21. November 2017, 16:00 Uhr

Volkstrauertag

Gegen das Wegsehen

Nur knapp 20 Klein-Karbener nehmen an der Gedenkfeier am Volkstrauertag teil. Das Interesse den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft die Ehre zu erweisen nimmt ab.
21. November 2017, 16:00 Uhr
Ortsvorsteher Christian Neuwirth spricht zum Volkstrauertag, Soldaten der Reservistenkameradschaft Wetterau erweisen den Gefallenen ihre Ehre. (Foto: jwn)

Der Volkstrauertag ist ein Gedenktag, an dem an die Opfer der beiden Weltkriege, der vielen Gewaltherrschaften und der Vertreibungen bundesweit gedacht wird. Das Band zu diesen Menschen wird immer dünner. Zu den Gedenkveranstaltungen kommen kaum noch Menschen. Gerade Mal 20 sind es am Sonntag in Klein-Karben.

Freiheit als Grundlage der Existenz

Wo sich Vertreter der örtlichen Gremien auf dem Waldfriedhof zusammengefunden haben, um den Toten und Opfern der letzten Kriege zu gedenken. Mit einem Zitat von Konrad Adenauer, dass Frieden und Freiheit die Grundlagen jeder menschenwürdigen Existenz sind, und dass ohne Frieden und Freiheit es keinen Aufstieg der Völker, kein Glück und keine Ruhe für die Menschheit gebe, eröffnete Ortsvorsteher Christian Neuwirth die Gedenkfeier. Kriege und Gewalt brächten viel Unheil über die Menschheit. Und deshalb sei so wichtig, dass daran erinnert und an die vielen Millionen Opfer gedacht werde.

Gedenken an Leid wachhalten

Die Zeit heile zwar viele Wunden, umso wichtiger sei es, das Gedenken an das Leid der Kriege und der Gewalttaten wachzuhalten, damit sie sich nicht wiederholen würden. »Auch wenn wir in Europa seit über 70 Jahren Frieden haben, so dürfen wir nicht bei den vielen Krisen in der Welt einfach wegesehen als ginge das uns nicht an. Denn Krisen können leicht übergreifen und plötzlich auch uns betreffen«, warnt Neuwirth. Viele wollten in der heutigen Zeit nichts mehr von Krieg und Gewalt hören und deshalb interessierten sie sich auch nicht für das Schicksal der deutschen Soldaten, die in fernen Ländern Werte wie Freiheit und Demokratie verteidigten. Diese Einstellung sei falsch, weil Gewalt und Terror sehr schnell auch in Deutschland wieder präsent seien können. Die fürchterlichen Gewalttaten der Terroristen in jüngster Zeit seien ein warnendes Zeichen dafür.

Volkstrauertag erhalten

Auch die beiden anderen Rednerinnen, Rosemarie Plewe (FWG) für den Magistrat und Ellen Benölken für den VdK, sprechen sich für das Beibehalten des Volkstrauertages als Gedenktag aus, weil nur so die Botschaft: »Nie wieder Krieg und Gewalt« in das Bewusstsein der Menschen verankert werden könne. »Deshalb darf es keinen Schlussstrich unter das Erinnern an die Greultaten der Kriege und der Vertreibungen geben, denn sie stehen für viel menschliches Leid und Elend«, erklärt Benölken. Denn leider sei dieses Thema immer noch sehr aktuell, wie sich in vielen Regionen der Welt zeige. Deshalb sei dieser Tag wichtiger denn je, weil er sich für die Menschenrechte einsetze.

Solidarität mit Hinterbliebenen

 

Die Ursprünge des Volkstrauertags reichen zurück bis in das Jahr 1922, als es im Reichstag der Weimarer Republik die erste offizielle Feierstunde gab. Damals veranstaltete der Volksbund eine Feier, um das Gedenken an die Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu wahren. Nicht »befohlene« Trauer sei damals das Motiv zur Einführung des Gedenktages gewesen, sondern das Setzen eines nicht übersehbaren Zeichens der Solidarität derjenigen, die keinen Verlust zu beklagen hatten, mit den Hinterbliebenen der Gefallenen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Volkstrauertag 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Heute wird er als ein Tag der Mahnung zur Versöhnung, zur Verständigung und zum Frieden angesehen.

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