange Zeit gedauert: von Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten. Eine Herausforderung war auch, dass die Platte »unbedingt völlig eben« sein muss, unterstreicht Marhold. »Sonst funktioniert die Technik nicht.«

Vollautomatisiertes Lagersystem

Wer das Mega-Stahlskelett noch einmal betrachten will, sollte das nun schnell machen. Denn ab kommender Woche bis Ende März soll eine weitere Firma Dach und Seitenwände montieren, kündigt Marhold an. Anschließend folgen innen der Einbau der Sprinklertechnik und des vollautomatischen Lagersystems. Dieses befördert die Paletten von einer Übergabestelle an ihre Stellplätze und holt sie von dort auch wieder ab. Jedes Abstellfach im Lager fasst sechs Paletten. Der Testbetrieb soll Ende Mai starten. Mit dem fertigen Stahlgerippe habe das Gebäude seine Ausmaße erreicht, sagt Marhold. »Größer wird es nicht mehr.« Eine graue Außenverkleidung soll den Bau möglichst unauffällig machen. Auch solle noch eine neue Begrünung für den schmalen Grundstücksstreifen entlang der Büdinger Straße folgen, kündigt Trautmann an. Derweil schaut sich Vorarbeiter Müller das vollendete Werk seiner Mitarbeiter an und ist zufrieden. Herausfordernd sei die Baustellenlogistik gewesen. »Es war sehr knapp mit dem Platz.« Den gab es auf dem Betriebsgelände nicht. Daher hatte die Baufirma einen Teil des Festplatzes nebenan nutzen können.

Gerade einmal zwei Tage später als ursprünglich geplant ist der Metallbau fertig geworden. Das sei bei einer Winterbaustelle sehr gut, lobt Marhold. »Aber die kalten Nächte waren schon ein Problem.«. Nicht nur, weil sich nachts Eis auf der Bodenplatte bildete, sondern auch, weil der Stahl oft mit Reif überzogen war. »Da mussten die Arbeiter aufpassen, dass sie nicht abrutschen«, weiß Marhold. Das will niemand beim Arbeiten in 16 Metern Höhe.

Info

Mit Elektrohängebahn verknüpft

Angeschlossen wird das neue Hochregallager von Hassia an die Elektro-Hängebahn. Mit dem Hängebahnsystem transportiert der Mineralwasserhersteller vollautomatisch Material auf Paletten zwischen den verschiedenen Lagern und Produktionsstätten am Standort Bad Vilbel in der Gießener Straße, in der Straße im Rosengarten und in der Friedberger Straße. Ein Blick auf diese Hängebahn lässt sich an der Brücke über die Straße im Rosengarten erhaschen wie auch an der Wendestelle der Hängebahn direkt neben der Büdinger Straße. Dort entsteht auch das neue Hochregallager. (dpg)

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